Archiv für April 2011

Letzter Apriltag

Samstag, 30. April 2011

Datum: 30. April 2011
Wetter: sonnig, teilweise bewölkt und relativ warm
Etmal: 141 sm
Position: 43°02,3 N, 018°49,8′W
geschrieben von: Anika Sprakel

Hallo ihr Lieben!! Es ist nun schon wieder ein weiterer Tag vorbei und damit auch der letzte Tag vom April, dem letzten “kompletten” Monat der Reise. Damit sind es nur noch zwei Wochen bis Hamburg. Ehrlich gesagt, weiß ich deshalb auch nicht, über was ich schreiben soll. Wenn ich über das Ende der Reise schreibe, wäre das jetzt bestimmt zum 10. mal in einem Tagesbericht oder so. Heute war ein normaler Wachtag. Ich bin das erste Mal in der “neuen Wache” Wache gegangen. Da wir in der Wache nur drei sind, also wenn einer Backschaft hat, nur zwei, gehen Antje und Robert immer mit uns Wache. Das heißt, sie gehen auch 40 min. ans Steuer und danach 40 min. in den Ausguck. Dies geht aber nur, weil Heepke momentan die Rolle der Steuerfrau übernimmt. Der Wind hat sehr abgenommen und wir waren nur noch 2-3 Knoten, maximal 4 Knoten schnell.  Aus diesem Grund hatten Fenja und ich, während der Wache am Nachmittag, die Aufgabe, alle mit Primer bestrichenen Stellen weiß zu Streichen. Man könnte denken, dass es gar nicht so schwer ist, aber irgendwie habe ich es immer geschafft, dass der Wind die Farbe vom Pinsel, quer über das Teakdeck verteilt hat. Die Flecken musste ich dann mit Verdünner weg machen.

Am Abend war Filmabend. Bevor der “richtige” Film gestartet ist, haben wir eine Art “Vorfilm” gesehen, den unser Maschinist, Jürgen, mitgebracht hat. Es war der Film der letzten Etappe von der Reise 07/08. Ich glaube, dass besonders als das Einlaufen im Mississippi gezeigt wurde, alle sehr an unsere Ankunft denken mussten und wie es sein wird, ohne die Gruppe zu sein. Manche von uns haben sogar geweint. Ich find das ziemlich beeindruckend, weil dieser Film rein theoretisch nichts mit unserer Reise zu tun hat. Dennoch waren viele davon sehr berührt. Jetzt bin ich doch schon wieder auf das Thema gekommen. Man merkt schon, dass es die meisten hier sehr beschäftigt. Ständig erwischt man sich und andere dabei, wie sie über das Ende der Reise diskutieren. Ich ziehe hier jetzt mal einen Schlussstrich und grüße als aller Erste mal Karen, Franzi und Lenny, die nämlich im April Geburtstag hatten, denen ich aber vergessen habe zu gratulieren ;) Außerdem grüße ich noch die Segelgruppe, die bis heute Trainingslager in  Holland hatte, meine Großeltern und  meine Großmutter, meine beste Freundin Nici, Anne & Familie, Nils M., Tobi & Nicole, meine Cousine Johanna und ihren kleinen Bruder Constantin und meine Cousins Simon & Fritzi. Dies war mein letzter Tagesbericht für die Reise. Ich freue mich auf euch alle. Bis ganz bald.
Eure Ani

Leiterbericht No. 25

Samstag, 30. April 2011

Datum: 30. April 2011
Position: ~ 450sm nordöstlich der Azoren
Etmal: -
Wetter: 12°C, bewölkt, Wind ~25kn
geschrieben von: Jan Guckes

Noch zwei Wochen bis zur Ankunft. Hallo liebe Leser, die letzten zwei Wochen der Reise stehen uns nun bevor. Seit dem Auslaufen aus Horta hat sich unser Alltag spürbar verändert. Es wurden neue Wachen nach den Wünschen der Schüler eingeteilt und der Unterricht eingestellt. Vor allem aber gipfelt das bereits vor Monaten in der Karibik vorbereitete Konzept der “Schiffsübergabe” in seinem Höhepunkt, der vollständigen Übergabe an die Schüler. Dabei bilden alle Funktionsträger an Bord mit je einem gewählten Schüler ein Tandem, in dem sich die Schüler in ihren neuen Rollen neu entdecken, verwirklichen und beweisen müssen. Die Verantwortung trägt allerdings weiterhin die Stammcrew, auf deren Mitarbeit und Beratung seitens der Schüler weiterhin vertraut und zurückgegriffen werden kann. Demnach obliegt die Entscheidung, welches Ziel zunächst angesteuert werden sollte bei der Stammcrew, so dass Vorschläge aus den Reihen der Schüler, wie zum Beispiel nach Irland zu segeln, zum Bedauern eben jener abgelehnt werden mussten. ;-)

Dennoch gibt es viel zu tun und zu entscheiden. Florian in der Rolle des Schülerkapitäns überwacht und koordiniert alle Arbeiten an Bord und moderiert die täglich stattfindende Besprechung der Stammcrew. Unterstützt wird er von der ersten Steuerfrau, Heepke, die zusammen mit Paul, dem Bootsmann, die Decksarbeiten anleitet. Ebenso wird der Schülerkapitän von zwei weiteren Steuerleuten, Laura und Robert, unterstützt, die zusammen mit Heepke 24h am Tag Wache gehen. Aber nicht nur im Nautischen wurden Aufgaben neu verteilt, sondern auch die alltägliche Bordroutine liegt in Schülerhänden: In Gunnars Aufgabenbereich fällt die sachgemäße Trennung und Stauung des Mülls auf dem Achterdeck. Unter Deck hat Aline als Hygienebeauftragte alle Hände voll zu tun, wenn sie täglich das Ergebnis ihrer Reinigungsteams in den Nasszellen kontrolliert und hin und wieder für Nachbesserungen sorgen muss. Miriam hingegen übernahm auf den Azoren meine Aufgabe als Projektleiter und plante eigenständig, aber nach Absprache das gesamte Landprogramm. Bereits seit Teneriffa managen Adrian und Stephan die Verproviantierung aller Etappen. Seit der Karibik werden sie von Jannis in ihren Aufgaben unterstützt. Dazu gehört nicht nur die Erstellung der Backschafts- und Speisepläne sondern auch das Einkaufen vor Ort, das Verstauen in der Proviantlast, die Kontrolle verderblicher Waren und die Ausgabe aller Lebensmittel an die Backschaften.

Eine ähnliche, wenn auch süßere Aufgabe hat Philip, der sich um den Bestand und Verkauf von Süßigkeiten im “Candy-Shop” kümmert. Ebenfalls auf dem kulinarischen Gebiet beschäftigen sich immer zwei Schüler mit dem Nachfüllen des Getränkekühlschranks in der Messe. Zur Zeit haben Flo und Jasper die ehrenvolle Aufgabe, alle Besatzungsmitglieder mit Wasser und Süßgetränken zu versorgen. Noch eine Etage tiefer, also im “Keller” bzw.  im Maschinenraum arbeiten Markus und Stephan. Sie lenzen täglich die Schmutzwassertanks, bedienen Hauptmaschine und Schiffsdiesel und warten gemeinsam mit dem Maschinisten allerlei technische Geräte an Bord. Auch die Lehrer sind ihrer Aufgabe als Wissensvermittler größtenteils enterbt, da sich anstatt des Unterrichts verschiedene AGs gebildet haben, die ein reichhaltiges Arbeitsfeld abdecken. Neben einigen schulischen Fächern wie Biologie, Mathematik, Physik, Geschichte, Spanisch und Französisch, die weiterhin von uns Lehrern unterstützt werden, haben sich Musik-, Kunst-, Koch-, Back- und Sportbootführerschein (See) - Lerngruppen gebildet. Wer nichts oder nur wenig zu tun hat, wird zu Schiffsarbeiten an Deck herangezogen. Nach siebenmonatiger Reise zeigen sich allerlei Spuren der Beanspruchung durch Wind, Wasser und Salz, die bis zur Ankunft in Hamburg beseitigt sein wollen. Überall hört man nun das Klopfen der Rosthammer und sieht fleißige Schüler mit Pinseln, Bürsten und Schrubbern übers Deck huschen.

Neben den Erneuerungen im Alltag haben wir auch wieder eine neue Clipper-Crew. So begrüßen wir unseren neuen bzw. alten Kapitän Norbert Bury wieder, der uns bereits im ersten Teil der Reise sicher von Hamburg bis nach Barbados brachte. Auch der Steuermann Uli T. begleitete uns bereits von Barbados bis Panama und ist allen Schülern bestens vertraut. Neu hingegen sind der zweite Steuermann Jürgen Falk, der Maschinist Jürgen Rose und der Arzt Klaus Schulz. Allen wünschen wir eine gute Reise und viel Spaß mit uns. Mit besten Grüßen an alle Wartenden,
Jan Guckes