Wer kann schon sagen…?

Datum: 31. März 2012
Position: 32°53,7’N ; 063°19,8’W
Etmal: 88 sm
Wetter: bewölkt, Wind 4 Bft., Luft 21°C, Wasser 20°C
geschrieben von: Anna Weber

In letzter Zeit haben wir alle mal über die Reise nachgedacht - warum wir überhaupt auf die Reise gegangen sind, was wir uns von der Reise erhofften und wie wir uns entwickelt haben. Einige von uns sind auf die Reise gegangen, um die Welt zu sehen; einige, um einfach segeln zu können; aber wir alle sind auf die Reise gegangen, um etwas Einzigartiges zu erleben. Und das ist auch definitiv wahr geworden. Denn wer kann sagen, dass er in unserem Alter zwei mal mit einem 36 Meter langen Segelschiff den Atlantik überquert hat, wochenlang nichts als Wasser um sich? Wer kann sagen, dass er um 4 Uhr morgens auf den Teide gestiegen ist, um den Sonnenaufgang beobachten zu können? Wer kann sagen, dass er in der Karibik durch ein Gebiet mit ganz vielen kleinen, unbewohnten Inseln mit nichts als Gebüsch darauf gesegelt ist? Wer kann sagen, dass er 2 Wochen in einem Flüchtlingsdorf in Costa Rica gelebt hat? Wer kann sagen, dass er bei Indianern gelebt, mit ihnen Feste gefeiert, ihre Geschichten gehört, mit ihnen eine Flusswanderung gemacht und ihre Medizinpflanzen ausprobiert hat? Wie viele Leute können sagen, dass sie in einer Forschungsstation im Regenwald gewohnt und lange, anstrengende Exkursionen durch den Regenwald gemacht haben? Wie viele können sagen, dass sie im Regenwald in einer Hängematte geschlafen haben, während über ihnen Affen herum kletterten und unter ihnen die Schlangen entlang krochen? Wer kann sagen, dass er quer durchs Land reisen musste, um Straßenaufständen von Indigenen zu entgehen? Wer kann sagen, dass er zwei Wochen lang am zweitgrößten Barriere-Riff der Welt getaucht ist? Wer kann sagen, dass er mal einen Leguan vermessen hat? Wer kann sagen, dass er unter Segeln in die Altstadt von Havanna eingelaufen ist?

Die Antwort ist: Wir! 26 Schüler mit 4 Lehrern und einem Projektleiter. Und wer hat schon mal eine Familie aus besten Freunden gehabt, die 7 Monate lang die schlimmsten und besten Erlebnisse zusammen hatten? Was haben wir daraus gelernt? Wie haben wir uns dabei entwickelt? Durch die Atlantiküberquerung und Costa Rica sind wir sparsamer geworden, was z.B. Wasser angeht, oder Essen. Wir können auf viel verzichten, auf Dinge wie Essen, Süßigkeiten, warme Duschen und große Betten. Wir sind eigenständiger geworden, wir brauchen nicht mehr für alles Hilfe, wir schaffen vieles allein, ohne große Unterstützung. Wir haben gelernt, uns auch mal selbst zu helfen. Außerdem packen wir mit an, wo es nötig ist, und sind immer für die anderen da. Und was man beobachten kann, ist, dass wir definitiv nicht mehr so faul sind wie am Anfang. Da kam man noch beim Großreinschiff und bei der Backschaft in Versuchung zu pfuschen. Aber jetzt sind 2 Stunden Großreinschiff keine große Sache mehr. Mittlerweile sind wir also arbeitsamer geworden, und das sehen nicht nur wir Schüler so. Durch die Situationen, in denen wir alle mal an unsere Grenze stießen, sind wir krisenfester geworden. Wir halten mehr durch, und nicht nur im Bordalltag, sondern auch in der Weise, wie wir uns untereinander verstehen. Jetzt gehe ich noch schnell zu meiner letzten Wache für heute, und wir sind alle gespannt, was morgen so passiert, denn dann ist 1. April und Conni darf wecken. Tschüss und Adios
Anna

P.S.: Ich grüße ganz besonders meine Eltern, Stephi, Thea, alle anderen Lietzer und alle, die diesen Tagesbericht lesen.

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Autor: admin
Datum: Samstag, 31. März 2012 11:59
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