Archiv für die Kategorie ‘Nordatlantik’

Freitag, der 13.

Freitag, 13. Mai 2011

Datum: 13. Mai 2011
Position: Glückstadt
Wetter: sonnig, leicht bewölkt
Etmal: 10sm
geschrieben von: Paul Steggemann

Laut Datum müsste heute ja etwas Schlimmes passieren. Doch heute ist alles ganz normal gelaufen, nur das es der letzte volle Tag der HSHS ist…und er begann wie jeder mit dem Frühstück. Dann kam Adi mit aller Milch unter dem Arm in die Messe und meinte:“ Nehmt euch alle, wir ham` genug davon!“ Denn der Querfraß ist ab heute endlich offiziell erlaubt. Den ganzen Morgen verbrachten wir alle damit zu packen und in Erinnerungen zu schwelgen. Denn als ich all meine Erinnerungen und Geschenke für zu Hause eingepackt habe, sind mir so viele Sachen wieder eingefallen. Man kann es nicht abstreiten, wir haben echt schon viel erlebt! Gegen Mittag machte an unserer Steuerbordseite ein Schiff fest, die Albatros aus Spiekeroog. Ein  paar Lietzer und ein Lehrer kamen zu uns an Bord.

Am Nachmittag gab es zum letzten Mal für alle Landgang. Doch in Glücksstadt ist nicht viel los, also waren die meisten früh wieder da. Als Robert und Antje um 6 Uhr wieder an Bord kamen, hieß es dann sofort „Klar vorn und achtern!“ und wir legten ab um die Elbe runter ins Reedegebiet zu fahren. Den letzten Abend gestalteten wir mit dem Captains Dinner. Doch nicht für Jakob, Aaron und mich. Wir hatten Ankerwache, wurden aber trotzdem mit Essen versorgt. Nach unserer Wache versammelten sich alle in der Messe und Jan hielt vor uns allen eine Rede über die Reise, wir als Gruppe und seine eigenen Gefühle. Nachdem Norbert auch ein paar Worte an uns richtete, kamen vielen die Tränen. Wie viele andere will auch ich nicht, dass es vorbei ist. Und Einige sehen dem morgigen Tag auch nicht mit sehr großer Begeisterung entgegen, da es das Ende unserer HSHS bedeutet… Grüßen will ich keinen mehr, denn all die sehe ich morgen ja schon wieder. Bis morgen am Sandtorkai!
Paul

Kleiner Kosmos High Seas

Donnerstag, 12. Mai 2011

Datum: 12. Mai 2011
Position: Glückstadt, Außenhafen
Etmal: wenige Meilen zu Fuss und mit dem Dinghi durch den Außenhafen
Wetter: wolkig, Regen, kalt
geschrieben von: Claudia Robbers

Hallo liebe Highseasfreunde, unsere Reise neigt sich dem Ende zu, nach über 209 Tagesberichten der Schülerinnen und Schüler, ist es nun an mir, der Deutschlehrerin, einen Überblick über den Tag zu geben. Der Tag war geprägt von Vorbereitungen auf den SBF See, wir übten Anlegen, Ablegen, Aufstoppen und Boje über Bord-Manöver. Die letzten Fragebögen wurden gepaukt und an jeder Ecke Knoten geübt. Um Punkt drei Uhr am Nachmittag begann die Prüfung und bis auf wenige Ausnahmen, zu denen leider auch ich gehöre, haben alle ihren Führerschein bekommen. Die Erleichterung über das Ende des Lernens der letzten Tage und Nächte stand allen ins Gesicht geschrieben und so endete der Tag fröhlich bei einem ausgezeichneten Abendessen in einem Lokal der Glückstädter Innenstadt. Soweit zum Tag.

Was aber noch zu beschreiben bleibt, ist die Stimmung an Bord, die immer mehr vom Abschied nehmen geprägt ist. Erinnerungen werden ausgetauscht, „Weißt Du noch damals auf Kuba, der Schüler, der allen den gleichen Liebesbrief schrieb?“ oder „Erinnert ihr Euch an den ersten gemeinsamen Besuch bei Peter Café Sport auf den Azoren und den weiteren Abend?“. Es ist gerade an allen Ecken spürbar, dass diese letzten Tage, Stunden unserer High Seas High School für alle etwas ganz Besonderes sind und mehr als bewusst wahrgenommen werden.  Allen ist klar, dass dieser kleine Kosmos, diese wunderbar bunt schillernde Seifenblase auf der Johnny bald platzt, aufgelöst wird. Es geht zurück nach Hause, mit all seinen schönen und weniger schönen Seiten, wo Altbekanntes und Ersehntes, aber auch Neues, mit seinen Herausforderungen und seinem Anfangszauber warten.

Mir ist dieser kleine Kosmos mit all seinen Bewohnern bei aller Sehnsucht nach Zuhause sehr ans Herz gewachsen. Wir haben zusammen Neptun geopfert wie Norbert, unser Kapitän, das anfängliche Elend an Deck immer nannte, herausgefunden, wie wir am besten Sülze zubereiten und in welchen verschiedensten Varianten wir Reis kochen können. All das schuf eine Gemeinschaft, die trägt und über so manche Klippe hinweg half und die es mir leicht gemacht hat, mit viel Freude meine Aufgaben an Bord zu erfüllen.
Das Schönste dabei war, mitzubekommen, wie sich jeder und jede Einzelne der Schülerinnen und Schüler entwickelt hat, sich ausprobiert und dabei en passant die Welt und sich entdeckte. Diesen Prozess zu sehen und begleiten zu dürfen, war und ist unglaublich faszinierend und für mich eines der größten Geschenke dieser Reise.

Ein weiteres Geschenk sind die engen Bande, die geknüpft wurden, nicht nur zu meinen drei Kollegen an Bord, mit denen ich mir diesen gemütlichen Wohn-, Schlaf- und Arbeitsbereich teilen durfte und die ich vermissen werde, sondern auch zu unseren beiden Steuerleuten Antje und Robert, die uns den ganzen Törn über begleitet haben und weit über ihre seemännischen Aufgaben hinaus das Leben an Bord in Gang gebracht und lebenswert gemacht haben.

Bei aller Freude auf die Rückkehr, auf die reale Welt, es wird komisch sein, Euch 31 bald nicht mehr um mich zu haben, aber seid gewiss, ich denk an Euch und danke Euch für die wunderbare Zeit! Alles Liebe,
Claudia

PS. Beatrix grüßt das RRHS-Team!