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Pläne

Donnerstag, 05. Mai 2011

Datum: 5. Mai 2011
Position: 48°28,0`N, 005°18,0`W
Etmal: 139 sm, teils gesegelt, teils motort
Wetter: relativ bewölkt, ca. 15 °C
geschrieben von: Markus Bauch

Da ich nicht wirklich weiß, was ich euch in meinem letzten Tagesbericht schreiben kann und was euch interessiert, dachte ich mir, ich könnte euch unsere Pläne nach heutigem Stand und die Stimmung ein bisschen beschreiben. Morgen sollen wir gegen Nachmittag auf der Kanalinsel Guernsey ankommen. Ursprünglich hatten wir vor, dort zu nächtigen und am Samstag weiter zu segeln. Doch heute kam der Gedanke auf, schon am gleichen Tag, also morgen, wieder auszulaufen, da Norbert unser Kapitän so früh weiter möchte wie möglich, damit wir genug Zeit für die Endetappe unserer Reise haben. Ich würde mir wünschen, bis Samstag auf der Insel zu bleiben, denn auch wenn eigentlich kein Landgang angesagt war, hoffe ich, wie die meisten anderen auch, auf ein paar Stündchen, um sich ein wenig umzusehen. Doch daraus wird leider voraussichtlich nichts.

Wann wir auch immer ablegen werden, es steht fest, dass wir Kurs auf Glücksstadt nehmen werden, denn dort wartet die SBF-See Prüfung (Sportbootführerschein-See). Dies ist auch der Grund, wieso an Bord Schüler und Lehrer eifrig lernen. Alle außer Flo und ich, denn wir haben den Schein zum Glück schon ;D, somit können wir uns die Zeit mit schöneren Dingen vertreiben. Nun ja, und nachdem die Prüfung abgeschlossen sein wird, werden wir weiter nach Hamburg segeln. So kurz vor dem Ende fragt man sich bestimmt, wie die Stimmung an Bord ist, zumindest fragt sich das auf jeden Fall meine Mutter ;)!

Ich muss sagen, die letzten zwei Wochen hätte ich mir depressiver vorgestellt. Natürlich macht sich jeder Gedanken und weiß, dass es bald vorbei sein wird, doch wir vertreiben uns die Zeit mit sinnvollen AG´ s und versuchen, alles weiterhin so gut es geht, zu genießen. Doch zumindest von mir aus kann ich sagen, dass die Angst nach Hause zu kommen immer größer wird. Nicht weil es schlimm ist, sondern weil man nicht wirklich weiß, was einen erwartet. Wie haben sich die Freunde verändert und wie meine Familie? Was erwartet mich in der Schule? All solche Fragen schwirren in meinem Kopf herum. Und auch weiß ich, dass wohl das schönste halbe Jahr meines Lebens vorbei sein wird und nach HSHS der “Ernst des Lebens” erst recht los geht und ich glaube, diese Gedanken und Gefühle gehen hier in fast jedem vor.

Es wird natürlich auch viel darüber geredet, wie die Ankunft sein wird, und was danach aus den Freundschaften wird etc… Jeder hier macht sich ein eigenes Bild von der Ankunft, doch auch jeder weiß, dass die Gefühle Achterbahn fahren werden. Einerseits riesige Freude auf die Familie und das Leben Zuhause, andererseits ein dicker Trauerkloß im Hals, weil man einfach sein HSHS- Zuhause und seine HSHS- Familie verlassen muss und wird. So, ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Eindruck davon geben, wie die Stimmung an Bord “meiner Meinung nach” so ist. Liebe Grüße an Zuhause, bis bald!
Markus

Maschinisten unter sich

Samstag, 09. April 2011

Datum: 9. April 2011
Position: 32°10,2′N, 048°56,6′W
Wetter: 20°C, relativ sonnig
Etmal: 141sm
geschrieben von: Markus Bauch

So, heute mal ein Thema, über welches man sonst nicht so viel zu lesen kriegt. Da Steph und ich Maschinistenhelfer und Schülermaschinisten sind, müssen wir natürlich Olaf (Maschinist) häufig unter die Arme greifen und da der Steuerborddieselgenerator einige Probleme gemacht hat, war Olaf sehr froh über vier weitere Hände, die zusammen mit ihm schrauben und sich die Klamotten versauen. Zuerst haben wir zusammen die kaputte Einspritzpumpe abgeschraubt und die neue sofort eingebaut. Dies ist doch relativ viel Arbeit, deshalb verbrachten wir damit ca. zwei Stunden, doch als es endlich geschafft war, drückten wir erwartungsvoll auf den Anschaltknopf, doch der Generator gab keinen Laut von sich! Jetzt war also auch noch der Anlasser kaputt. Somit wurde dieser auch ausgetauscht, dies hat jedoch Olaf selbstständig erledigt. Anschließend lief der Generator wieder, doch nach ca. fünf Minuten war der er auf 115 °C heiß gelaufen und das kann ja auch nicht die Lösung sein. Also las sich Olaf weiter und weiter durch das Handbuch, bis er auf die Idee kam, man könne ja die Zahnräder so verstellen, dass der Kühlzeitpunkt früher eintritt und der Generator deshalb nicht frühzeitig heiß läuft. Gesagt, getan.

Wieder standen, lagen, knieten wir drei einige Zeit in der Maschine, schraubten, fluchten und sauten uns ein. Nachdem wir fertig waren und alles wieder zusammengeschraubt war, starteten wir den Generator erneut und er lief. Anfangs sah es so aus als würde er nicht wieder zu heiß laufen, doch nach ca. einer Viertelstunde war wieder alles beim Alten, wir hatten also nur mehr Zeit verschafft. Leicht deprimiert überlegten wir weiter, kamen auf weitere Ideen, welche alle nichts nützten. Doch nach einiger Zeit schmiss Olaf den Generator abermals an und siehe da, ein Wunder ist geschehen, er lief einwandfrei! Das war nun ein kleiner Ausblick, was es sonst so von Bord zu erzählen gibt und ich hoffe, er hat euch ein bisschen gefallen. Also, man kann schon fast sagen bis bald, Grüße an Bayern und besonders an meine Familie.
Euer Markus

PS.: Barbara grüßt Jan und seine Familie, sie denkt an Euch!