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Das Drama um das Logo

Sonntag, 15. April 2012 10:18

Datum: 15. April 2012
Position: Horta, Ilha do Faial, Azoren
Etmal: -
Wetter: sonnig, am Abend kalt
geschrieben von: Felicia Kelbel

Hallo, ihr! Horta - die ganze Pier ist bunt bemalt; scheinbar jeder Segler, der einläuft, pinselt etwas auf den Beton. Jede HSHS, die kommt, malt ein Logo auf die Pier; jede HSHS setzt sich zusammen und denkt sich etwas aus, so auch wir. Pauline setzte sich also hin und entwarf ein Logo. Sie fragte alle nach ihren Wünschen, und nach zwei Tagen Arbeit war ein Entwurf entstanden, der allen gerecht wurde. Wir wollten ein Segel malen mit einem HSHS-Schriftzug, der von einem Tau umschlungen wird, in der Mitte des Segels ein Anker, und am unteren Ende sind in Wellen alle unsere Namen geschrieben. Vielleicht ist es jetzt nicht so klar zu verstehen, wie wir uns das gedacht hatten, aber dann kam eh alles anders. Pauline und Henrike fingen also an zu malen. Ich weiß, dass noch mehr unserer Leute dazukamen und ihnen halfen, aber ich kann leider nicht sagen, wer, weil ich krank unter Deck lag. Als ich mich aus meiner Koje schälte, um das Geschehen mal zu begutachten, hatten sie schon das Segel gemalt, und auch die Wellen waren schon fertig, ebenso war der Anker schon gut zu erkennen.

Pauline und Henrike legten dann eine Pause ein und machten sich auf den Weg in die Stadt, und ich legte mich wieder in die Koje zum Schlafen. Geweckt wurde ich zum Abend, da wir mit der gesamten Gruppe essen gehen wollten. Ich packte mich also warm ein und machte mich auf den Weg entlang der Pier - da erwartete ES mich: David und Melvin hatten Paulines Idee komplett über den Haufen geworfen. Anstatt des schön geschwungenen Tampens hatten sie die HSHS-Route gemalt, und Melvin hatte sich an einem Steuerrad versucht. Vor mir stand eine völlig aufgelöste Pauline. Das, was die beiden verursacht hatten, war nicht wirklich hässlich, aber Pauline hatte sich so viele Gedanken gemacht, die jetzt einfach zerstört waren. Pauline und David hatten daraufhin eine laute Auseinandersetzung. David dachte, Pauline hätte das Bild eh nicht fertig malen wollen, und er wollte es nicht so halbfertig belassen. Pauline war, berechtigterweise, sehr aufgebracht und enttäuscht. Beide konnten sich dann so einigen, dass das etwas missglückte Steuerrad wieder übermalt und die Route noch etwas ausgearbeitet wird und bleiben darf. Da, wo das Steuerrad war, malte Pauline dann noch eine Windrose. Nunmehr sieht das Logo sehr, sehr schön aus, und die ganze Crew ist zufrieden. Das Abendessen war dann auch noch sehr lecker, auch wenn ich es aufgrund meiner Verfassung früher verlassen musste. Ich grüße mit meinem letzten Tagesbericht meine Familie und Freunde.
Felicia Kelbel

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Helden des Vorschiffs

Donnerstag, 22. März 2012 21:32

Datum: 22. März 2012
Position: 29° 56,5´ N; 077° 27,5´ W
Etmal: -
Wetter: Sonnig mit ein paar Wolken
geschrieben von: Felicia Kelbel

Wie immer beginnt der Tagesbericht mit einer Wache, heute mit der 5-bis-8-Wache. Der Vorteil an dieser Wache ist, dass man danach Frühstück bekommt und dann wieder schlafen gehen kann. Doch nicht bei dieser Wache! Heute mussten wir nach dem Frühstück die Schot vom Topsegel etwas durchsetzen. Dieses gelang aber nicht, da das Topsegel vermutlich falsch herum gesetzt wurde. Nach der Segelarbeit konnte ich dann endlich in meine Koje. In letzter Zeit verbringe ist sehr viel Zeit in meiner Koje, da das neue Wachsystem bei mir noch keinen festen Schlafrythmus zulässt. An sich finde ich das Wachsystem sehr gut, da man Teilweise nur 6 Stunden am Tag Wache hat, aber ich hatte auch noch nicht, wie andere, den 11-Stunden-Wache-Tag, der kommt morgen auf mich zu, mal schauen, ob ich dann immer noch so positiv über den neuen Wachplan denke.

Zum Mittagessen stand ich dann wieder auf; Conni, Henrike und Joe hatten uns ein leckeres Essen gezaubert. Bis zum Abendessen hatte ich dann noch immer Freiwache. Doch mit allzu viel Freizeit weiß man auf dem Schiff nicht so viel anzufangen, meistens endet man einen Film guckend in der Messe oder schlafend in den Koje. Da aber gerade noch Unterricht war, fiel das Filmschauen für mich weg - aber schon wieder schlafen? Ich trödelte also noch ein bisschen in meiner Koje rum und wartete, dass die Zeit vergeht. Endlich war es Zeit für Kaffee und Kuchen. Es gab einen leckeren Apfelkuchen mit Streuseln. Mir persönlich schmeckten aber nur die Streusel und die Äpfel, da der Kuchen darunter ein bisschen versalzen war.

Nach dem Kaffee hatte ich dann noch mal 3 Stunden Wache. Während meiner Wache haben wir den  Klüver 2 abgeschlagen und den Klüver 1 angeschlagen. Wir suchten uns ein paar Freiwillige und machten uns an die Aufgabe. Es verlief alles ohne Probleme, wir freuten uns alle über ein bisschen körperliche Arbeit und wurden nach dem Klüverwechsel von Lothar, dem Steuermann, zu Helden des Vorschiffs erklärt. Wir versuchten uns dann noch mal an der Schot vom Topsegel, hatten aber keinen Erfolg – das Topsegel schlug weiter im Wind.

Durch die ganze Segelarbeit war die Wache schnell vorbei und es gab Abendessen. Das frische Gemüse und der Frischkäse rundeten meinen Tag perfekt ab. Nach dem Abendessen machten wir uns noch einen netten Kinoabend und schauten den Film “7 Leben”. Dazu gab es Gummibären und Kekse, die Franzi J.’s Mutter uns aus Deutschland mitgebracht hatte (noch mal vielen, vielen lieben Dank dafür). Nach dem Film trafen wir uns noch auf eine kleine Runde Werwolf im Seegarten, ein bei uns sehr beliebtes Spiel. Doch als der Spielleiter Philipp seine Nachtruhe antreten musste, hatte unser fröhliches Treiben ein Ende. Ich machte mich also wieder mehr aus Langeweile als aus Müdigkeit auf den Weg in meine Koje. Noch eine schnelle Dusche, und dann kehrte auch schon ruhe im PK ein. Also an sich ein ganz normaler Tag auf hoher See.
Felicia

P.S.: Ich grüße noch Katharina, die die Reli-Stunden ohne mich  bald schon an einer Hand abzählen kann, und meine Familie.

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