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Eine Reise neigt sich dem Ende zu

Samstag, 16. April 2011

Datum: 16. April 2011
Position: 36°18′ N, 41°57′ W
Etmal: 83sm
Wetter: sonnig, kaum Wind, Luft: 15°C
geschrieben von: Jasper Mührel

Heute war wieder Großreinschiff und dabei wurde mir wieder klar, dass es nur noch drei Wochen bis nach Hause sind, also nur noch dreimal Großreinschiff. Genauso war es mit der Deutsch-Klausur, die wir heute vor dem Großreinschiff schrieben. Auf den Bahamas lagen so viele Klausuren vor uns und jetzt stehen wir vor der letzten Klausur der Reise. Als wir in Hamburg losfuhren war es für mich, wie durch eine Tür in eine andere Welt zu steigen. Eine Welt, in der etwas passiert und in der die Zeit schneller vergeht. Durch diese Tür werden wir bald wieder gehen. Auch wenn wir im Moment wieder westlichen Kurs fahren, bleibt bei den meisten von uns doch das Gefühl, dass es wieder nach Hause geht. Trotzdem, oder vielleicht eher, gerade deswegen freuen wir uns unheimlich auf die Azoren. Dazu kommt noch, dass wir wieder fast einen Monat brauchen, um über den Atlantik zu kommen. Doch im Moment genieße ich die Zeit auf dem Wasser, auch wenn das Essen immer einseitiger wird und ich mir immer mehr wünsche, auf den Azoren im „Peter’s Cafe Sport“ zu sitzen.

“Nirgendwo gibt es so viel Freiheit wie auf dem Meer, und so ist es gewiß kein Zufall, dass trotz Atomzeitalter und Raumfahrt immer mehr sportlich eingestellte Menschen aufs Wasser drängen. Mit einem kleinen Segelboot suchen sie dort nach Unabhängigkeit, die sie in der Enge ihrer Umgebung vermissen. Ist das die Erklärung für den Reiz des Fahrtensegelns?”, sagte Bobby Schenk. Für mich würde die Frage eher passen: Ist es das, was ich auf dieser Reise so genieße? Ich denke, ja, und deshalb sollten wir die letzten Tage auf See genießen, bevor es bald in Deutschland zurück in den reizüberflutenden Alltag geht, wobei ich mich natürlich trotzdem auf Familie und Freunde freue. Dies ist mein letzter Tagesbericht. Auch ein komisches Gefühl, so viele Wörter, so viele “Tagesberichte” hinter sich zu haben, mit manchmal mehr und manchmal weniger interessanten Geschichten. So viel zeigt uns, dass es bald zu Ende ist, dass man den Gedanke nicht verdrängen kann. Ob ich mich nun mehr freue oder nicht, kann ich nicht sagen, denn es sind verschiedene Dinge, aber dass ich diese Reise nicht vergessen werde, da bin ich mir sicher.

Viele Grüße von Peter an Ute. Viele Grüße und alles Gute zum 30. wünscht Jan Nico in Nordhorn. Das letztes Mal viele Grüße an alle, die das gerade lesen, vor allem an meine Familie und Freunde.
Jasper

Momente unter Wasser

Montag, 21. März 2011

Datum: 21. März 2011
Ort: Bradford Marina; Freeport; Bahamas
Etmal: -
Wetter: sonnig, leichte Brise, ca. 28°C
geschrieben von: Jasper Mührel

Wenn man in die Karibik fährt und tauchen will, dann stellt man sich vor, neben einem Rochen oder einer Meeresschildkröte zu schwimmen. Neben einem so wunderschönen Tier zu schwimmen, war auch mein Traum, gerade weil die Meeresschildkröte mein Referatsthema war. Heute hatten wir die letzte Chance auf dieser Reise, diese Vorstellung wahr werden zu lassen. Nach dem Frühstück wurden wir vom Bus des Unternehmens abgeholt, bei dem wir unsere Tour gebucht haben. Nach 20 Minuten Fahrt kamen wir am Deadmans Reef an. Wunderschönes, blaues Wasser lag vor uns und circa 100 Meter draußen lagen Felsen, wo auch das Riff lag. Doch als erstes gingen wir Volleyball auf dem Beach-Volleyballfeld spielen. Von Zeit zu Zeit wurde es langweiliger und nach einer guten halben Stunde konnten wir uns aussuchen, ob wir Kajak-Fahren oder für einen ganzen Tag Schnorchelausrüstung ausleihen wollten. Markus und ich entschieden uns für das Schnorcheln, denn wir wollten etwas von der Unterwasserwelt sehen.

Direkt bei unserem ersten Schnorcheltauchgang sprang uns nach zwei Minuten am Riff ein kleiner Stachelrochen ins Auge, der langsam über den Grund schwebte. Die zahlreichen Fische, wie die Papageienfische oder Kofferfische, kannten wir schon von Curacao oder Utila, doch so zahlreiche, große Rochen kannten wir noch nicht, denn nach weiteren zwei Minuten sahen wir einen riesigen Rochen im Sand eingegraben mit einer geschätzten Spannweite von 1,20 Meter. Wir tauchten weiter, zwischen großen Schwärmen von blauen Fischen. Unter uns acht Meter Wasser und Korallen mit wunderschön-farbigen Fischen. Dann, unter einer Anhöhe mit den Köpfen zur Wand, wieder zwei riesige Stachelrochen. Diese beiden waren noch größer als der vorige. Langsam wurde uns kalt und wir schnorchelten durch das, mit der Ebbe immer flacher werdende, Wasser, zwischen Seegras und kleinen Korallen hindurch, an den goldenen Sandstrand zurück. An Land angekommen, gab es Mittagessen: Hamburger und Fritten. Die anderen hatten Schildkröten gesehen und diesmal wollte ich mehr auf Meeresschildkröten achten, denn es war mir sehr wichtig, am letzten Strand der Karibik, eine zu sehen. Dann gingen Aaron, Jakob und ich wieder schnorcheln. Wieder tauchten wir um die Felsen herum, über Riffe und die zwei großen Rochen, die dort immer noch lagen. Doch dann schwebten unter mir auf einmal zwei Adlerrochen. Die mindestens zwei Meter langen Rochen glitten elegant unter mir entlang. Lange beobachteten wir sie, dann schnorchelten wir weiter. An der Spitze der Felsen angekommen, wurde es flacher und das Riff endete.

Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, eine Schildkröte zu sehen, als in acht Metern Entfernung zwei Grüne Meeresschildkröten genüsslich Seegras aßen. Es war ein sehr schöner Moment, diesen Tieren zu zuschauen. Endlich, nach Curacao und Utila sah ich nicht nur eine, sondern gleich zwei Meeresschildkröten. Zufrieden schnorchelten wir wieder zum Strand zurück.  Nach dem Aufwärmen in der Sonne und einer kleinen Pause hatten wir die letzte Chance, ins Wasser zu gehen, denn unser Bus kam um vier Uhr. Also machten sich Robert, Stephan, Jannis und ich uns wieder auf den Weg ins Wasser. Am Seegrasfeld sahen wir gleich vier Schildkröten, wie sie aßen und machten tolle Videos und Bilder. Weiter um den Felsen herum sahen wir auch wieder die Adlerrochen unter uns durch das Wasser gleiten. Diesen letzten „Schnorchelgang“ genoss ich besonders, denn es war der letzte für uns in der Karibik, und damit auch der letzte in einer so tollen Unterwasserwelt.

Mit dem Bus, Sonnenbrand und unvergesslichen Momenten fuhren wir zurück auf die Johnny. Auf dem Weg hatten wir die letzte Chance, für die Atlantiküberquerung einzukaufen und unsere Dollars wegzukriegen. Total müde fiel ich ins Bett. Zufrieden dachte ich zurück an die Schildkröten und Rochen. Eine Riesenfreude, doch noch eine Meeresschildkröte gesehen zu haben, mit denen ich mich wegen meines Referates so lange beschäftigt hatte. Wieder mal war es ein unvergesslicher Tag auf dieser Reise.
Euer Jasper