Wieder auf der “Johnny”
Donnerstag, 04. Februar 2010Datum: 4. Februar 2010
Position: Shelter Bay Marina, Colón, Panama
Etmal: 0 nm
Wetter: Luft 30°C
geschrieben von: Carmen Stephan
Das erste Fremdeln ist vorüber, der anfangs auffällige Schiffsgeruch ist in unseren Nasen wieder völlig normal und auch das zunächst unendliche Raumgefühl hat sich auch schnellstens relativiert, spätestens seitdem wir alle unsere Sachen wieder in den Kammern verstaut haben. Das Bild der Messe ist wieder geprägt von Kisten mit Unterrichtsmaterial und Laptops - das Segelnde Klassenzimmer hat die gute Johnny wieder für sich vereinnahmt. Doch bevor es weiter Richtung Utila/Honduras gehen konnte, mussten wir ordnungsgemäß ausklarieren. Dass heißt, wir haben morgens unsere Pässe im Büro der Marina abgegeben, damit sie per Kurier zur Migrationsbehörde zum Stempeln gefahren werden konnten. Also hing unsere Abfahrtszeit mit der Rückkehr der Pässe zusammen. Der Morgen wurde genutzt, um Treibstoff zu bunkern. Anschließend haben wir vor der Marina geankert, weil wir uns ein weiteres Anlegemanöver im doch für unsere (Größen-) Verhältnisse recht engen Yachthafen ersparen wollten. Die Johnny war somit startklar für die nächste Etappe, aber, die Pässe fehlten noch. Mit unserem neuen Dinghi sind wir nochmal eben schnell zur Marina zurückgeflogen. Der Fahrer sei unterwegs, lautete die Auskunft im Büro. Eine Stunde später konnten wir die Pässe in Empfang nehmen und zurück an Bord fahren.
Am frühen Nachmittag hieß es Segel setzen, Anker auf und ab nach Nordwesten. Nach vier Wochen Landprogramm mussten nun wieder die Seebeine aktiviert werden. Das fiel leider nicht allen so leicht, so dass einige im wahrsten Sinne des Wortes in den Seilen hingen. Außerdem war es auch der erste Tag mit Seewache und Manöver in den neuen Wachen und an anderen Stationen. Klar gab es an den ein oder anderen Stellen ein paar Berührungsängste - so lange an Land und dann plötzlich auch noch an einer anderen Station als sonst… Welche Leine war das gerade nochmal? Wie funktioniert das? Was kommt als nächstes dran? Mit großer Hilfsbereitschaft sind die neuen Steuermänner den fragenden Gesichtern der Schüler begegnet. Die Manöverkritikrunden nach dem Auslaufen sind für alle positiv ausgefallen. Und diejenigen, die nicht gerade Wache hatten, sind größtenteils erstmal in die Koje gefallen. Zum einen aufgrund des chronischen Schlafbedürfnisses, aber vor allem auch wegen des flauen Gefühls in der Magengegend.
Das ursprünglich angedachte Abendprogramm in Form einer Schülerversammlung wurde mangels Teilnahme vorzeitig abgesagt, die Messe war im Anschluss an das Abendprogramm ungewöhnlich ruhig. Eine gute Gelegenheit für mich, in einer angenehmen Atmosphäre mit dem Laptop am Tisch zu sitzen, um dem morgigen Politikunterricht noch den letzten Schliff zu verpassen. Gegen 23 Uhr wurde ich von unserem Schülersprecher darauf hin gewiesen, dass es ja nun schon ziemlich spät sei zum Arbeiten und ich begab mich das erste Mal wieder mit hochgeklapptem “Absturz- Sicherungs- Brett” in die Koje, um mich von den Bewegungen des Schiffes in den Schlaf schaukeln zu lassen.
Ahoi, Carmen*
Liebe Eltern, liebe Leser, falls nicht auch das Internet bei Ihnen in Deutschland eingefroren ist, werden diese sonnigen und warmen Grüße aus der Shelterbay Marina in Colon/Panama Sie nun erreichen. Wir haben gehört, dass der Winter in Deutschland wohl der kälteste und härteste seit 78/79 ist. Später wird man sich davon erzählen, wie hart der Winter 2010 war; während man sich schütteln wird, werden in unserer Erinnerung die Palmen wehen, die Hängematten schaukeln, die Kokosnüsse schmecken. Die Hitze und der Staub von Costa Rica wird uns die Sprache verschlagen und wahrscheinlich werden wir auch froh sein, dass wir nie wieder so viel Reis mit Bohnen essen mussten. Ich stehe wieder in der Brücke der Johann Smidt: wir sind zurück an Bord und liegen noch in der Shelterbay Marina. Heute wollen wir Auslaufen Richtung Honduras. Je nach Wind und Wetter werden wir dafür ungefähr eine Woche brauchen.