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Die Warteschleife

Dienstag, 19. April 2011

Datum: 19. April 2011
Position: 35°23,2′N, 036°34,9′W
Etmal: 124 sm, das sind 229,64 km
Wetter: bedeckt, kein Regen, Wind 5-6 Bft.
geschrieben von: Adrian Hiss

Wer die Positionen der Tagesberichte auf eine Karte eingetragen hat, wird bemerkt haben, dass die Johann Smidt sich, mit vielen Schnörkeln und Kreisen, den Azoren nähert. Da der Xmarsat seit dem  14. April ausgefallen ist, will ich euch unsere Fahrtroute bildhaft nahebringen. Wir bemerkten am 14.April, dass ein Tiefdruckgebiet sich vor uns aufbaute. Nun wägten unsere Steuerleute und unser Schülerkapitän ab, ob wir durch das Tiefdruckgebiet hindurch fahren sollten, oder ob wir nach Nordwesten fahren und dort eine Art Warteschleife drehen sollten. Wir entschieden uns für letzteres, da wir im ersten Fall einerseits ziemlich durchgeschüttelt worden wären, andererseits weil wir kaum die Azoren erreicht hätten, da der Wind uns direkt von vorne mit 45 Knoten in die Segel geblasen hätte. Wir wären also Richtung Kanaren abgetrieben worden. Unser Kurs betrug zu der Zeit um die 90 Grad, mit der Zeit sind wir immer mehr Richtung Süden abgefallen. Am 14. April fuhren wir die entscheidende Wende, mit neuem Kurs 270 Grad. Auf unserer Karte, auf der wir stündlich die Position eintragen, formte sich ein eckiger Kreis.

Wir fuhren ungefähr einen Tag diesen Kurs. Nach einer Kursänderung Richtung Norden am 15.4. und einer Wende am 16. April segelten wir auch schon wieder gen Osten. Nun nutzten wir die Ausläufer des Tiefdruckgebietes, um mit 7-8 Windstärken nach Ost bis Südost zu segeln. Heute Morgen um 4 Uhr gingen wir das letzte Mal durch den Wind mit dem Ziel, 340 Grad zu steuern und damit weiter auf Horta unseren nächsten ersehnten Stopp zu. Unsere Warteschleife betrug 614 Seemeilen. Ich grüße hiermit meine Familie und Freunde. Viele Grüße,
Adrian 

Bahamas Adé

Donnerstag, 24. März 2011

Datum: 24. März 2011
Position: Freeport/Bahamas
Etmal: -
Wetter: sonnig, wolkenlos
geschrieben von: Adrian Hiss

Nun sind wir nach zehn Tagen Aufenthalt auf den Bahamas endlich ausgelaufen, Richtung Azoren. Was aber war eigentlich der Grund für den kurzen Aufenthalt auf den Bahamas? Am 13. März verabschiedete sich unsere Satellitenanlage von uns. Abergläubisch? Jedenfalls entschied unser Kapitän sofort, dass wir Ersatz brauchen, also neuer Kurs Freeport/Bahamas. Die Johann Smidt kann über drei Wege Wetterberichte bekommen, der erste Weg ist ein Faxgerät. Es kann Karten ausspucken, auf denen die Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) und Windrichtungen verzeichnet sind. Es kann auch Wetteraussichten ausstellen. Ein kleiner Nachteil, alle Daten sind sehr grob eingezeichnet. Das zweite Gerät, das uns Wetterdaten übermitteln kann, ist das Inmarsat-C. Es druckt auf Papier Wetterdaten aus, nun kann man diese Daten in eine Karte einzeichnen. Wie ihr euch vorstellen könnt, ist das sehr aufwendig. Gleichzeitig dient die Anlage dazu, Notrufe abzusetzen/empfangen oder Wetterwarnungen zu bekommen, wie zum Beispiel eine Tsunamiwarnung. Der dritte im Bunde ist die Satellitenanlage. Mit ihr kann man weltweit telefonieren, E-mails versenden, unter anderem unsere Tagesberichte, und Wetterberichte bekommen. Diese Wetterberichte sind sehr genau und beinhalten viele nützliche Informationen. Auch die Wetteraussichten, die einen bis zu fünf Tage in die Zukunft schauen lassen, haben sich als sehr genau erwiesen. Unsere Wetterdaten, die wir an Bord messen, fließen auch in diesen Bericht mit ein.

Die zuletzt genannte Anlage ist ausgefallen. Da für die Stammcrew Sicherheit an höchster Stelle steht, hat sie sich für den Stopp auf den Bahamas entschieden. Hier hat ein Forschungsschiff, die Lone Ranger mit einem deutschen Maschinisten und einem Elektriker an Bord, seine Hilfe angeboten, sie versuchten den Fehler in der Anlage zu finden, jedoch erfolglos. Nachdem die neue Satellitenanlage bestellt wurde, traf sie am 23. März ein und wurde sofort montiert. Von da an konnten wir wieder über Satellit detaillierte Wetterberichte empfangen. Viele liebe Grüße an meine Familie und Freunde. Fräulein Wessels grüßt ihre Oma Annemarie und Claudia drückt die Daumen.
Euer Adrian