Beitrags-Archiv für die Kategory 'Hamburg - Teneriffa'

Arbeitstag

Montag, 14. November 2011 23:28

Datum: 14. November 2011
Etmal: 145 Seemeilen
Position: 30° 57,4′ N, 013° 45,3′ W
Wetter: bewölkt, sonnig, Luft 22°C, Wasser 21°C, 1014,2 hPa
geschrieben von Lena Popsisil

Hey ihr alle! “Lena! Du bist zu spät! Du hast Wache! Aufstehen!” Das waren die ersten Worte meines Tages. Um 2 Uhr zog ich mich in einer halben Minute an und stürmte an Deck, wo ich mir erst Mal eine Standpauke über Pünktlichkeit anhören durfte. Letztendlich bekam ich eine kleine Aufgabe für den Vormittag: den Niedergang zur Brücke mit der Eisenbürste schrubben. Dort sind am Ende der Stufen geriffelte Eisen angebracht, damit man nicht ausrutscht. Diese Riffel müssen gereinigt werden. Keine schöne Aufgabe, doch was sein muss, muss sein. So schlief ich noch etwa 4 Stunden und stand dann auf. Nach Erfüllung der Strafarbeit war es dann auch direkt Zeit zum Essen. Auch heute hat uns die Backschaft mit wirklich leckeren Nudeln mit Käse-Sahne-Soße gezeigt, dass Kochen auch ohne Koch klappt.

Die bevorstehenden vier Stunden hatte ich dann Wache. In dieser Zeit schafften wir eine Menge. Neben Reinschiff, wobei man das Deck mit Wasser und Feudel reinigt, legten wir den Schonerbaum in das Lager. Das kann man sich folgendermaßen vorstellen: Da wir am Abend den Hafen von Santa Cruz erreichen würden, brauchten wir keine Segel mehr zu setzen. Damit dann der Baum nicht im Wind hin- und herschlägt gibt es für ihn eine Befestigung. Diese wird an Deck festgeschraubt und hat oben eine Halbrunde, in die der Baum gelegt wird. Um ihn dort erstmal reinzubekommen, muss er hochgezogen werden. Das Runterlassen klappte allerdings erst beim dritten Versuch, da dauernd irgendeine Leine im Weg war. Danach musste der Halbwinder, der einen Tag zuvor komplett heruntergenommen wurde, in den Segelsack gepackt werden. Da er kaputt war, würde er am Hafen repariert werden. So konnten wir ihn einfach in den Sack stopfen und dann auf die anderen Segelsäcke legen.

Nach diesen Schiffsarbeiten führten wir unsere Wache wie gewohnt fort: Einer am Ruder, jeweils einer Ausguck auf Steuer- und Bachbordseite und zwei Personen in der Brücke. Gegen 21:30 Uhr waren dann die ersten Lichter von Santa Cruz zu sehen. Alle rannten voller Freude an Deck. Tausende Fotos für Eltern, Verwandte und einfach als Erinnerung wurden geschossen. Nach dem Anlegen stürmten alle von Deck und rannten die Straße am Anlegeplatz entlang. Einfach zu rennen, bis man nicht mehr konnte, das war ein tolles Gefühl.  Jetzt haben wir also schon den ersten Abschnitt unserer Reise erreicht. Die Zeit ist so wahnsinnig schnell vergangen und wir sind schon so unglaublich zusammengewachsen. Kann mal jemand körperlich nicht mehr oder ist mit den Nerven am Ende, so kommen gleich ein paar Andere und muntern denjenigen auf. Mit Sprüchen wie „Du packst das schon!“ sind Heimwehphasen und Ähnliches schon viel einfacher zu überwinden. Küsse an Mama, Papa, Jan, Julia und Sabi. Ich denke an euch. Viele liebe Grüße auch an alle anderen Landratten,
eure Lena P.

Thema: Hamburg - Teneriffa | Comments Off | Autor: admin

Technik, die begeistert

Sonntag, 13. November 2011 23:25

Datum: 13. November 2011
Position: 30° 57,35′N; 13° 45,3′W
Wetter: Wasser 21°C, Luft 22°C, Wind SW 3 Bft. tw. bewölkt
Etmal: 150 sm
geschrieben von: Caren Zeiger

Einen schönen guten Morgen! Wie ihr euch mittlerweile vorstellen könnt, begann mein Tag mit Wache. Da ich gestern Backschaft hatte, durfte ich bis Mitternacht schlafen und ab dann musste ich parat stehen. Die Nacht war relativ warm und wir hatten nicht viel zu tun. Nach der Wachablösung sank ich wieder wohlig in meine Koje… Erstmal bis halb acht schlafen dürfen. Doch wieder einmal hatte ich die komische Vorstellung, dass ich auf Ausguck sitze. Nach mehreren Minuten, die ich auf den vermeintlichen Horizont gestarrt hatte, bemerkte ich plötzlich, dass mein Platz total weich war und meine Umgebung die vier Wände meiner Kammer waren. Nach einem Moment der Erleuchtung legte ich mich wieder hin und schlief weiter…

Als Anna und Alina geweckt wurden, da sie Backschaft hatten, wurden Lola und ich auch wach. Nachdem die beiden das Zimmer verlassen hatten, kehrte Leben in das Schiff ein. Aus der Kombüse drang Lärm, der Feuerlöscher an der Wand draußen quietschte erbärmlich und Licht wurde auf dem Gang angeschaltet. Da Lola noch total verpeilt in ihrer Koje lag und einfach nur schlafen wollte, störten sie all diese Kleinigkeiten. Ich war mittlerweile nicht mehr müde, sodass ich versuchte die Störfaktoren zu reduzieren, was nicht immer besonders gut klappte. So saß ich schon in der Messe, als der Weckdienst der B-Wache mir Bescheid sagte, dass ich gleich Wache habe. Während dieser frühen Wache hatten wir auch ordentlich was zu tun. Nachdem ich eine Stunde auf der Brücke stand und die Wassergräben gesäubert hatte, kam Ralf. Er trug uns auf, alle Rettungswesten für die Wachgänger zu checken. Damit ihr wisst, von was ich rede, erkläre ich das Prinzip dieser Westen. Sobald die Westen Wasser abkriegen (Regen reicht dazu meist nicht aus, da die äußere Hülle dies verhindert), löst sich eine Tablette auf und gibt dabei Gas frei. Durch die Ausdehnung dieses Gases wird ein Hebel nach oben gedrückt, der einen Dorn in eine mit Kohlenstoffdioxid gefüllte Patrone rammt. Dadurch wird dann die Weste aufgeblasen.

Unsere Aufgabe war es, die Gaspatronen zu überprüfen, das Datum des Prüfsiegels abzuschreiben und die Salzwassertabletten herausnehmen und auszutauschen. Also nahmen wir achtzehn Westen auseinander, prüften sie und hielten alles in einer Tabelle fest. So schlugen wir auch die Zeit auf dieser Wache tot. Zum Glück gab es zum Mittagessen Züricher Geschnetzeltes, natürlich von Alina… Es schmeckte wirklich super lecker. Nachdem wir alle ordentlich volle Bäuche hatten, kündigte Esther an, dass wir heute Nachmittag die Last ausräumen, damit wir die Sachen für den Teide packen und schon einige Wintersachen in die Last packen können. Angekündigt war 13.30 Uhr, allerdings beschlossen wir schon früher zu beginnen, damit wir es hinter uns hatten. Leider wussten wir nicht, dass davor noch die Segel gesetzt wurden, sodass alle Säcke wieder zurückgelegt werden mussten. Damit alles möglichst schnell von der Hand ging, half ich freiwillig beim Segelsetzen.

Danach wurde die Last weiter ausgeräumt und ich begann mit der aufgetragenen Mission. Zuerst suchte ich alle Sommersachen aus meinem Trekkingrucksack und legte diese in meinen Zugriff, da es mittlerweile schon recht warm ist. Dann stopfte ich alles für die nächste Etappe Notwendige in irgendwelche Schubladen. So ging das Sortieren immer weiter. Nach einer Stunde war ich zufrieden und legte meinen Seesack zurück in die Last. Dann gab es auch schon Abendessen für die aufziehende Wache, also uns! Die Wache verlief ohne Zwischenfälle, bis kurz vor der Ablösung, als die Klüverschot im Wasser mitgezogen wurde. Ich holte den Bootshaken und fischte damit nach der Schot. Nun band Werner die beiden Enden wieder zusammen und ich holte sie durch. Danach sank ich direkt in meine Koje und schlief ein.

Nun noch einige Grüße an meine Eltern, besonders an meine Mutter. Deine Marmelade schmeckt uns allen vorzüglich und ein Glas wird meist innerhalb von Minuten verbraucht. Ansonsten grüße ich meine Großeltern, meinen Bruder und meine Freunde. Alles Gute vom Atlantik!
Eure Caren

Thema: Hamburg - Teneriffa | Comments Off | Autor: admin