Bewerbungen HSHS 2011/2012

10. März 2011

Der 19. HSHS-Seetörn 2011/2012

Derzeit ist die 18. HSHS unterwegs auf der Johann Smidt und wird Anfang Mai 2011 in Deutschlang zurückerwartet. Und auch im kommenden Schuljahr 11/12 geht es weiter mit der High Seas High School…!!! Der geplante 19. Törn der HSHS im Jahr 2011 beginnt wieder im Oktober und führt von Deutschland über Teneriffa nach Mittelamerika, Yucatan, Kuba, auf die Bermudas und über die Azoren zurück nach Deutschland (Rückkehr im Mai 2012). Die genauen Ziele stehen noch nicht endgültig fest. Für diesen Törn kann man sich ab sofort bewerben. Bewerbungsschluss ist der 30. April 2011. Bewerben können sich Schüler und Schülerinnen, die zum Beginn der Reise die 10. oder 11. Klasse eines Gymnasiums besuchen. Das Schiff der HSHS 2010/2011 wird voraussichtlich wieder der Schoner „Johann Smidt“ sein. Der Probetörn wird im kommenden Juni stattfinden und führt auf der Johann Smidt in die Ostsee. Auch die Dokumentation der 19. HSHS–Reise 10/11 wird wieder auf dieser Internetseite erfolgen. Weitere Informationen zur Reise 2011/2012 (Route, Abreisen etc.) werden auf den Internetseiten der Hermann Lietz Schule Spiekeroog und der HSHS bekannt gegeben.

Das HSHS-Webteam

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Am Abend vor dem Einlaufen

30. April 2010

Tag: 30. April 2010, vor dem Einlaufen in Hamburg
Verfasser: Steffi Jung

Meine lieben Kameraden der Seefahrt, wir sind am Ende unserer gemeinsamen Reise. So, wie wir heute Abend noch zusammen sitzen, hier in unserer Messe, werden wir vermutlich nie wieder. Morgen um diese Zeit werden einige von Euch schon im elterlichen Auto sitzen; andere werden noch ein Nacht im Hotel verbringen. Egal wo ihr morgen sein werdet, die vertrauten Kameraden, mit denen ihr das letzte halbe Jahr verbracht habt, werden nicht mehr da sein. Bevor wir uns morgen also in alle Winde verteilen, nehmen wir uns die Zeit, ein wenig zurück und auch nach vorn zu blicken.

Diese Zeilen sind für Euch.

Letztes Jahr am 17. Oktober haben wir im Hamburger Hafen die Leinen losgemacht. Ihr habt Eure Eltern und Freunde zurück gelassen; das erste Mal in Eurem Leben musstet Ihr Euch für eine so lange Zeit von Euren Lieben verabschieden. Eure Blicke waren „ungewiss“ ob dem, was da wohl kommen würde. Aber gefühlt habt Ihr sicher schon damals, dass etwas ganz Großes bevorsteht.

Als „Selbstbewusste, gereifte, belastbare und gelassene Persönlichkeiten, die bereit sind, in der Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen“ solltet Ihr am 1. Mai 2010 über die Gangway laufen. Mir war klar, dass es ein langer holpriger Weg dorthin sein würde. Wann übernehmen Menschen denn Verantwortung für Ihr Handeln? Wie werden junge Leute belastbar, selbstbewusst und gelassen? Wann sind sie bereit, für Ihre Mannschaft Verantwortung zu übernehmen?

Zunächst wart ihr einfach nur ein zusammenhangsloser Haufen auf einem fremden Schiff, welches die Nordsee wütend vor sich herschob. Zusammengekauert lagt ihr in Wolldecken gehüllt auf dem Achterschiff und habt dem Meer entgegen geschrien, oder seid der Welt absagend einfach eingeschlafen. Viele von Euch wollten nur noch heim. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Wim, der so gar nichts Positives mehr finden konnte. Ich sehe unsere Solli mit der Plastiktüte um den Hals gebunden die Teller abspülen. Eure erste Schülerversammlung hinterließ Spuren in Euren Gesichtern; viele von Euch haben sich gefragt, wie das gut gehen soll.

Und doch habt Ihr auch da schon festgezeisert tapfer am Ruder gestanden; bleichig habt Ihr Euch durch den Backschaftstag gekämpft. Totalausfälle wurden von den etwas Lebendigeren ersetzt. Und so habt Ihr Euch ganz langsam eingelebt: zum einem in die Bordroutine: Backschaft, Wache gehen, Koje und Kammer aufklaren, Großreinschiff und zum anderen auch in die Regeln der Landgänge – zu dritt, pünktlich und im aufrechten Gang. Auch da habt ihr genug getestet. Und Eure Gesichter grinsen die Quergeschichten breit. Ohne aufzusehen kann ich das sehen.

Die ersten zwei Monate waren für uns alle sehr anstrengend; ohne die Hilfe, das Wissen und die Ruhe unserer Seemänner hätten wir uns keinen Meter von der Hamburger Pier bewegt; vergesst das bitte nie, auch wenn Euch manche Sachen gestört haben.

Auf Teneriffa haben wir den Teide erklommen und von dort oben aus konnten wir den Atlantik in seiner scheinbar unendlichen Weite sehen. Da drüber sollte es nun gehen; auf die andere Seite wollten wir segeln, in die Karibik, nach Mittelamerika.

Nur zehn Minuten konnten Norbert und ich Euch noch geben, um Eure Eltern am Telefon zu verabschieden. Unendlich viel Arbeit stand vor uns: es galt, den Atlantik zu überqueren und zur Schule zu gehen. Ihr ward oft übermüdet, erschöpft und - ihr hattet immer wieder Hunger – Essen gab es nun mal nur zu den festen Zeiten. Wie sonst sollte das Schülerproviant-Team den Überblick über die Vorräte behalten? Außerdem wurde von Euch immer wieder erwartet, dass Ihr funktioniert. Funktionieren deshalb, weil sonst die Sicherheit aller gefährdet gewesen wäre. Während Ihr Wache gegangen seid, hat Euch der Rest der Mannschaft blind vertraut.

Ihr musstet lernen, Euch zu konzentrieren, wenn es drauf ankam und nicht, wenn Ihr dazu Lust hattet. Acht Stunden Wache gehen mit allen drum und dran; immer wieder Backschaft haben, immer wieder Geschirrberge spülen, kochen für 36 Leute, Rost klopfen, streichen und noch zur Schule gehen:  Das hat jeden von Euch stark gemacht. Stück für Stück. Zähne zusammenbeißen über so einen langen Zeitraum macht belastbar. Seid stolz darauf und behaltet diese Disziplin; Ihr habt unseren ganzen Respekt – und hier spreche im Namen aller, die Euch begleitet, gesehen und erlebt haben.

Ja und Gott sei Dank haben wir uns ja auch nicht die ganze Zeit eisern durchbeißen müssen: da gab es die wunderbaren Tage, an welchen das Meer es gut mit uns gemeint hat. Es hat uns weich umspült und uns an seiner lebendigen Tiefe teilhaben lassen. Wir konnten beobachten, wie es seine Farbe verändert hat, wie die Delphine darin schwammen und wie es in der Nacht leuchtete. Wir haben einen Sternenhimmel sehen können, wie ihn nur wenige Menschen je sehen werden. Wir konnten in kurzen Hosen auf den Segellasten liegen und die weiße Bäuche unserer Segel im Mondlicht beobachten. Freundschaften sind entstanden; ihr habt euch verliebt. Glaubt mir, es war eine Freude Euch dabei zu zusehen. Die ein oder andere Begegnung wird ein ganzes Leben halten.

Ihr kennt Euch zu gut, Ihr könnt Euch nichts mehr vormachen: dafür habt ihr zu viel miteinander durchgestanden; Euch in vielen Lebenslagen erlebt. Ihr habt gelernt, Konflikte und unangenehme Sachen direkt zu thematisieren, bevor sie sich anstauen und in nicht mehr lösbaren Streitereien enden. Und Ihr habt angefangen, Euch so zu akzeptieren, wie Ihr seid.

Auf Barbados war ich auf Euch als Gruppe zum ersten Mal richtig stolz; zum ersten Mal überhaupt seid Ihr gemeinsam aufgetreten. Und Ihr ward stark. Ihr habt da auf der Pier gesessen und mir gesagt, was euch nicht gefällt, was Euch bewegt. Unsere Gespräche wurden von da an ehrlicher und konstruktiver; ihr habt begonnen, Lösungen und Alternativen für Probleme vorzuschlagen. Vielen von euch gelang es immer mehr, die eigene Person und die eigenen Bedürfnisse mal etwas zurückzustellen für das Wohl der Gruppe.

Und so nahm unsere Reise seinen Lauf: wir feierten ein wunderschönes Weihnachten in Willemstad/Curacao auf einem prächtig geschmückten Schiff und mit fantastischem Essen. Und nun hatten wir auch endlich unsere Glocke, die uns täglich in die stille Minute läutete. Wir gingen tauchen im herrlichsten Karibikwasser; wir segelten zu den San Blas Inseln und die Mühen und Sorgen der letzten Monaten schienen vergessen: das hatten wir uns hart erkämpft. Die sorgenloseste Zeit überhaupt hatte begonnen.

Wir entdeckten gemeinsam Mittelamerika; fuhren durch Panama zu einem indigenen Dorf und verbrachten dort zwei Tage unter den für uns erstmal ungewohnten Blicken der Dorfbewohner. Glaubt mal, wir haben genauso geguckt. Wir ernteten Kaffee, schnitten Zuckerrohr und lebten in der Kooperative Longo Mai mit Familien zusammen; wir machten Exkursionen durch den Dschungel. Ihr habt die schönsten Tauchgänge auf Utila entdecken können und ein anderes Gesellschaftssystem auf Kuba erlebt.

Ihr seid nicht nur alle zwischendurch mal krank geworden; und was hängen bleibt sind nicht nur der Reis mit Bohnen und der ein oder andere unschöne Tag. Es ist viel viel mehr. Einiges davon werdet Ihr erst so nach und nach verstehen. Die Beobachtungen, die Ihr gemacht habt und die Erfahrungen, die Ihr gesammelt habt, werden in Zukunft auch Euer Denken und Eure Meinungsfindung beeinflussen. Ihr seid noch sehr jung, dafür habt Ihr aber schon eine ganze Menge gesehen. An dieser Stelle möchte ich Jan Henke danken; er hat viele dieser Orte ausgesucht und uns dorthin geführt.

Ja und dann war es Zeit, den Heimweg anzutreten; wir schauten vom Hotel Ambos Mundos auf Havanna und uns war allen klar, dass wir noch einmal viel Kraft aufbringen werden müssen: zwei Monate und die Nordatlantiküberquerung lagen noch vor uns. Eine Zeit, in der noch viel passiert ist. Im Laufe der Reise haben wir alle immer mehr Verantwortung an Euch abgegeben. Je mehr Verantwortung ihr bekommen habt, desto bewusster seid Ihr damit umgegangen. Viele von Euch haben ihre Rolle gefunden, haben sich in bestimmten Funktionen ausprobiert. Dass das nicht immer gut geht, ist auch wichtig: man muss auch mal daneben greifen, Fehler machen; die Konsequenzen für das eigene Handeln müsst Ihr unmittelbar erfahren; sozusagen am eigenen Leib spüren. Viele von Euch haben sich dieser Herausforderungen gestellt.

In der Zusammenarbeit mit unseren alten Clipperjungs, unseren „Eulen“, haben alle Federn gelassen. Ihr habt Euch oft unverstanden gefühlt; nicht ernst genommen und manchmal behandelt wie Anfänger. Aber wie haben sich wohl unsere „Alten“ gefühlt? Glaubt Ihr, es war für sie immer einfach, wenn sie zwischen alten Zwieback und Coladosen ein Plätzchen für ihr Kartenspiel suchen mussten und um sie herum die Laptops aufgeklappt wurden? Diese Menschen da kamen freiwillig, weil sie gern jungen Menschen etwas von ihrem Wissen abgeben wollten. Vielleicht wussten sie manchmal nicht wie, aber macht sie das nicht umso liebenswerter? Jeder von ihnen hat uns etwas mitgegeben und ich denke es ist an der Zeit, Ihnen von ganzen Herzen dafür zu danken.

Vielen Dank Heiner Grübmeyer, Norbert Bury, Jens-Peter Larsen, Lothar Ständeke, Hans-Dieter Rath, Bernd Börner, Niko Kern, Axel Bullenkamp, Holger Korth, Thomas Schönhoff, der wahnsinnige Onkel Peter, Gerd Schütte, Andreas Kantor, Olaf Breidenstein, Klaus Schade, Michael von Neuhoff, Werner Buhr, Rainer Willkomm, Ralf Sienknecht, Walter Dalle, Klaus Schröder, Bernd Wersel, Gerd Tegge, Rainer Maue, Gisela Runge, Uli Zapp, Jan Kömm, Jan Lührs, Bruno Kopp, Jürgen Rose, Björn Wanka, Falko Hohmann und Uwe Lohmeyer. Und zum Schluss danken wir dem, für den nie ein Captains Dinner stattfand, weil er uns Gott sei Dank nie richtig verlassen hat: Danke, lieber Uli Tetzner.

Und dann gab es noch drei Personen, denen ich besonders danken möchte: Sabine Wehrstedt, Carmen Stephan und Jan Wehberg. Liebe Carmen, liebe Sabine, lieber Jan: ich danke euch für Eure Unterstützung auf dieser manchmal unendlich lang erscheinenden  Zeit. Ihr habt mir immer wieder Mut gemacht, mich zum Lachen gebracht und mir zu jeder Zeit den Rücken gestärkt. Ich bin ganz einfach froh, dass Ihr dabei wart. Danke!

So, und nun heben wir uns doch mal aus unserem Mikrokosmos High Seas High School raus. Gucken wir doch mal über den Schiffsrand. Eins wird dabei sehr auffällig: Unsere Reiseziele waren ausgesucht: in Europa, in der Karibik und auf dem Weg zurück. Eure Eltern haben viel Geld dafür bezahlt. Ihr habt viel geleistet, keine Frage. Aber die Welt, in der wir leben, besteht nicht nur aus diesen wunderbaren Orten. Ich will damit sagen, dass Ihr nicht mit einer Organisation wie „Ärzte ohne Grenzen“ oder “Amnesty International” unterwegs wart. Wir haben nicht unter Lebensgefahr andere Menschenleben gerettet oder für Menschenrechte gekämpft. Also, kein Grund den Boden unter den Füßen zu verlieren; aber morgen in Hamburg dürft Ihr das schon mal. Und die nächsten Tage auch. Aber dann geht es weiter. Ihr seid jung und habt auf dieser Reise gelernt, an Eure Grenzen zu gehen und ein Stückchen weiter. Ihr wisst, was Ihr zu leisten fähig seid. Lasst Euch nicht hängen, jedenfalls nie lange. Steckt Euch vernünftige Ziele, aber lasst euch nicht von anderen unter Druck setzen.

Morgen um 11 Uhr werden in Hamburg 25 junge selbstbewusste, gereifte, belastbare und gelassene Persönlichkeiten über die Gangway laufen. Findet Euren Weg; ich wünsche Euch alles erdenklich Gute dabei.
Eure Steffi Jung

Die HSHS 09/10 endete erfolgreich am 1. Mai 2010 in Hamburg

Die HSHS 09/10 endete erfolgreich am 1. Mai 2010 in Hamburg