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Neu an Deck

Donnerstag, 5. April 2012 16:43

Datum: 5. April 2012, Seemannssonntag - wenn auch ohne Nutella
Position: 32° 46,8′ N, 053° 26,1′ W
Etmal: 78 M
Wetter: warm, 4/8-Bewölkung, Wind SW 4
geschrieben von: Corinna Link

Heute war ein gewöhnlicher Tag. Wobei auf die Bedeutung von “gewöhnlich” in dem sich hier auf der Johnny ergebenden Rahmen vielleicht näher eingegangen werden sollte: Gewöhnlich bedeutet - für mich seit acht Tagen - jeden Tag etwas Neues zu erleben, etwas Neues zu lernen und “neue” Schüler, Lehrer, und Crewmitglieder (besser) kennenzulernen. Heute z.B. habe ich zum ersten Mal geholfen, den Klüver zu wechseln, habe gelernt, dass die kleinen Seile zur Befestigung der Segel während der Manöver Zeiser (und nicht Zeisel) heißen und habe v.a. die Crewmitglieder als typische Seemänner mit obligatorischen Seemannsgeschichten, die in einem herrlich seemännischen Hamburger Dialekt erzählt werden, kennengelernt.

Aber seit wir in See gestochen sind, ist eigentlich jeden Tag irgendetwas Spannendes geschehen. Die Schüler sind zwar nur noch schwer von Traumstränden oder Riesenwellen zu beeindrucken, aber für mich ist das alles noch wunderbar neu und abenteuerlich. Alle sind aber sehr geduldig mit mir und erklärten mir z.B. während der Seekrankheit bereitwillig, was Lee und Luv ist (”Nach Lee geht’s in die See, nach Luv auf dich druf.”). Gestern abend haben wir dann verschiedenste Sternbilder entdeckt und ein Schiff, was wir am Horizont ausfindig machen konnten, wurde mir als Frachter verkauft - ganz eindeutig zu erkennen an der Beleuchtung. Klar. Seemannswissen erwerbe ich also erst nach und nach. Englisch aber lernen die Kids von mir. Ein ausgewogener Deal, denke ich. Gerade sitzt Franzi J. neben mir und meint, ich solle mich doch lieber einmal vorstellen.

Also: Ich bin weiblich, 23 Jahre alt, studiere bis Dezember diesen Jahres Englisch und Geschichte als angehende Gymnasiallehrerin in Würzburg und freue mich riesig über die Möglichkeit, hier auf dem Atlantik unterrichten zu können - auch, wenn der Seegang und gelegentlich durch die Gegend fliegende Hocker das ganze Prozedere etwas erschweren. Die Schüler dagegen arbeiten fleißig mit mir zusammen und gegen alle Stürme an. Es sei denn, es ist 1. April und die Tafel ist unauffindbar… Inzwischen sitzt auch Philipp neben mir und gibt ebenfalls gute Ratschläge, was denn noch alles in einen ordentlichen Tagesbericht gehöre. Ich bin also tatsächlich nie allein und ruhig ist es auch nie; aber belebt und fröhlich.
Corinna

P.S.: Von Franzi J.: Corinna stellt sich schon ganz gut an und die Seekrankheit hat sie tapfer überstanden! Es macht Spaß, endlich mal wieder Englisch zu quatschen im Unterricht (meine Mama weiß schon, was ich meine) und ganz soooo streng ist sie ja auch nicht mit uns (: - ich grüße noch meine Familie, vor allem Opa & Oma und meine Freunde! ;*

Thema: Nordatlantik | Comments Off | Autor: admin