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Jeder Anfang ist schwer

Donnerstag, 19. April 2012 10:49

Datum: 19. April 2012
Position: 39°34,7′N, 026°31,6′W
Etmal: 103 NM
Wetter: Luft 18°C, Wasser 18°C
geschrieben von: Joe Luka Wendlandt

Gestern haben wir von den Azoren abgelegt, und ich, als einer der Schülersprecher, sollte zur 30-vor-12-Besprechung in den Seegarten gehen, wo alle wichtigen oder auch ganz allgemeine Dinge, die im Moment oder in den nächsten Tagen anstehen, besprochen werden, wo wir z.B. als nächstes hinfahren oder, wie an dem Tag zuvor, dass wir vorhaben, die Schiffsübergabe zu machen. Ab heute soll zum Beispiel Caren die „Verantwortung“ als Schülerkapitänin übernehmen; die Anführungszeichen deswegen, weil, falls wir Sturm bekommen oder sonstige Gefahr ansteht, der eigentliche Kapitän Dietrich wieder die Verantwortung übernehmen muss, aber das sollte wirklich nur im Ernstfall geschehen.

Ich bin heute kurz vor dem Mittagessen aufgestanden, denn ich hatte von 0 bis 4 Uhr Wache, und davor habe ich nicht geschlafen. Als wir zu unserer Wache antraten, gab es zunächst noch viele ungeklärte Fragen, z.B. wer Steuermann wird. Wir stimmten ab, und das Ergebnis war, dass Pauline Steuerfrau sein soll, und Kilian Stellvertreter. Außerdem wussten wir nicht, wie viel Pauline überhaupt entscheiden darf oder ob sie die Wache mitgeht. Es stellte sich schnell heraus, dass Pauline alles entscheiden und nicht mit Wache gehen soll, denn wenn man schon alles verantwortlich entscheidet und dafür den Überblick haben muss, kann man nicht außerdem eine halbe Stunde am Steuer stehen und vieles nicht mitbekommen, schon gar nicht, was auf der Brücke passiert. Aber sie sollte sich trotzdem immer mit dem betreuenden Steuermann absprechen, denn sie kann ja auch noch nicht einfach so große Entscheidungen treffen, die unsere Sicherheit angehen. Na ja, wir (unsere neue Wache Conni, Lena P., Henrike, Felicia, Pauline, Fritz, Killian und ich) hatten noch eine witzige Wache. Da wir jetzt endlich wieder ein bisschen Entlastung in der Wache haben, kommen wir halt auf lustige Sachen. Zum Beispiel hatte uns ein Containerschiff angefunkt und uns ganz komische Fragen gestellt - ob wir Katholiken währen und derlei.

So sind dann einige von uns darauf gekommen, dass die Besatzung des Containerschiffs wahrscheinlich Piratholiken wären, also eine Mischung aus Piraten und Katholiken. Ich habe keine Ahnung, wie meine Wachkollegen da drauf gekommen sind, dass es Piraten sein könnten, aber nun ja…  Kurz danach kamen Andrê, der Meisterfrisör, und Philipp nach oben, denn Philipp wollte eine Glatze geschoren bekommen, was ziemlich witzig aussah, denn sie haben es nicht mit einem elektrischen Rasierer, sondern mit einem Einweg-Rasierer und Rasierschaum gemacht. Nach meiner Wache gab es leckeren Kuchen. Anschließend bin ich wieder schlafen gegangen, denn dieses Mal wollte ich vor meiner 0-4-Wache ausgeschlafen sein.
Joe Luka

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Das Bermuda-Dreieck

Dienstag, 3. April 2012 12:19

Datum: 3. April 2012
Positon: 30° 13,0′ N, 055° 41,5′ W
Etmal: 137
Wetter: Windstärke 7-8
geschrieben von: Joe Luka Wendlandt

Als ich aufwachte, dachte ich, es wäre ein ganz normaler Morgen mit ein bisschen Seegang, aber dem war nicht so, denn als ich oben auf die Brücke kam, habe ich den Sturm gesehen, in dem wir steckten. Es war sicher einer der stärksten drei Stürme, die wir bisher erlebten. Das „coole“ war, dass so gut wie niemand mehr seekrank war, und so konnte man mal richtig sehen, wie sich unsere Gemeinschaft entwickelt hat, denn bei anstrengenden Arbeiten halfen wir uns gegenseitig, wie zum Beispiel bei der Backschaft.
Ich stand ja oben auf der Brücke, und das erste, an was ich denken musste, war, dass uns hoffentlich nicht das gleiche passiert wie den Niederländern. Die Niederländer sind ungefähr auf der gleichen Route wie wir unterwegs. Ihr Schiff ist ein ganz schönes Stück größer als unsere Johann Smidt. Sie sind kurz vor Bermuda in einen starken Sturm geraten, einem viel stärkeren, als den wir gerade haben, aber sie hatten noch dazu mit sehr starken Böen zu kämpfen. Ihr Boot kam in eine plötzliche Schieflage von 60°, einmal nach Steuerbord und einmal nach Backbord. Nur durch das schnelle Handeln der Besatzung, indem der so genannte Verschlusszustand hergestellt wurde (den wir auf der Johnny auch eine Zeit lang hatten), konnte schlimmeres verhindert werden. Es ist eine Menge Material von Bord geschwemmt worden. Die Schäden am Schiff waren groß, und in die Brücke ist so viel Wasser eingedrungen, dass die komplette Elektronik kaputt gegangen ist. Diese musste zurück in die Niederlande geschickt und dort repariert werden. Nach diesem Unglück und ohne elektronische Navigationsmittel hatten sie es mit Mühe in den Hafen von St. George’s geschafft. Dort lagen sie dann drei Wochen lang, in denen das Schiff repariert worden ist. Zum Glück ist uns das nicht auch passiert.

Na ja, wie schon gesagt, wir hatten auch den Verschlusszustand, was in unserem Fall bedeutete, dass wir von der Brücke aus steuerten und nicht am Steuerstand draußen, was bisher sehr selten passiert ist. Wir hatten Windstärken von 7-8, sodass wir während unserer Wache nicht raus an Deck durften, auch nicht, „um das Wetter zu machen“. Die Wellen hatten ungefähr eine Höhe von 6 Metern, was richtig toll war, denn die sind teilweise über die Brücke gerauscht, dass man dachte, man säße in einem U-Boot. Als ich mich nach meiner Wache wieder in die Koje legte, bin ich durch das Schaukeln ganz schnell eingeschlafen, wie in einer Wiege. Den restlichen Tag – außer auf Wache natürlich - habe ich geschlafen, was echt angenehm war. Dadurch habe ich auch zwei Mahlzeiten verpasst, sodass ich am nächsten Morgen einen ganz schönen Hunger hatte. Liebe Grüße
Joe

P.S.: Schöne Grüße an die Friedrichs, Kedens, Lars und Peter. Natürlich auch an meine liebenswerte Familie und natürlich auch an meinen Schatz. Mama, hab noch einen schönen Geburtstag. Außerdem schöne Grüße an Kimberly, Nelli, Lola und Maurico. Gute Besserung an Kimberly und Lola. Lola, komm bald wieder.

Thema: Nordatlantik | Comments Off | Autor: admin