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Johnny in Plauderlaune

Dienstag, 24. November 2009

Datum: 24. November 2009
Position: 21°52,2‘ N, 025°50,9‘ W
Wetter: sonnig, kleine Wolken, Luft 24°C, Wasser 24°C
Etmal: 134sm
geschrieben von: Isa Fischer

Einen Monat und acht Tage, genauer gesagt 39 Tage, eine verhältnismäßig kurze Zeit sind nun zum dritten Mal 26 Schülerinnen und Schüler, 4 Lehrerinnen und die Stammcrew mit MIR unterwegs. Sie wagen sich von Hamburg über die Kanaren, mit dem Kanaren- und  Nordäquatorialstrom nach Mittelamerika und von dort aus mit dem Golf- und dem Nordatlantikstrom über die Bermudas nach Hamburg zurück, und das mit mir! Nun ist es soweit, kein Land mehr; nur Wasser, Wellen, Sonne, ein paar kleine Wölkchen und wir auf dem großen weiten Ozean. 2.345 Seemeilen liegen vor uns, bis wir den Atlantik überquert haben und Barbados in Sicht kommt – die Karibik! Ich kenne das Gewässer, die Wellen, die 4.000m „Nichts“ unter uns und den Weg, doch was uns erwartet, ist auch für mich jedes Mal aufregend und spannend… Bis jetzt kann ich aber nur über die vergangenen, wunderschönen 2921 Seemeilen berichten.

Eigentlich begann das Abenteuer schon mit dem einwöchigen Probetörn auf der Ostsee… Diese Jugendlichen waren auch hinterher noch begeistert von der Reise und bereit, ihr Zuhause für ein halbes Jahr hinter sich zu lassen… Am 17. Oktober war es dann so weit: überall traurige, erwartungsvolle und neugierige Blicke und beim Abschied Tränen, doch ich war voller Tatendrang und Vorfreude mit der jungen Crew eine tolle Zeit verbringen zu können. Wir liefen Helgoland an und von dort aus segelten wir fünf Tage; viele lagen seekrank, in Ölzeug eingepackt, auf dem Achterdeck, welches sie verschmutzten; doch übel nahm ich es ihnen nicht, sie mussten sich ja erst an mein Stampfen auf den Wellen gewöhnen… Die Wellen waren toll, ich tauchte mit dem Klüverbaum ins Wasser ein, und genoss, wie das Wasser mir das Deck hinunter lief… immer und immer wieder! Nach dem ständigen Geschaukel, dem Überlaufen von Pudding und Soße, nach angebrannten Eiern auf meinem heißen Herd und einem kleinen, pochenden Schnitt im Großsegel, erreichten wir frohen Mutes die französische Stadt Cherbourg. Dort ruhten sich alle erstmal aus. Ich tankte ein wenig Sonnenenergie, mein kleiner Schnitt wurde wunderbar verarztet und ich konnte den vielen Anglern dabei zusehen, wie die Fische die Köder klauten und meist ungeschoren davon kamen.

Die Lehrerinnen und Schüler besuchten ein Aquarium, um auch mal das Meer aus (teils) meiner Sicht zu sehen und sie gingen in ein großes U-Boot… doch ich hoffe, dass alle meine Kojen, Gänge, meine Kombüse, mein Deck und die Segel bevorzugen, als so einen stickigen, dunklen, mit Technik voll gestopften Eisenklotz, der nichts von dem Wind und den Wellen, die ich so liebe, mitbekommt. Von Cherbourg aus ging es weiter nach Brest, auch in Frankreich. Die Überfahrt dauerte nicht lange, und seekrank wurden auch nur ein paar, Seebeine hatten wohl schon einige… und schon eineinhalb Tage später liefen wir abends, geführt von so einem kleinem Wellenhüpfer (Schlauchboot) in den Hafen von Brest ein. Vor uns, da kann ich schon ein bisschen neidisch werden…lag ein schicker Trimaran und einen Tag später legte eine Nachbildung von mir in klein an, so konnte ich mich auch mal von hinten bewundern! In Brest wechselte zum ersten Mal der Kapitän, Heiner Grübmeyer ging und Niko Kern kam.

Für mich war Brest sehr entspannt; ich lag an der Pier, döste in der Sonne, und ließ das Backbordschlauchboot mit ein paar Schülern einige Runden drehen. Ich genoss die neugierigen Blicke von Passanten, denen ich meine Pracht zeigen konnte. Drei Tage blieben wir in Brest. Nachts liefen wir dann aus, um die „gefährliche“ Biskaya möglichst schnell zu durchqueren. Ein Unwetter wurde angesagt, von daher wurde mein Motor angeworfen und lief auf Hochtouren. Zwei Tage lang durch drei bis vier Meter Wellen… ich wurde hin und her geworfen, mit dem Motor zu laufen gefällt mir nicht so sehr, da kann ich nicht mit den Wellen spielen, dann ist es immer nur durch die Wellen durch, statt mit den Wellen gleiten! Zum Glück wurden meine Segel gesetzt, als wir im Schutz des Landes waren. Es kamen die ersten Delphine, die erfreut vorne vorm Klüverbaum sprangen! Alle schauten auf die Delphine und auch mir gefiel die nette Gesellschaft. Dann kamen wir nach Leixoes, eine Hafenstadt in Portugal. Wir mussten einen meiner Anker in Gebrauch nehmen und im Hafen ankern – ich brauchte neues Diesel, es neigte sich langsam dem Ende entgegen… Ich hatte zwar kein Problem damit, ohne den stinkenden Diesel im Bauch, aber sicher ist sicher! Doch in Leixoes gab es nichts für meinen hungernden Magen und wir fuhren zwei Tagen weiter nach Cascais. Dort waren wir angemeldet und konnten gegen Mittag an die Pier. Jedoch hatten wir starke Strömung und eines meiner Schlauchboote musste gegen mich fahren, damit ich nicht abtrieb, das war kein angenehmes Gefühl… und dann rissen auch noch zwei meiner Mittelspring – aua, ein Schmerz… so schnell ist man ein Stückchen Tampen kürzer!

Der Bunkerversuch wurde abgebrochen und wir versuchten es am nächsten Tag nochmal, nur mit dem Heck an der Pier, es klappte und mein Bauch war wieder gut gefüllt. Wir legten ab und waren auf direktem Weg nach Madeira. Unter Segeln düsten wir mit einigen Wenden durch die Wellen und nach einiger Zeit mussten wir auf den Motor mit Schoner umsteigen, da wir auf direktem Weg nach Madeira wollten. Im wunderschön blau klaren Wasser Madeiras ankerte ich neben meiner alten Freundin der Astrid, die über ein wenig Gesellschaft sehr erfreut war. Wir dümpelten knapp zwei Tage im warmen Wasser, während die junge Crew sich die Insel genauer ansah. Am Tag der Ankunft war auch ein, in meinen Augen klotziges AIDA-Schiff da, was sich lautstark verabschiedete, das konnte ich auch und antwortete auf ihre Grüße… Nach unseren zwei Tagen in Madeira verabschiedete ich mich von der Astrid, wünschte ihr bald möglichst in See stechen zu können und lief unter gesetzten Segeln aus.

Mit wenig Wind schafften wir die 180 Seemeilen bis Teneriffa innerhalb von zwei Tagen. Dort hatte ich erstmal Zeit auszuspannen, den Betrieb im Hafen zu beobachten, richtig schön massiert zu werden (Großreinschiff) und in mein Hafenkleid gesteckt zu werden. Während die Schüler Teneriffa von oben sehen wollten, und dafür auf den Teide kletterten, blieb ich im Wasser und genoss ein wenig die Ruhe. Hier fand auch zum ersten Mal ein Captains Dinner statt, meine Messe (gemütliches Wohnzimmer) wurde geschmückt und schön gemacht, und alle freuten sich über die schöne Zeit! Eine ganze Woche ruhte ich dort, und das reichte auch, ich bin fit für den Atlantik, frisch verproviantiert, voll mit Diesel und mit angeschlagenen Segeln – der Atlantik kann kommen! So legte eine gespannte Crew voller Neugier und Erwartungen aus Teneriffa ab, und keiner weiß, wie nun die nächsten drei Wochen mit nur Wellen, hoffentlich genug Wind , und – ganz neu - Unterricht sein wird. Seit zwei Tagen ist Teneriffa verschwunden, unter uns sind viele tausend Meter nur Wasser, und ich bin glücklich dem Atlantik mit einer so starken Crew zu trotzen. Jetzt rolle ich durch die Wellen und fahre einem Sonnenuntergang entgegen, eben leisteten mir Delphine Gesellschaft, in der Kombüse wir das Abendbrot vorbereitet, in der Messe wird beim Spanischunterricht das Wort „sein“ konjugiert und an Deck steht die Wache, am Ruder und Ausguck, und sorgen dafür, dass wir sicher in Barbados ankommen!
Eure Johnny aka Isa

P.S.: Von Martti: Papa, du laufende Lebenserfahrung, lass dir bloß nicht einfallen deinen 50. Geburtstag nicht zu feiern. Herzlichen Glückwunsch von Kind Nr.3, esst und trinkt für mich mit! ;) Grüße auch an den Rest der Familie, aus 21°52,2‘ N, 025°50,9’W, Martti

P.P.S.: Von Isa: Ganz liebe Grüße nach Hause, Oldenburg, an die 10d, nach Stuhr und Hamburg! Macht euch eine schöne Adventszeit!

Cité de la Mer

Sonntag, 25. Oktober 2009

Datum: 25. Oktober 2009
Position: 49°38,1′N, 001°36,9′W, Cherbourg
Wetter: Luft 16°C, bedeckt, teils leichter Regen, teils sonnig
geschrieben von: Isa Fischer

Ein ganzer Tag an Land. Von 0:00 Uhr bis 24:00 Uhr. Doch dieser Tag hatte keine 24 Stunden sondern 25 Stunden. Es war Zeitumstellung. Ich wollte gerade hoch um meine 7:00 bis 8:00 Hafenwache anzutreten, als Solli aufsteht und fragt, wieso ich denn schon um 6:00 Uhr aufstehe… Verdammt, Uhr umstellen vergessen! Also legte ich mich wieder hin, jedoch nur für 20 Minuten und genoss anschließend eine schöne warme Dusche - ohne hin und her zu rutschen. So konnte ich munter um 7:00 Uhr meine Hafenwache mit Muriel antreten. Wir hatten nicht viel zu tun, außer nach den Leinen und der Gangway zu schauen; so beobachteten wir die Angler, die drei Fische und ein Calamaris aus dem Wasser zogen. Kurz darauf gab es von der Backschaft (heute C-Wache) ein fantastisches Sonntagsfrühstück: Schinken mit Spiegelei. Alle satt und gut versorgt, erzählte Steffi uns, was heute zu tun ist. Wir teilten nach dem Frühstück die Aufgaben ein. Die D-Wache sollte auf Deck aufklaren und säubern; außerdem das Kartenhaus, also die Brücke, abstauben. Unter Deck war die C-Wache, dass heißt die Backschaft, die für die Sauberkeit verantwortlich ist und die A- und B- Wachen sollten die Klüver abschlagen, zusammenlegen und einen neuen anschlagen, als auch den eingerissen Klüver reparieren.

Während der Klüver noch genäht wurde, konnten einige mit den Wurfleinen üben, möglichst weit zu werfen. Wir machten ein paar Fotos, als ein Franzose kam, auch ein Foto machte und einige Fragen stellte: er wollte einen Bericht für die Zeitung schreiben. Ich als Nicht-Französisch-Sprecher schaute Lotte und Nicola zu, wie sie die Fragen beantworteten und amüsierte mich über die Sprache. Zum Mittagessen, pünktlich um 12:00 Uhr, gab es Hähnchenbeine mit Rotkohl und Kartoffeln. Cordula erzählte noch, dass Steffi und sie ein Internet-Cafe ausfindig gemacht hatten, wo wir bei Landgang hinkönnten, und dass wir uns erstmal um 14:00 Uhr am Schiff treffen und dann zusammen in ein Museum zu gehen. So trafen wir uns um 14:00 Uhr und besichtigten das Museum “Cité de la Mer”, das aus einem Aquarium und dem größten U-Boot der Franzosen besteht. Wir spazierten in Kleingrüppchen durch die Ausstellung, um das U-Boot und das Aquarium zu besichtigen. Das U-Boot ist von außen richtig groß und von innen voll mit Technik. Wohnen will ich dort nicht, da ist unsere Johann Luxus gegen!!! Im Aquarium konnte man einige Fische sehen, etwas über die Tiefsee und die U-Boote erfahren, jedoch überwiegend nur auf Französisch und Englisch. Ab und zu traf man sich, aber nach ca. zweieinhalb Stunden waren die meisten durch und verstreuten sich in der Stadt, oder gingen zurück zum Schiff.

Mit Lina, Julia, Martti, Finn, Keno und Patric ging ich in ein Internet-Cafe und ins Centro, um einige E-Mails zu lesen und zu schreiben. Da ich allerdings schon um 18:00 Uhr zur Hafenwache musste, machten sich Lina, Finn und ich auf den Rückweg. Dort begrüßte uns Sams mit einem Verband um den Finger: beim Teilen seiner Toblerone jagte er sich sein Messer in den Finger! Autsch… - heilt aber wieder… ;) So sitze ich hier jetzt mit Lina auf dem Deck, wegen Ebbe ca. 2 Meter unter der Pier, und wir werden von oben von Franzosen beobachtet und einige versuchen mit uns zu reden. Voraussichtlich wollen wir morgen gegen Mittag mit der Flut auslaufen, um Dienstag in Brest wieder an Land zu kommen. Wir werden sehen,  wohin der Wind uns bringt! :D
Alles Liebe, ISA

P.S.: Ich grüße ganz herzlich Mama, Nils, Fam. Briem, Oma und Opa, Vicky und Mell und alle anderen aus Oldenburg! Liebste Grüße ;)