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Logbuch der “Johann Smidt” (22)

Mittwoch, 14. April 2010

Tag: 14. April 2010
Position: Ponta Delgada auf Sao Miguel (Azoren)
geschrieben von: Heiner Grübmeyer und Steffi Jung

Nach dem Auslaufen aus Horta traf das Schiff auf kräftigen Wind aus NORDOST und machte gute Fahrt in Lee der eindrucksvollen Insel Pico der Azoren. Nach insgesamt „schnellen“ 160 gesegelten Meilen entschlossen wir uns, den geschützten Hafen von Ponta Delgada auf Sao Miguel anzulaufen. Hier werden wir die Wetterentwicklung sorgfältig beobachten und in einer für uns günstigen Wetterlage die Reise fortsetzen. Die Stimmung der Mannschaft an Bord ist gut und das Schiff befindet sich in einem sehr guten Zustand. Heute liegen zunächst Schiffsarbeiten an: jeder hat ein Messingstück der Johann bekommen; nun wird poliert. Glänzend wollen wir in Hamburg einlaufen. Timi und Franz, unsere neuen Landplaner, machen sich zur Zeit auf den Weg durch Ponta Delgada und schauen, was wir alle zusammen hier anstellen können. Herzliche Grüße,
Steffi Jung und Heiner Grübmeyer



Schauen wir nun nochmal zurück auf unsere Woche in Horta auf der Insel Faial. Annika hat sich nochmal hingesetzt, um Ihnen zusammenfassend über diese wunderschönen Tage zu berichten.

Endlich wieder Land! Die freudige Stimmung wurde nicht einmal von den noch bevorstehenden Arbeiten in Erdkunde und Biologie und den mündlichen Prüfungen in Englisch gedämpft. Nach der Erdkundearbeit gingen Jannik und ich direkt in die Touristeninformation, um uns einen Überblick zu verschaffen, was wir von unseren Plänen umsetzen könnten und ob es noch Alternativen gäbe. Leider waren wir durch den ständigen Regen nicht nur in den Schiffsarbeiten eingeschränkt, sondern auch in Teilen unserer Landplanung. Schiffsarbeiten sollten, genau wie unsere geplanten Ausflüge, am Besten an regenfreien Tagen stattfinden, aber da es grade an solchen Tagen mangelte, zeigten sich HSHS und Clipper kompromissbereit. Anstatt der geplanten Radtour buchten wir stattdessen einen Bus und die Arbeiten, die keinen strahlenden Sonnenschein erforderten, wurden bei Nieselregen verrichtet. Nachdem der Dienstag mit der Biologiearbeit, den ersten Englischprüfungen und Schiffsarbeiten recht anstrengend war, sah der Mittwoch etwas weniger voll aus. Ursprünglich hatten wir für den Vormittag für den Großteil von uns Whale Watching geplant, für ein paar stattdessen einen Tauchgang. Wir hatten zuvor mit dem Besitzer Norbertus der gleichnamigen Tauch- und Whale Watching Basis gesprochen, ein langhaariger, kleiner Mann in Arbeitsoverall, Flies und einem rot-gemusterten Halstuch, dass er zu einem Stirnband umfunktioniert hatte. Da Whale Watching bei diesem regnerischen Wetter keinen Sinn machte und wir vor allem von den Walen abhängig waren, sicherte uns Norbertus zu, zum Schiff zu radeln, sobald welche gesichtet wurden.

Mittwoch Morgen fiel das Whale Watching leider ins Wasser, stattdessen erledigten wir die Schiffsarbeiten, die zu erledigen möglich waren. Das Tauchen hingegen konnte trotzdem stattfinden, allerdings erst am Nachmittag. Im Laufe des Tages fingen wir mit den Vorbereitungen für unsere, unabhängig vom Wetter, geplante Bordparty anlässlich der Verabschiedung des Stamms und Jan Wehberg und natürlich nicht zu vergessen, dem Ende des Unterrichts an Bord! In der Kombüse wurde gekocht, die Messe und der Teegarten, in dem ein Buffet aufgebaut wurde, dekoriert und Sonnensegel gespannt, um den Weg vom Teegarten in die Messe trocken zu halten. Dank all der vielen Arbeit und großer Bemühungen aller, konnten wir so am Abend ein absolut gelungene „School‘s Out Party“ feiern. Am Donnerstag machten wir uns auf den Weg zum anderen Ende der Insel. Mit dem Bus fuhren wir von Horta aus nach Capelinhos, einem Vulkan, der erst vor 50 Jahren ausgebrochen ist. Dort besuchten wir auch ein Museum, das sich mit der Entstehung der Azoren, der Bedeutung von Vulkanen und den verschiedenen Inseln der Azoren beschäftigt. Nach dem Museum kehrten wir in einem Cafe ein, wo ich zuvor bereits Essen vorbestellt hatte. Auf dem Rückweg fuhren wir trotz dichten Nebels auf die Caldeira, konnten dort allerdings kaum unsere eigene Hand vor Augen sehen. Zurück in Horta war der Rest des Tages frei. Für den Freitag lagen nach mehreren Verschieben dann letztendlich die restlichen Englischprüfungen an. Kurz nach dem Frühstück allerdings kam Norbertus auf seinem Rad angerast und berichtete aufgeregt, dass Wale gesichtet wurden. Also wurden die Englischprüfungen kurzerhand gleich nochmal verschoben. Allerdings nur bis zum Nachmittag. Als wir also am Abend alle zusammen ins Peter Cafe Sport gingen, um das Geheimnis um den HSHS-Schatz zu lüften, hatten endlich alle ihre Prüfungen hinter sich. Dort feierten wir auch in Franz 17. Geburtstag hinein. Am Samstagabend gingen wir, nach einem Tag Schiffsarbeiten, Großreinschiff und Landgang, in ein Restaurant zum „All you can eat“ und nachdem alle soviel gegessen hatten, wie sie konnten, war der Rest des Abends frei. Der Sonntag verlief neben dem Crewwechsel ähnlich und so konnten wir am Montag gut vorbereitet
auslaufen.
Anni und Jannik

Logbuch der “Johann Smidt” (21)

Sonntag, 04. April 2010

Datum: 4. April 2010
Position: 38°04,2′N, 031°48,7′W
Wetter: 4-5 Bft
geschrieben von: Steffi Jung, Jannik Löhnert und Annika Maug

Guten Abend liebes Lesepublikum, wir freuen uns, dass Sie wieder zugeschaltet haben; uns geht es gut. Alles läuft rund und wir eiern in österlicher Stimmung auf die Azoren zu. Morgen Mittag (Montag, 5.4.10) werden wir in Horta auf der Insel Faial, Azoren festmachen. Während Sie, liebe Eltern, möglicherweise gerade bei der Osterkaffeestunde zusammen sitzen, dürften Ihre Telefone zu dieser Zeit anfangen zu klingeln. Wir freuen uns hier alle schon sehr auf Land, Bäume, die Farbe Grün und vertraute Stimmen - immerhin haben wir zwei sehr anstrengende Wochen hinter uns: Das Meer sah teilweise aus wie kochende Milch, der Schulstress erreicht gerade mit abschließenden Klausuren seinen Höhepunkt und die Schülerschaft hat den kompletten Bordbetrieb in eigener Verantwortung übernommen. Die jungen Menschen hier an Bord versetzen gerade Wellenberge. Und trotz der hohen Belastung war und ist die Stimmung sehr gut.

Heute morgen haben Lina und Solli einen Osterfrühstückstisch gezaubert, an dem man sich einfach nur wohl fühlen konnte. Außerdem haben sie Nester versteckt. Wir hoffen, wir haben alle gefunden. Lotte und Carmen standen schon früh um Fünf in der Kombüse und haben wunderbare Brötchen gebacken; Moritz, Keno und Martti servierten uns dann später Lamm. Aber Sie werden davon sicher noch in den Tagesberichten lesen; Essen ist ja immer ein beliebtes Thema. Das ist wohl auch der Grund, warum ich dieses Thema umgehe, aber nehme ich die Gelegenheit doch gleich mal wahr, um Ihnen zu erzählen, wie erstaunlich und bewundernswert es ist, was diese jungen Menschen alles kochen können. Man muss dabei bedenken, dass sie alle jeweils für eine ganze Seemannschaft kochen müssen. Ob sie es glauben oder nicht, es schmeckt ausschließlich sehr gut und nun sage ich Ihnen noch was: Es ist darüber hinaus noch sehr abwechslungsreich. So, genug der Völlerei und des Lobes, ich mache die Zeilen frei für Annika und Jannik, die das Landprogramm auf den Azoren gestalten möchten.

Das Ei ist rund und genauso hoffen wir, wird auch alles beim Landprogramm rundgehen! In den letzten zwei Wochen haben sich Annika und ich viele Gedanken über unseren Aufenthalt auf den Azoren gemacht, zum Glück haben wir nun, dank 1a Wind und einer noch besser laufenden Hauptmaschine, sogar zwei Tage mehr Zeit für die Azoren. Zuallererst stehen natürlich die restlichen Klausuren und Schiffsarbeiten, sowie Verproviantierung an, fest eingeplant sind außerdem Dinghifahrten für die SBF-See Prüfung und ein, von uns gemaltes, künstlerisches Meisterwerk auf der weltberühmten Pier von Horta. Zur Freude aller wird es höchstwahrscheinlich wieder möglich sein, Tauchen zu gehen; alternativ gäbe es die Auswahl zwischen Whale-Watching und Schwimmen mit Delphinen. Danach wird sich jeder im All-You-Can-Eat Restaurant den Bauch vollschlagen können ohne mahnend von den Proviantverwaltern angeschaut zu werden. Ansonsten werden wir versuchen, einen Spaziergang mit Lagerfeuer um den Kratersee von Faial zu machen und für die ganz Mutigen ist auch schon ein Strand zum Baden ausgesucht. Ein Muss ist selbstverständlich ein Abend im Peter-Café-Sport, dem Anlaufpunkt für alle Atlantiküberquerer, in dem noch ein geheimer Brief von der letzten HSHS - Gruppe auf uns wartet. Annika und ich werden uns jedenfalls alle Mühe geben, einen schönen Azorenbesuch zu gestalten, ob’s eher ein faules Ei war, werden wir sonst in spätestens einer Woche erfahren! Herzliche Grüße und frohe Ostern,
Annika Maug, Jannik Löhnert, Steffi Jung, und das HSHS-Team