Datum: 10. Dezember 2009
Position: 14°21,3′N 56°58,4′W
Wetter: Luft 29° C, Wasser 28°C, sonnig
Etmal: 169 nm
geschrieben von: Carmen Stephan
Verehrte Leserinnen und Leser, nun liegen gut 2.800 Seemeilen und ziemlich genau 20 Tage auf dem Wasser hinter uns, für die Einen heißt es so langsam Endspurt, endlich bald wieder an Land zu sein - für die Anderen geht die besondere Phase der Atlantiküberquerung viel zu schnell vorbei. Um die Stimmungen der Crew an Bord ein bisschen einzufangen, habe ich mich nach dem Abendessen mal ein wenig umgehört und jeden einzelnen befragt, was ihm in den letzten drei Wochen besonders gut gefallen hat, was vielleicht auch ein bisschen genervt hat und was man von der besonderen Phase der Atlantiküberquerung besonders vermissen wird. Diese Eindrücke sollen an dieser Stelle festgehalten werden, damit sie nicht von den Passatwinden verweht werden…
Annika ist froh, dass die Gruppe als solche zusammengewachsen ist, sie mag die Stimmung an Bord und ihre Koje, außerdem findet sie gut, dass wir ohne Flaute über den Atlantik gekommen sind. Manchmal nervt sie das Geschaukel ein bisschen, aber mehr eigentlich noch, dass man am Müsli-Tag auch noch Brötchen backen muss. Am meisten vermissen wird Annika wohl aber ihre 8- 12 Wache auf dem Atlantik, wo sie so schön die Mondaufgänge beobachten kann.
Christoph ist ebenso begeistert vom Teamwork an Bord. In den letzten drei Wochen hat ihn am meisten genervt, dass man beim Ausguck während der Wache weit und breit einfach nichts gesehen hat. Dank seiner 4-8 Wache wird er den phantastischen Sonnenauf- und untergängen des Atlantiks nachtrauern.
Fabian hat sowohl die Atmosphäre als auch der Unterricht an Bord sehr behagt. So richtig genervt hat ihn anscheinend nichts, nur wird ihm das Angeln von Bord aus fehlen.
Finn war besonders vom Pool an Deck und seinen Mitmenschen angetan. Am meisten geärgert hat er sich bestimmt über seinen Sturz im Niedergang. Er wird sich nach der langen Fahrt am Stück sehnen.
Florian hat sich am meisten über die zahlreichen Mahlzeiten gefreut. Lästig war ihm verständlicherweise seine Halskrause; - und Leo, der ihn fleißig jeden Morgen geweckt hat, obwohl Flo nach der 0-4 Wache gar nicht aufstehen muss. Dem Anblick des “nur Wassers” wird er noch hinterher trauern.
Franz war immer guter Dinge, unser Vorankommen auf der Seekarte zu beobachten, hat aber durch die fehlende Flaute bedauert, dass er nicht mitten auf dem Atlantik baden konnte. Der schöne Sternenhimmel wird ihm fehlen.
Isa hat es besonders genossen, abends von der Segellast aus den Sternenhimmel zu beobachten. Lästig war ihr vor allem das Geschaukel während der Backschaft in der Kombüse. Nach der endlosen Weite des Atlantiks wird sie sich sehnen.
Jannik bedauert, dass die Zeit auf dem Atlantik so schnell rumgegangen ist, freut sich aber, dass er mit allen was zu tun hatte und das Team als solches zusammengewachsen ist. Schade war natürlich, dass er nicht im Atlantik schwimmen gehen durfte. Nach der zeit und der Ruhe auf dem Wasser wird er sich sehnen.
Julia hat sich speziell über die positive Veränderung in der Gruppe gefreut. Nur manchmal war auch ihr der Wellengang etwas zu anstrengend. Speziell die Entspanntheit des Atlantiks wird sie missen.
Keno war vor allem vom Gefühl vollkommener Isolation begeistert, das Leben auf der Johnny als Mikrokosmos in der Weite des Atlantiks. Das nächtliche Rudergehen hat ihm hingegen weniger Spaß gemacht. Der Seewasserpool an Deck wird ihm fehlen.
Leo hat die Sonne sehr behagt, genauso die Atmosphäre des Zusammenwachsens einer Gruppe. Nicht so angetan hat es ihm der Unterricht bei dem ganzen Geschaukel und, dass immer nur Wasser um uns herum war. Den schönen Sonnenaufgängen wird er sicherlich nachtrauern.
Lina war zwar vom Sterne gucken von der Segellast aus sehr angetan, den Ausguck mitten auf dem Atlantik, wo man außer Wasser nicht so viel sieht, fand sie eher ereignislos. Jedoch hat das viele Wasser um sich herum auch was für sich: im Kopf frei sein zu können.
Lotte hat sich auch sehr für die Weite des Meeres begeistert. Weniger nett waren ein paar kleinere Meinungsverschiedenheiten in der Gruppe, allerdings haben das die schönen Sonnenauf- und untergänge mühelos wieder wettgemacht.
Martti stimmte die Gruppenbildung froh, sein Kojenplatz fand er jedoch zunehmend lästig, weil er dem ständigen Durchgangsverkehr des Pumakäfigs ausgesetzt war. Viel schöner fand er die Atmosphäre auf dem Atlantik und die herrlichen Sternenhimmel.
Mascha genoss vor allem die Ruhe des nächtlichen Sternenhimmels. Aber auch sie bedauert, dass man zwar immer das Meer um sich herum hatte, aber nicht darin baden konnte. Die Farbe des Wassers und die Sonne werden ihr wahrscheinlich am meisten fehlen.
Michel haben es die Sonnenauf- und untergänge während seiner 4-8 Wache besonders angetan. So sehr er auch den Anblick des Sternenhimmels fasziniert hat, so sehr war er auch von dem “immer nur Wasser” Ausblick genervt. Seiner entspannten Nachtwache wird er wohl hinterher trauern.
Moritz fand die viele Zeit zum Nachdenken besonders angenehm und er hatte große Freude am Gruppenzusammenhalt. Angestrengt hat ihn vor allem die tägliche Umstellung von Unterricht auf Wache und andersrum.
Muriel ist sehr glücklich über das Gruppengefühl, das sich während der langen Zeit auf dem Wasser entwickelt hat - was sie speziell vermissen wird. Der Seegang hingegen ist ihr zunehmend zur Last gefallen.
Nicola genoss vor allem die Zeit zum Nachdenken, ohne jegliche Art von Ablenkung. Ermüdend war für sie die Rationierung des Proviants und das nicht allzu reichliche frische Obst. Nach dem Klang der Wellen und der Ruhe wird sie nachtrauern.
Patric hatte große Freude an den Bewegungen des Schiffes auf dem Atlantik. Gerne beobachtete er den Sternenhimmel und die Sonnenaufgänge, aber auch die fliegenden Fische. Lästig war für ihn das fehlende Wunschessen, kein Land und somit auch keine Kommunikationsmöglichkeit nach außen. Das Wellenbild des Atlantiks wird ihm in spezieller Erinnerung bleiben.
Paul machte die Erfahrung, über den Atlantik zu segeln enormen Spaß. Das Geschaukel wird ihm fehlen, wenn es ihm auch ab und an genervt hat, dass man nicht einfach mal schnell an Land gehen kann.
Sams hat am liebsten mit Keno rumgealbert und genoss die Stimmung an Bord. Geplagt war er durch ständigen Hunger (?!). Nachtrauern wird er der Ruhe und dem Gefühl keinen Zeitdruck zu haben.
Solli mag die Sonnenaufgänge während ihrer Wache und die liebevollen Diskussionen, wer das Deck waschen darf. Sie genießt das Rauschen vom Meer und das Geschaukel - was aber auch für die nervigen blauen Flecken ständig und überall verantwortlich ist. Vor allem das Atlantikfeeling und die besondere Stimmung an Bord werden ihr fehlen.
Sophie ist glücklich über die die Weite des Meeres, die Sonnenauf- und untergänge und die Delfine. Außerdem gefällt ihr das Team, wobei sie sich darüber ärgert, dass manche Sachen einfach verschwinden und Dinge anderer nicht geschätzt werden. Vermissen wird sie die ungestörte Freiheit nachzudenken und dabei die Stille und den Sternenhimmel genießen zu können.
Timothy hat Spaß am Unterricht an Bord und am Toppsegel setzen während seiner Wache. Seine Toleranzschwelle ist größer geworden und er lernt alltägliche Sachen mehr zu schätzen. Gestört fühlt er sich manchmal von der mangelnden Intimität. Schade fand er auch, dass man nicht im Atlantik schwimmen gehen konnte.
Wim freut sich total über das Weihnachtsteam und, dass die Wache mittlerweile eher zur Freizeit und der Unterricht zur Arbeit geworden ist. Genervt hat ihn eigentlich nur die Backschaft. Vermissen wird er die viele zeit zum Lesen.
Selbstverständlich habe ich mich auch bei der Stammcrew und bei meinen Kolleginnen nach der Stimmung erkundigt.
Norbert, unser Kapitän war erfreut, dass der Wind so gute Stimmung an Bord geweht hat. Alles was ihn vielleicht genervt haben könnte, hat er schon wieder vergessen. Leider ist nach der Atlantiküberquerung seine Zeit an Bord vorbei. An dieser Stelle ein großes Dankeschön, dass du uns gut rübergebracht hast- hoffentlich kann der Pilot auf dem Heimweg das auch so gut!
Uli, der 1.Steuermann, war begeistert vom Willen aller, jedoch ging ihm die ein oder andere “dumme” Ausrede von Zeit zu Zeit auf die Nerven. Fehlen wird ihm auf jeden Fall der Wind in den Segeln.
Lothar, Steuermann der 0-4 Wache, ist besonders gerne aus dem Alltag in die Weite des Atlantiks eingetaucht. Wobei ihm sein DAUERschluckauf zunehmend lästig wurde. Nach dem Schaukeln wird er sich sehnen.
Holger, Steuermann der 8-12 Wache, war von Wind und der Weite des Atlantiks sehr angetan. Nerven hat ihn vor allem das mangelnde Sicherheitsbewusstsein einiger Schüler gekostet. Das intensive Lesen während der Freiwache wird er vermissen.
Peter, unser Bordarzt, war besonders entzückt von dem schönen Sternenhimmel, die allmorgendliche Sonne, dem stetigen Passatwind und der Crew. Manchmal belästigte ihn das ständige Geschaukel. Seiner Koje und dem Kahn mit den fröhlichen Leuten wird er nachtrauern.
Thomas, der Maschinist, ist natürlich besonders darüber erfreut, dass alle Maschinen ohne große Probleme durchgehalten haben. Die Lautstärke beim Abendessen hat ihm wohl nicht so gut gefallen, wie die im Maschinenraum. Nach der Gleichförmigkeit der Tage in der blauen Weite des Atlantiks wird er sich sehnen.
Sabine, unserer Mathe- und Physikspezialistin, behagte vor allem das schöne Segelwetter. Sie freut sich drauf, sich mal wieder ohne Wellengang anziehen zu können; wird aber auch die Ruhe, morgens aufs Meer und abends in den Sternenhimmel zu schauen, wieder zurück haben wollen.
Steffi, unsere Projektleiterin, liebte vor allem den frischen Kaffe bei Sonnenaufgang. Nerven kann eine Projektleiterin ja nichts…
und ich selber habe vor allem die schöne Zeit bei Vollmond an Deck mit unserem Hörspiel sehr genossen. Das Geschaukel ist zwar an Deck in der Sonne mit dem Passatwind um die Nase und dem Meeresrauschen traumhaft schön, aber in der Messe beim Unterricht und auf Kammer zum Arbeiten ab und an ein wenig, naja, ermüdend. Vor allem die richtig großen Seekühe werden mir fehlen!
Dieses Erlebnis der Atlantiküberquerung auf einem Segelschiff wird für die meisten von uns wahrscheinlich einmalig sein und in besonderer Erinnerung bleiben- für jeden auf seine Art und Weise. Heute wird die letzte Nacht auf dem Atlantik und morgen der letzte Morgen mit nur Wasser um uns herum sein. Es heißt nun nochmal die frische Meeresluft einatmen und sich auf das karibische Leben, was uns auf Barbados erwartet, freuen. Schaukelige atlantische Grüße,
Carmen*
P.S.: Lotte wünscht Isa alles Gute zum Geburtstag (Grüße an Jan)