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Unser tägliches Brot…

Montag, 18. April 2011

Datum: 18. April 2011
Position: 39°51,01′N, 037°58,44′W
Etmal: 152 sm
Wetter: Wind NE 7-8, See 7-8m, bewölkt, manchmal Sonne
geschrieben von: Name: Antje Busch

…spielt hier an Bord eine ganz besondere Rolle. Zum einen natürlich, weil wir zweimal täglich davon satt werden wollen. Zur Zeit ist das gerade ein wichtiges Thema, weil unsere Vorräte, trotz unserer Überzeugung, wirklich reichlich Mehl eingekauft zu haben, ein wenig eingeteilt werden müssen. Wir sind einfach zu lange unterwegs, länger als in allen noch so großzügigen Vorausberechnungen angenommen, und es gibt nicht mehr ganz so viel Brot, wie mancher gerne hätte. Dabei ist, aus leicht nachvollziehbaren Gründen, für uns das Essen mehr als nur Nahrungsaufnahme.

Am beliebtesten ist das Brot wohl als Nutellabrot. Die Schokocreme ist zum Glück, dank der konsequenten Einteilung durch das Proviantteam und eines gut getarnten Verstecks während der vier Wochen Touris an Bord, immer noch vorrätig. Wenn ein Nutellatag ist, kann man schon mal im Brückenbuch lesen, dass Aline, Markus und Laura zwar nicht zum Frühstück geweckt werden, aber dafür je zwei Nutellabrote an die Koje gebracht bekommen wollen („dick beschmiert!“). Man kanns ja mal versuchen… Es liegt aber nicht nur am Nutella. Unser Brot ist einfach köstlich! Unsere B-Wache (= Backwache :))  beginnt um kurz nach vier mit dem Teig und wenn die Backschaft dann gegen 6.45 Uhr in die Kombüse kommt, findet sie dort duftendes frisches Brot, gerade aus dem Ofen geholt. Dabei ist das für die Wache manchmal eine wahre Folter, denn die Zeit von vier Uhr bis zu unserem Frühstück um acht ist lang. Wenn dann der köstliche Duft frischen Brotes über Deck und aus dem Brückenniedergang zieht, dann werden die Gedanken an das Frühstück immer drängender, bis die Wache dann endlich schmachtend als letzte vor der Back mit dem noch warmen, knusprigen, leckersten Brot sitzt und … reinhauen kann. Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum die Menge stetig erhöht werden musste.  ;-)

Hin und wieder zieht hier nachts sogar ein noch unwiderstehlicherer Duft durch die Gänge, nämlich dann, wenn Aline, Fine und Adi extra aufgestanden sind, um einen Hefezopf (nach dem Rezept von Arnos Mutter) zu backen. Das gibt dann ein Highlight-Frühstück! (Das Rezept wollen hier so ziemlich alle mit nach Hause nehmen, Frau Schroll!) Das Erstaunliche ist, dass das Brot jeden Tag anders schmeckt, obwohl es immer nach dem gleichen Rezept gebacken wird. Wenn Steph es gemacht hat, dann  hat es eine herrliche mehlbestäubte Kruste, war Jasper der Bäcker, dann schmeckt es und sieht aus, als wolle der Bäcker seine Meisterprüfung damit ablegen. Unter Addi bekommen die Laibe ein bisschen Dreh und sehen dann aus wie Knebelbrot und keiner hier backt wohl besseres Baguette als er! (Der Teig musste 8 Stunden gehen!) Ist Karo die Bäckerin, schmeckt es wieder anders als bei Josh oder Niels und inzwischen kann man manchmal am Brot erkennen, wer es gebacken hat. (Na ja, fast!)

Natürlich ist das alles Ergebnis eines Entwicklungsprozesses. Am Anfang backten wir Weißbrot und dunkles Brot aus verschiedenen Backmischungen nach Ottos Anleitung. Nun ist Otto schon frühe Geschichte, die Mischungen  natürlich inzwischen verbraucht, und das Weißbrot hing uns schnell zum Hals heraus. Zum Glück entdeckten wir schon in Colon im Supermarkt Vollkornmehl und nach einer längeren Versuchsreihe fanden wir das ideale Mischungsverhältnis. Zwischenzeitlich hielten wir einen von den Touris geerbten Sauerteig, aber leider nicht sehr lange, weil immer wieder einmal vergessen wurde, ein Stück des neuen Teiges zurückzulegen. Eine längere Geschichte ergeben würde auch der Bericht darüber, wie schwierig der Einkauf ausreichender Mengen von Trockenhefe auf Tenerife und Madeira war.

Und noch dies: „Wisst ihr eigentlich, wie ihr Brot backen müsst?“ fragt mich Addi, bevor die Schüler vor Utila für eine gute Woche das Schiff verlassen und nur die Stammcrew an Bord bleibt. Und fürsorglich, wie er ist, klebt er für mich einen Zettel mit dem Rezept an das Steuerrad auf der Brücke. Als alle wiederkommen, weiß ich es, aber so gut, wie das der Schüler war meins noch nicht! Wir alle sind erstaunt, wie einfach das Brotbacken eigentlich ist, und fast alle sagen, dass sie in Zukunft auch zu Hause das Brot selbst backen wollen. Also: Freut euch schon, all ihr Lieben  daheim, genau wie wir hier inzwischen von all den heimischen Köstlichkeiten träumen und uns bei jeder Gelegenheit gegenseitig davon vorschwärmen!
Herzliche Grüße, Antje!

P.S. Als ich eben zur Wache um 4 Uhr in den Gang kam, roch es doch tatsächlich nach frischem Hefezopf! Und noch fast 2 Stunden bis zum Frühstück…