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Gegensätze

Dienstag, 27. April 2010

Tag: 27. April 2010
Position: k. A.
Etmal: 169sm
Wetter: Das Wetter ist wie immer gut
geschrieben von: Wim Fleischmann

Und es war schon wieder ein Backschaftstag. Nur diesmal der Letzte! Davor wurden wir netterweise von der B-Wache eine Stunde früher geweckt. An dieser Stelle nochmal ein nettes Dankeschön. Und da wir dachten wir, wir wären morgen in Zeitnot und hatten auch die Kartoffeln am Abend vorher geschält… Gut, was sollten wir also machen. Da wir sowieso relativ knapp bemessene Kartoffeln hatten, schälte ich mit Moritz einfach nochmal das Doppelte. Julia kochte derweil schon mal den Milchreis vor. Also auf zum zweiten Mal etwa 70 kleine Kartoffeln schälen. Es war um 5 Uhr 40 noch wunderbar ruhig an Bord, die ruhige See sah wirklich spiegelglatt aus. Spiegelglatt ist nicht nur eine Metapher. (Notiz an Steffi: wenn du das gelesen hat, bitte löschen: Ist „spiegelglatt“ eine Metapher, oder eine similiar (wie hieß das noch gleich auf deutsch? - Anmerkung: Gelesen, aber nicht gelöscht. Fragen wir doch das Publikum…)

Das Wasser sieht wirklich gut aus. Wenn kein Wind die Wellen aufpeitscht und alles glatt ist, dazu noch eine junge Sonne scheint, könnte es auch Eis sein, auf jeden Fall ist es schwer zu beschreiben, und es ist leider nicht gut auf Photos festzuhalten. Beim Kartoffeln schälen jedenfalls hatte ich keinen Sinn für die Schönheit des Wassers, ich wollte einfach nur möglichst schnell fertig werden. Nachdem wir dann endlich fertig waren, begann das „normale“ Backschaftsleben - erstmal Frühstück vorbereiten, dann decken, Kellner spielen, abräumen, abwaschen, und direkt weiter mit dem Vorbereiten des Mittagsessens, nur für 35 Personen. Soviel zu meinem Tag, es gab schon genug Tagesberichte eines Backschafters, um zu wissen wie der Backschaftsstress läuft.

Das Leben an Bord ist im Moment geprägt von zwei Gegensätzen. Einerseits wollen wir nach Hause, andererseits wollen wir, dass die Zeit auf HSHS länger währt. Dieser Gegensatz, kann einen schon fertig machen, oder aber man beschäftigt sich nicht weiter damit. Auf jeden Fall ist es nicht förderlich für die Stimmung an Bord. Gestern wurde außerdem das Gepäck ausgeräumt, wir haben unsere Kleidung in den Kammern gepackt und die Seesäcke etc. wieder in der Last verstaut. Jetzt muss noch endgültig das Stück Messing, das jeder zugeteilt bekommen hat, fertig geputzt werden. Es herrscht Aufbruchstimmung an Bord. SBF muss noch gelernt werden und jeden Tag wird etwas besonders stark geputzt. Heute werden die Messeschubladen geputzt – für Hamburg. Bis bald an alle, die die Tagesberichte lesen – wir sind ja bald zu Hause und ich hoffe ihr steht alle in Hamburg.
Euer Wim

Haarige Sachen

Donnerstag, 01. April 2010

Tag: 1. April 2010
Position: irgendwo im Nirgendwo
Etmal: 183.469m
Wetter: gut
geschrieben von: Wim Fleischmann

Wir sind heute morgen eine Wende gefahren – der Wind hatte gedreht. Keno war für die Großschot eingeteilt. Er fierte sie ordnungsgemäß – und dann Zack! Er verfing sich mit den Haaren in der Schot! Zum Glück kam auch in diesem Moment Lose in die Schot und Keno konnte die Haare wieder herausziehen. Zum Glück verlief der Rest ganz ohne Zwischenfälle. Uli, unser Schiffsartzt (nicht Ulli Tetzner), bekam die ganze Sache mit und sprach uns beim Mittagsessen darauf an: „… Und deshalb, zur Schiffssicherheit, müssen alle, deren Haare länger als 7 cm sind, gestutzt werden.“ Sowohl die der Frauen, als auch die der Männer. Die große Haarschneideaktion muss bis heute Abend abgeschlossen sein!“ Wir waren natürlich alle ziemlich erschrocken. Erst, dass der Rhein kürzer ist ,als wir immer dachten, und nun das! Eigentlich sträubten sich alle, die gestutzt werden mussten. Mitreisende, die lange Haare haben, wollen sie in der Regel ja auch behalten, sonst hätten sie kürzere… Besonders Patric wehrte sich tapfer, aber es half alles nichts. „Sicherheit geht vor!“ und deshalb mussten wir hinterher.( Das ist so ähnlich wie mit: N’ Smoke in the morning time, is better als den ganzen Tag gar keinen.) Wir schafften es wirklich alle bis 18 Uhr durch zu haben.

Dann nahmen wir die Hängematten, die wir in Panama gekauft haben und nähten all unsere abgeschorenen Haare ein. Zur Beschwerung der Hängematte legten wir mehrere Schäkel ans Fußende. Feierlich ließen wir den Sack über die Reling gleiten. Manch einer konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, und Uwe, unser Kapitän hielt eine ergreifende Rede. Nachdem wir uns alle wieder einigermaßen beruhigt hatten (selbst ich habe bestimmt einen cm verloren…) wurde es aber wieder spannend. Es mussten ja immerhin noch zwei Leute „atlantikgetauft“ werden, aus Tradition darf ich ja leider nichts zur Taufe an sich sagen, nur… Jan & Klaus taten mir fast schon leid… fast… Abends gab es wieder gutes Essen nur mit einer kleinen Premiere: Es waren diesmal keine Haare im Essen. Es war sonst öfters eine haarige Angelegenheit gewesen. Abends saßen wir noch lange zusammen und unterhielten uns über unsere Erinnerungen an unseren lieben Gefährten – die Haare. Heute gab es wohl für jeden den Moment, an dem wir alle ein Haar in der Suppe der Reise fanden. Extra für euch habe ich den heutigen Tag haargenau beschrieben. Bitte gedenkt auch ihr ihm mit der ein oder anderen Träne an unsere versunkenen und entschwundenen Haaren. Ein Teil von fast jedem von uns, drunten in den Tiefen.
Wim

P.S.: Ich grüße meine Bekannten, Freunde & Familie.
P.P.S.: Finn grüßt Familie und Freunde
P.P.P.S.: Keno würde gerne Maya grüße (und Muriel auch)
P.P.P.P.S.: Sophie grüßt ihr Geburtstagskind

…und April April, an alle…!!!