Open 40…
Donnerstag, 08. April 2010Tag: 8. April2010
Position: Horta, Faial, Azoren
Etmal: -
Wetter: -
geschrieben von: Flo Maug
Wir sind ja nicht die Einzigen, die hier im Hafen von Horta liegen und deshalb habe ich mich auch mal mit anderen Seglern ein bisschen unterhalten… An diesem Morgen sah ich einen gelben Open 40 an der Pier neben uns liegen. Also beschloss ich, dieses Boot mal genauer unter die Lupe zu nehmen, da es ja schon ziemlich interessant ist, wie man auf solchen Booten segelt, isst und schläft…falls man dazu kommt. Im Gegensatz zu uns, haben diese Racer keine Kammern in denen Betten, Schränke oder sogar Waschbecken vorhanden sind. Als ich in diesen Open 40 reinschaute, war ich erstaunt, wie komfortabel die Johnny im Vergleich zu dem, was ich hier sah, eigentlich ist. Ich bin also den dreistufigen Niedergang herunter gestiegen und blickte nun auf einen Navigationscomputer, der sich drei Meter vor mir befand, also kurz vor dem Mastfuß. Ich drehte mich auf der Suche nach Kojen ein mal um mich selbst und entdeckte an Back- und Steuerbord einige an die Wand installierte Metallgerüste zwischen denen Netze gespannt waren. Das waren die Betten. Ich entdeckte einen kleinen schwenkbaren Herd, der etwas verkehrt montiert aussah; dieses Phänomen wurde mir später erklärt. Das war es auch schon wieder mit dem Innenleben dieses Racers. Ich ging wieder an Deck, um mir die „Grinder“, die auch Kaffeemühlen genannt werden, anzuschauen. Grinder sind multifunktionelle Winschkurbeln. Es gibt zwei auf dem Open 40, einen im vorderen Teil des Cockpits und der andere knapp vor den zwei Steuerrädern im achterlichen Bereich.
Ein paar Worte zur Funktionsweise:
1. Man richtet den Grinder aus. Wenn man die Großsegelwinsch bedienen will, dreht man den Grinder so, dass er auf Back- und Steuerbord ausgerichtet ist. Wenn man aber die Vorsegel oder Fallwinschen bedienen will, dreht man den Grinder in Fahrtrichtung. (Einen Grinder kann man sich ungefähr so vorstellen: Ein aufrecht stehender Kettenkasten and dem zwei Winschkurbeln wie Handpedale angebracht sind.)
2. Der jeweilige Tampen wird auf die eingestellte Winsch gelegt. (mit mindestens drei Törns)
3. Der Mann am Grinder geht zur Winsch, um den richtigen Gang einzustellen. Es gibt vier Gänge, diese stellt man ein, indem man den oben auf den Winsch angebrachten Hebel um 90 Grad hin oder zurück dreht, damit hat man zwei Gänge, die man mit der Winsch einstellt. Am Grinder kann man sich dann noch mal zwischen zwei Gängen entscheiden, die durch die Kurbelrichtung eingestellt werden.
4. Der Grinder-Mann kurbelt auf Befehl des Skippers los. Nur, um mal ein Beispiel zu bringen: Der, der kurbelt, muss, um das Großsegel hochzuholen, 20 Sekunden im höchsten Gang kurbeln. Wir brauchen zum Großsegel aufheissen ca. 3-5 Minuten. Die Masten sind ungefähr gleichhoch…)
Ich hatte den großen Spaß, einmal diese 20 Sekunden zu kurbeln… das ist echt anstrengend, aber auf jeden Fall bequemer als das gewöhnliche Bedienen einer Winsch. Nach diesen 20 Sekunden habe ich mich dann mal mit dem Skipper unterhalten, ihn gefragt, ob er schon mal am Volvo Ocean Race ( einer “Round - The - World - Regatta”) teilgenommen hat. Er antwortete mit ja, allerdings sei er nach der Vorbereitungszeit ausgestiegen, da ihm das Klima in der Gruppe nicht gefiel. Ein weiteres Thema, welches mich brennend interessierte, war, wie er es schafft, faktisch immer wach zu sein. Das ist auf solchen Booten notwendig, da bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20kn und wenig Crew immer alle “in charge” sein müssen. Er erzählte mir, dass er ein 5- monatiges Schlaftraining gemacht habe, in dem sein Schlaf erforscht wurde. Hier habe er gelernt, sich selbst vor dem Einschlafen zu sagen, wie lange er denn jetzt ruhen könnte, und dann auch pünktlich zum gesetzten Zeitlimit wieder aufzuwachen. Auch lernte er, extrem schnell einzuschlafen … davon träumt doch jeder, oder etwa nicht ;). Um ausgeruht zu sein, reicht diesem Segler eine Stunde Schlaf pro Tag… kaum vorstellbar, aber es funktioniert tatsächlich! Um noch mal zu dem „Herd“ zu kommen: Auch die Besatzung wusste nicht, warum der Herd in Fahrtrichtung, und nicht wie üblich in Back- bzw. Steuerbordrichtung schwenkbar montiert war. Es sei allerdings sehr schwierig, damit zu kochen. Es wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben… Dieses Boot hat übrigens auch einen Hilfsmotor: Einen 75 PS starken Volvo Penta, der eigentlich nur für Anlegemanöver gebraucht wird. Ich bin total glücklich, meinem Lieblingsboot einmal begegnet zu sein und dabei auch noch soviel darüber lernen zu können. Ich lege mich jetzt ins Bett und träume davon bei 30kn Fahrt die Segel mit dem Grinder zu trimmen… Liebe Grüße an die Maugs und Krones. Liebe Grüße auch an Sebi, Lilith, Jasmin, Didde, Johannes, Konstantin und…
Flo