1. April

Datum: 1. April 2011
Position: 30°16`N, 067° 02`W, Nordatlantik
Etmal: 136 sm
Wetter: schönster Seegang
geschrieben von: Carlotta Maerevoet

Heute begann mein Tag mit Wachablöse! Und da ja der erste April ist, erzählten wir der ablösenden Wache, dass wir doch die Bermudas anlaufen müssten, da die Osmoseanlage wieder kaputt ist und wir dort bunkern müssen. Die meisten glaubten uns das auch, bis wir dann bei dem Wachwechsel ihnen direkt mitteilten, dass es nur “April, April!!” war. So gingen wir ins Bett und Bell und ich ließen uns um zwei Uhr wecken, da wir meinten: Jetzt ist’s die beste Zeit, um zu fischen! Also holten wir die Angel raus und hingen sie über Bord. Sofort biss ein Fisch an! Es war ein seeehr großer Fisch, wie man am Zug an der Angelschnur merkte. Also brachten wir all unsere in zahlreichen Stunden in der Muckibude erworbene Kraft auf, um den Wal an Bord zu ziehen. Aus Versehen zerstörten wir damit leider Heepkes Tomatenzucht auf dem Vordeck, wofür sie uns immer noch böse ist und uns keine der Verbliebenen aushändigen möchte. Jetzt haben wir leider nur noch den Getreidegarten, der zwar viel Ertrag bringt, aber unsere Mühle, die nur Niels bedienen kann, läuft ja nur, wenn er keine Wache, Backschaft oder keinen Unterricht hat, womit es uns also wieder an Brot mangelt. Aaaaber: wir haben ja noch Reis! Und zwar in Mengen! Wussten sie, dass Reis am besten auf einer Segeltuchplane gefüllt mit karibischem Sand und Meerwasser gedeiht? Und zwar viel Meerwasser. Deswegen hängt die Plane auch im Wasser auf Backbordseite, wo man sie nur bei sehr starkem Seegang erkennen kann.

Jedenfalls als wir dann wieder um sieben Uhr aufstanden, um zu frühstücken, hingen plötzlich überall Zettel mit Rätseln. Wer diese Rätsel lösen konnte, der bekam als Belohnung… Na, was wohl? Ein Stück wundergutes Walfleisch! Heepke bekam für ihre zerstörten Tomaten gleich ein Stück umsonst und so erhielten wir ihre Gunst zurück. Zum Mittag gab es dann Hühnerfrikassee, was übrigens auch der eigenen Bordzucht entsprang und am Ende servierte Markus allen eine Tasse Kakao mit feinster, von ihm frisch gemolkener Milch. Da fragt man sich doch, wozu wir dann eigentlich noch dieses unschmackhafte Milchpulver mithaben? Die Antwort darauf ist sehr einfach: Die Kuh muss geschont werden! Immerhin kann sie ja auch bei dem starken Wellengang seekrank werden und da kann man ihr ja dann nicht alle Energie abverlangen ;). Heute jedoch ging es der Kuh gut also bekamen wir auch unsere frische Milch.

Nach dieser Stärkung dachte sich Claudia: “Och, jetzt wär doch ein guter Zeitpunkt, um die Geschichtsarbeit zu schreiben”, kündigte dies an und eine halbe Stunde später saßen alle in der Messe und versuchten herauszufinden, was denn eigentlich im Kalten Krieg passiert ist. Denn die Aufgabe lautete: “Schreibe mithilfe der Textquelle einen ausführlichen Text über den Kalten Krieg und die wichtigen dazugehörigen Daten. Danach finde einen Partner und malt gegenseitig eure Namen.“ Eine sehr schwierige Aufgabe und so hatten wir 90min dafür Zeit. Am Ende teilte Claudia uns mit, dass wir alle eine sehr gute Arbeit geleistet haben und sie erfreut über unser Engagement bei der Zeichnung der Namen ist. Also waren wir alle weiterhin fröhlich und munter. Nachdem der Unterricht dann endlich beendet war, legten wir uns schlafen und warteten auf den nächsten Tag, während das Schiff leicht wie eine Feder durch die See schnitt, ohne großen Wellengang.

Und? “April,April”, wer hätte es sich nicht gedacht…? Teile dieser Geschichte sind sogar wahr, nur leider haben wir dann doch keinen Wal gefangen, die Geschichtsarbeitsaufgabe war etwas komplizierter und Claudia ist eine sehr gute Lehrerin, auch wenn ich sie vielleicht in diesem Tagesbericht anders dargestellt habe und in der Nacht flogen uns die Bücher usw. nur so um die Ohren, da der Seegang doch etwas stärker geworden ist. Hier noch eine kleine Anmerkung zu den Rätsel von Fine und Bell: Das Lösungswort war KETTENKASTEN. Aber dort war der Schatz nicht versteckt, sondern im Tiefkühlschrank in der Kombüse. Schokoeis für alle!!! Da mein Tagesbericht hier zu Ende ist, möchte ich noch schnell meine allerliebste Familie grüßen und meiner Patentante und ihrem Mann noch einmal für den Laptop danken, ohne den ich hier gar nicht so ohne den ich hier gar nicht so gut Tagesbericht schreiben könnte ;). Karo wünscht ihrer Oma die allerliebsten Glückwünsche zum Geburtstag und ihrer Familie ein schönes Wochenende in Berlin! Eure,
Lotti

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