Beitrags-Archiv für die Kategory 'Nordatlantik'

Was ich vermissen werde…

Dienstag, 1. Mai 2012 10:40

Datum: 1. Mai 2012
Position: k. A.
Etmal: -
Wetter: -
geschrieben von: Andre Gilles

Ullis´schneidender Ruf übers Deck nach „Jooooooe“
die Wolken über dem Meer, die nie langweilig werden
Alinas´ hemmungslose Keksbackpartys in der Kombüse
das gute Gefühl, nicht den Wochentag zu kennen – und dass das völlig egal ist
die spannenden Schachpartien mit Franzi P
die Ruf aus fünfundzwanzig hungrigen Kehlen nach der „Baaackschaft“
die Prügeleien mit Philipp
die rutschenden Tassen, überschwappenden Suppenteller, herumfliegenden Thermoskannen und ähnliche Katastrophen beim Essen auf hoher See
die emotionalen Raketenstarts von Franzi J
die Hochs und Tiefs nicht nur bei der Wetterkunde
Connis´ „Chill mal die Basis“
die Vollwaschgang-Optik am Bullauge über meiner Koje
die tiefschürfenden Diskussionen mit Robert um seine neuesten Erfindungen
das bewegende Gefühl, im Schlaf über Bord zu gehen, weil man die Sicherungsbrett neben der Matratze nicht hochgestellt hat
von Esther über den Skat-Tisch gezogen zu werden
als Billardkugel bei Windstärke 10 unter der Dusche herumzutitschen
die coolen Sprüche von Claudio
bei stürmischer See am Ruder zu stehen
der Anblick von Lena K in Shorts und Gummistiefeln
den Wind im Gesicht beim Segeln
das quitschende Lachen von Lea, wenn sie mich beim Würfeln
die tanzenden Delphine vor unserem Bug
die speziellen Vogelkenntnisse von Anna (nur für Eingeweihte!)
die erfrischenden Salzwasserduschen beim Arbeiten am Klüver
Corinnas´s Aerobicstunden auf dem Vordeck
die aufgeregte Freude der Mannschaft bei dem Ruf „Land in Sicht“
Melvins´ zweitausend Bücher auf seinem kaputten E-Book
die lebensgefährlichen Rutschpartien in der Kombüse bei 50° Schräglage
die unwiderstehlichen Wortwasserfälle von Henrike
die malerischen Sonnenauf- und -untergänge über dem Meer
die Einführungsseminare in Sachen Bier durch zehn verschiedene Länder unter sachkundiger Führung von Ralf
Kuba, Costa Rica, Panama, Honduras, Bermuda, Martinique, Bahamas… und all die anderen faszinierenden Orte auf der Welt mit ihren freundlichen Menschen
die  Stunden (ca. 20/Tag), in denen Fritz schläft
die nächtliche Geräuschkulisse im Regenwald
die beruhigenden Nachhilfestunden bei Lena H, damit ich bei SBF nicht durchfalle
das tief türkisfarbene Meer in der Karibik
Davids´ unnachahmbares „Du hast´s verkackt!“
die leuchtend bunten Farben, bizarren Formen der Fische und Korallen beim Tauchen
Kilians´ hungrige Augen auf der Suche nach Süßigkeiten
den unvergesslichen Sternenhimmel über dem Meer
Felicias´ unschuldiges Lächeln (übersetzt: „Achtung, da kommt was hinterher!)
die wilden, lautstarken Kartenspiele mit Schoko-Reese´s in der Tischmitte
Carens´ hinterhältig-seitenverdrehte Schulterklopf-Täuschungsversuche
die erholsame „stille Minute“ vor dem Essen (auch wenn sie selten eine ganze Minute und nie ganz still war)
Paulines´ Kommando „Jäääätzt!“, wenn die Jungs ihrer Wache endlich in die Gänge kommen sollten
die vielen Schülerversammlungen, bei denen ich zum Glück frei hatte
Lolas´ rettende Haarschneidekünste fernab der Zivilisation
die Angst vor dem cleversten „Mörder“ unter uns
Lena Ps´ Sommersprossen, eine für jede kleine Frechheit
die immerwährende Ruhe des Meeresrauschens
Pauls´ unbändige Freude, wenn endlich kräftiger Segelwind aufkommt
den endlosen Horizont ringsum
die „Johnny“

Aber trotz allem freue ich mich unglaublich auf meine liebste Frau und meine zwei süßesten Töchter, die nach mehr als einem halben Jahr am Hafen auf mich warten als wären es fünf gewesen
Andre Gilles

Thema: Allgemein, Nordatlantik | Comments Off | Autor: admin

Ein ganz normaler Tag in meinem zweiten Zuhause

Sonntag, 29. April 2012 15:20

Datum: 29. April 2012
Position:
51°29,9′N, 002°14,7′E
Etmal:
88 M
Wetter:
kaltes und hässliches Nordseewetter
geschrieben von: Franziska Potrykus

Gute/n Nargen! Meine Begrüßung ist eine Zusammensetzung aus Nacht und Morgen. Mein Tag begann heute nämlich mal wieder um zwanzig vor vier. Seit den Azoren bin ich in der 4-8-Wache bei Ulli und muss mich jede/n Nargen aufs Neue aus meiner schönen warmen Koje quälen und mein Ölzeug, die Skiunterwäsche, Fleece-Pullover bzw. Sweatshirt-Jacken, zwei paar Socken und noch eine zusätzliche Hose anziehen und mit meiner Mütze, meinem Schal und meinen Handschuhen an Deck wandern. Nach einer Stunde Steuern, einer Stunde Ausguck und einer Stunde Seegarten hatte ich abschließend eine Stunde Brückendienst. Und dann war die Wache auch schon wieder vorbei. Nach dem Frühstück musste ich erst mal ein bisschen Schlaf nachholen und wurde erst zum Mittagessen wieder geweckt. Da der Seegang erneut ziemlich stark war, gab es nur ein paar Würstchen und Pellkartoffeln.

Da ich ohnehin wach war, nutzte ich die Zeit, um noch ein bisschen für den Sportbootführerschein zu lernen. Die blöden Fragen sind nämlich echt nicht zu unterschätzen! Kurz vor dem Kaffeetrinken rief die 0-4-Wache, dass die Schot vom Toppsegel gebrochen ist. Um halb vier gab es dann für jeden ein bisschen Obstsalat, und danach hatte ich auch schon wieder Wache. Da der Wind aus der falschen Richtung kam, nahmen wir in meiner Wache den Schoner runter und kümmerten uns um die gebrochene Toppschot. An ihr war aber nichts mehr zu retten… Dann ging die Sonne auch schon unter und das Abendessen stand an. Ich wechselte mich mit David am Steuer ab, sodass wir beide zu Abend essen gehen konnten. Um acht Uhr war die Wachübergabe an die C-Wache, und danach spielten die einen noch ein paar Spiele, und für die anderen wurde ein Film per Beamer an die Tafel geworfen. Um halb zehn war der Tag für mich dann auch schon vorbei, und ich träumte davon, endlich mal wieder eine Nacht durchschlafen zu können. Die Tagesbericht-Überschrift kommt daher, dass ich die Johnny schon seit längerer Zeit mein zweites Zuhause nennen kann und der Tag heute halt ein ganz normaler Tag war. Am 05.05. komme ich also nach Hause und verlasse gleichzeitig auch ein Zuhause. Heute grüße ich ganz herzlich ein letztes Mal meine Familie und meine Freunde sowie Kimi und Lola! Wir freuen uns schon alle unglaublich auf euch! Bis in 6 Tagen!

Franzi

Thema: Nordatlantik | Comments Off | Autor: admin