Archiv für die Kategorie ‘Karibik’

Großreinschiff und eine neue Schot

Sonntag, 27. Februar 2011

Datum: 27. Februar 2011
Position: 23°09′N, 083°27′W
Etmal: 123 Sm
Wetter: sonnig kühl
geschrieben von: Emma Prinz

Moin, und wieder ist ein fast ganz normaler und fast ereignisloser Tag an Bord der Johann Smidt vergangen. Ich stand ganz normal um kurz vor vier zu meiner Wache auf. Die verlief auch normal, bis auf die Tatsache, dass wir das Brot 20 Minuten zu spät in den Ofen getan hatten, was aber nichts ausmachte, da wir noch genug vom Vortag übrig hatten. Wie immer legte ich mich nach dem Frühstück nochmal hin, um den verlorenen Schlaf aufzuholen. Die anderen schrieben in der Zeit die Erdkundearbeit, die wir schon am Vortag geschrieben hatten. Zum Mittagessen gab es Milchreis mit den üblichen Beilagen wie Pudding, Apfelmus und Ananas. Nach dem Mittagessen gab es, zum ersten Mal sonntags, Großreinschiff. Wir mussten alles noch gründlicher putzen als sonst, wegen der kubanischen Standardgesundheitskontrolle. Das dauerte fast den ganzen Nachmittag. Beim Kaffe wurde uns dann auch mitgeteilt, dass wir unsere Duschgewohnheiten zurückstufen sollen, um den nicht so viel Wasser zu verbrauchen und den Schwarzwassertank nicht zu belasten. Dann hatte ich eine vollkommen normale Wache.

Nach der Wachablösung ging ich nach unten in die Messe, wo sie gerade den Film vorgeführt haben, den wir bei der Gala in Kuba den Leuten zeigen wollen. Es ist eine Verlängerung des Longo Mai Film. Gegen Ende des Films hörten wir alle einen lauten Knall. Als der Film dann zu Ende war rannten alle hoch, um nachzugucken. Schnell war klar, dass die Backbord Klüverschot gerissen ist. Nach einer umständlichen Aktion hatten wir dann die Steuerbordschot an Backbord befestigt. Kurze Zeit später fuhren wir eine Wende, bei der wir dann eine Ersatzschot Steuerbord befestigten. Kurz, alles war wieder normal. Dann war der Tag auch schon zu Ende. Ganz liebe Grüße an meine Oma, die heute Geburtstag hat! Alles, alles liebe. Und natürlich an meine restliche Familie!
Emma

Sinnvolle Geiselnahme?!

Samstag, 26. Februar 2011

Datum: 26. Februar 2011
Position: 22°51,4’N, 084° 36,2’W
Etmal: 93 sm
Wetter: blauer Himmel, sonnig
geschrieben von: Adrian Hiss


Es ist 20.00 Uhr am Freitagabend an Bord der Johann Smidt. So langsam trudelt ein jeder in der Messe ein, denn unser wöchentliches Auktionshaus beginnt mit der Versteigerung. Die Lost and Found Kiste. Ein Gegenstand, der hier landet muss vorher zwei Phasen durchlaufen haben. Die erste Phase ist, dass der Gegenstand von irgendjemandem in die Lost and Found Kiste gelegt wird, da der Gegenstand anscheinend nicht in das optische Bild für Ordnung dieser Person gepasst hat. Nun beginnt die zweite Phase, man hat Zeit bis um 22.00Uhr des jeweiligen Tages seine Sachen aus der Lost and Found Kiste zu retten. Danach kommt ein Lehrer, bewaffnet mit einem großen blauen Müllsack und räumt die verwaisten Gegenstände in den Sack. Der blaue Sack verschwindet ein bisschen später in den Nischen des Schiffes. Die Waisen bekommen erst wieder frische Luft zu spüren an dem besagtem Tag zur besagten Zeit, da sich dann genug Lösegeldzahler gefunden haben. Hier zeigt ein Vermittler die Gegenstände herum, manchmal ruft einer der Lösegeldzahler „Meins!“ und schon wird er zu der Person durchgegeben. Das Lösegeld beträgt je nach Größe und Skurillität eine andere Summe. Es wurde schon von nicht-wohlriechende Socken bis hin zu Schlüpfern der Größe 34-46 verhandelt. Der Schlüpfer, der Größe 46 war ein Hit unserer Lost and Found Geschichte, denn er war einfach nur groß und pink. Auch das Zuordnen fiel schwer, da wir keine Frau an Bord hatten mit der „passenden“ Größe. Des weiteren wundert es viele, dass es ungefähr 15 Sockenpaare gibt, die niemanden gehören sollen. Der einzige Vorteil an dieser Entführung ist, dass das Lösegeld am Ende der Reise der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zu Rettung Schiffbrüchiger) gespendet wird. Viele liebe Grüße an meine Freunde, Familie und Nico :),
Euer Adrian