Integralmehl & Marzipan
Dienstag, 26. April 2011Datum: 26. April 2011
Position: Horta, Faial, Azoren
Etmal: quer durch Horta und wieder zurück
Wetter: erst frühlingshaft warm, dann immer kälter
geschrieben von: Josefine Gereke
Es war ein qualvolles Erwachen. Völlig übermüdet schälte ich mich heute Morgen aus der Koje. Ich hatte das Aufstehen soweit es ging heraus gezögert und das Frühstück einfach ignoriert, aber wenn Uli schon gereizt ist, weil keiner pünktlich zu den Decksarbeiten erscheint, dann sollte man besser aufstehen. Der Grund, warum ich so müde war, ist nicht etwa “Peter’s Café Sport”, sondern eine nächtliche Malaktion, um das Logo auf der Pier fertig zu stellen. Isa und ich hatten uns, mit Pinsel und Kopflampe bewaffnet, auf die Pier gesetzt und ein paar Überstunden eingelegt. Also stand ich am nächsten Morgen todmüde auf dem Vordeck und versuchte, Ulis skeptischem Blick auszuweichen. Zuerst mussten wir die Segel anschlagen. Nachdem Fenja und ich das Schonersegel an den Gaffelbaum gefädelt hatten, war noch lange nicht Pause angesagt. Die Proviantmeister waren vom Einkaufen wieder zurück und hatten einen Wagen voll Essen dabei, der aufs Ausladen wartete. Leider hatten sie kaum Integralmehl gefunden, deswegen beschlossen Adi, Steph und ich, noch einmal in die Stadt zu gehen, um in den Bäckereien nachzufragen. Gesagt, getan.
Mit einer Packung Integralmehl in der Hand (zur besseren Verständigung) machten wir uns auf den Weg. Da wir die Bäckerei nicht auf Anhieb fanden, fragte Adi sehr höflich (”Bakery?”) in einer Apotheke nach. Der Typ hielt uns wohl für bescheuert als Adi dann noch nach Rosenwasser für Marzipan fragte. Wir ließen den völlig verstörten Apotheker zurück und betraten die erste Bäckerei. Etwas abgelenkt durch Unmengen an Köstlichkeiten, erklärten wir der Frau an der Theke was wir brauchten. Sie rief den Besitzer an und kam kurze Zeit später zurück, um uns zu berichten, dass sie weder Mehl noch Marzipan weiterverkaufen dürfen. Sie verwies uns aber auf eine kleinere Bäckerei in der Nähe. Als Adi der Frau dort etwas dramatisiert erläuterte, dass wir dringend Mehl brauchen, organisierte sie sofort 50kg die wir um 17 Uhr abholen konnten. Wir waren ziemlich erstaunt als sie meinte, dass sie sogar Marzipan hat. So kamen wir dann zu 3kg Zucker-Modelliermasse. Anscheinend hat Marzipan auf Portugiesisch eine andere Bedeutung. Eine Portion Nudeln und eine halbe Stunde Rinnenschrubben später, hatte ich schon den nächsten Auftrag: Klarlack kaufen. Jan hatte mir den Weg zu einem Lack- und Farbenladen beschrieben. Wir fanden schließlich auch einen, der allerdings etwas ranzig aussah und nur bunten Lack in angerosteten Dosen verkaufte. Auf dem Rückweg bemerkten wir, dass wir am eigentlichen Laden vorbei gelaufen waren. Mit zwei Sprühdosen Klarlack ging es dann zurück zu unserem Kunstwerk auf der Pier, um es haltbarer zumachen. Dann war es auch schon fünf: Zeit zum Auslaufen. Als die Besatzung endlich vollständig und alles seefest verstaut war, hieß es mal wieder: “Leinen Los!”. Die Zeit auf den Azoren war viel zu schnell vergangen. Der letzte große Stop vor Zuhause war vorüber und der Bordalltag kehrte wieder ein. Wieder sind wir Hamburg ein Stück näher gekommen. Grüße an Berlin
Fine