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Der Vogel

Donnerstag, 12. April 2012 13:45

Datum: 12. April 2012
Position: 2 Tage vor den Azoren
Etmal: -
Wetter: bewölkt
geschrieben von: Lena Pospisil

Hey, ihr Lieben! In den letzten Tagen haben wir alle vermehrt an zu Hause gedacht. An Freunde und die Familie, die wir damals am 15. Oktober zurückgelassen haben. Obwohl wir wussten, dass es lange Zeit dauern würde, bis wir sie wiedersehen. Sie mussten uns gehen lassen, denn wir hatten Risiken abgewägt und uns entschieden, erst am 5. Mai zurückzukehren. Da gibt es diese Vögel – es ist, denke ich, eine Art von Adlern – die das Fliegen auf eine andere Weise lernen als andere Vögel. Die Mutter stupst die Jungen mit ihrem Schnabel aus dem Nest, wirft sie gewissermaßen ins kalte Wasser. Ab da an sind die Kleinen auf sich alleine gestellt. Der junge Vogel hat nur ein paar Sekunden, um sich zu fangen, die Flügel auszubreiten und sich vor einem harten Aufprall zu retten. Er streckt seine kleinen Flügel und fliegt. Berauscht von diesem Gefühl dreht er gleich ein paar Runden und erforscht sein Umfeld. Eine andere Welt. Er hat auch Hindernisse auf seinem Flug wie Äste, Katzen und andere Vögel, aber seine Mutter weiß, dass er es schafft, auch wenn sie sich nie ganz sicher sein kann. Doch der Kleine kommt zurück, mit mehr Erfahrungen, Eindrücken und einem großen, verdienten Stück Selbstvertrauen. Er hat dieses Ereignis gemeistert und ist nun nicht mehr so sehr auf die Flugkünste anderer angewiesen. Kann sich selber Nahrung beschaffen oder einfach aus Freude am Fliegen und der damit verbundenen Freiheit Ausflüge unternehmen. Er ist seiner Mutter sehr dankbar, hilft ab jetzt, kleine Geschwister zu versorgen, und kann und weiß dann in einigen Jahren alles, was er braucht, um sich selbst und andere zu versorgen. In der Zukunft wird er sich irgendwann einmal ein eigenes Nest bauen.

Bei uns hat es auch ohne Schubsen funktioniert. Jetzt sind wir also schon in zwei Wochen wieder im Nest. Wir sind gerade wieder mitten auf dem Atlantik, wir erfahrene Atlantiküberquerer. Doch Corinna, unsere neue Lehrerin, und der Arzt Mark sind noch Neulinge auf diesem Gebiet. Was das heißt? - Eine Atlantiktaufe steht an! Zuerst werden die Unwürdigen in unsere nicht allzu große Proviantlast gesperrt. Während dessen sind Vorbereitungen im Pumakäfig und an Deck am laufen. Einige Schüler sind verkleidet und geschminkt. Wir haben drei Treiber (Conni, Melvin, Fritz), die die Unwürdigen gerade mit Gebrüll in der Proviantlast festhalten, einen russischen Arzt (Franzi J.), zwei Astronomen (Anna, David), einen Barbier (Claudio), eine Kellnerin (Henrike), einen Priester (Joe) und eine Moderatorin (Caren). Auch Neptun (Philipp) und seine Frau Thetis (Kilian) haben es an Bord geschafft. Inzwischen sind alle Zuschauer an Deck. Die Verkleideten werden jedoch erst nacheinander an Deck kommen und sitzen deshalb noch im Pumakäfig – bis auf die Treiber, Neptun und Tetis, Die Kellnerin und die Moderatorin. Nun wird das erste Opfer an Deck gescheucht. Mark sieht sehr gelassen aus…noch! Zu Beginn bekommt er von der Kellnerin ein Getränk serviert, Wasser mit gefälschten Tierchen. Das mit den Tierchen entstand so, weil wir einige Tage zuvor Milchreis zum Essen hatten. In unserem Reis hatten sich aber kleine Käfer eingenistet, die also heraus gesammelt werden mussten. Diese zu servieren, war uns dann aber doch ein wenig zu gemein, Kümmel tut’s auch. Mark probiert zuerst ein „Tierchen“ und schluckt den Rest dann in einem hinunter. Darauf bekommt er noch ein leckeres Brot mit allem “Genießbaren” drauf, was sich auffinden ließ. Zwei Bisse reichen und ab über Bord damit. Auf seinem Gesicht ist ein triumphierendes Lächeln, denn er weiß ja noch nicht, was noch alles kommt.

Danach muss er durch unser Fernglas, dass aus zwei mit Meerwasser gefüllten Flaschen besteht, gucken, weil unsere Astronomen ein Schiff am Horizont erblickt haben. Seine Augen sind jetzt ein wenig gerötet, und er muss weiter zum Schiffsarzt. Dort erblickt der Arzt dreckige Ohren, die sofort mit einem Schuss Wasser ins Ohr gesäubert werden. Als nächstes kommt der Barbier aus dem Pumakäfig gekrabbelt und verpasst seinem Opfer einen neuen Bartschnitt. Natürlich mit viel Rasierschaum und starkem Akzent. Um einen würdigen Namen zu bekommen, geht Mark jetzt zu Neptun und kniet nieder. Die Moderatorin verkündet seinen neuen Namen: Pinzettfisch. Doch um diesen Namen auch tragen zu dürfen, muss er noch Tetis den Fuß küssen. Aus diesem Grund haben wir Kilian, der lange seine Gummistiefel trug, für diesen Job gewählt, denn je mehr der Fuß stinkt, umso appetitlicher wird das Ganze. Durch die Taufe wird der Unwürdige zum würdigen Seemann gemacht. Mit unserem Deckwaschschlauch spritzt der Priester den Täufling von oben bis unten nass. Nach Mark wurde auch Corinna nach oben gescheucht. Sie schoss erst einmal über das Ziel hinaus, denn alle warteten auf dem Vordeck, sie rannte aber an allen vorbei. Sie meisterte alle Aufgaben, zwar manchmal unter Geschrei, aber das lassen wir mal durchgehen. Ihr neuer Name ist Bermuda-Ruder-Fisch.

Als wir gerade alle gehen wollten, rief auf einmal jemand „Wale!“.  Es waren um die 10 Wale im Umfeld unserer Johnny zu sehen. Einige waren nur um die 50 Meter von uns entfernt. Damit hatte sich dann auch die Frage geklärt, ob wir auf den Azoren „Whale-Watching“ machen wollen. Alle hofften auf einen Wal, der aus dem Wasser springt. Den sahen wir aber heute leider nicht, dafür aber mehrere riesige Flossen, den Blas einiger Wale und auch viele Delfine. Eine gute Stunde blieben die Tiere bei uns, danach tauchten sie ab. Damit neigte sich ein weiterer wunderschöner Tag dem Ende. Bis bald,
Lena.

P.S.: Ein Danke an meine Familie, Mama, Papa, Jan, Sabi und Julia.

P. P. S.: Von Conni: Ich vermisse dich, Mauricio. Ich hoffe, wir sehen uns in HH. Lola, wir freuen uns alle sehr, dass du bald wiederkommst!

Thema: Nordatlantik | Comments Off | Autor: admin

Die Gala in Pinar

Dienstag, 13. März 2012 19:37

Datum: 13. März 2012
Ort: Hotel Aquas Claras, Pinar del Rio, Kuba
Etmal: -
Wetter: sehr wechselhaft, bewölkt
geschrieben von: Lena Pospisil

Hallo, ihr alle, mein Tag begann heute um 7.00 Uhr. Da wir heute zur Friedrich-Engels-Schule fuhren, mussten wir alle sehr pünktlich sein. Aber beim Gedanken an den Abend und die Gala, bei der wir vor mehreren hundert Leuten singen und Sketche vorführen sollten, blieb ich doch noch ein paar Minuten länger liegen. Nach dem Frühstück ging es dann mit dem Reisebus zur Schule. Angekommen, wurden wir schon von einer Gruppe Schüler erwartet. Wir wurden in ein Konferenzzimmer geführt und herzlich willkommen geheißen. Dort wurden uns grundlegende Informationen zu der Schule gegeben. So sind in dieser Schule nur Schüler von der 10. bis zur 12. Klasse. Wir hatten überwiegend nur mit den 10. Klassen zu tun. Insgesamt sind auf der Schule etwa 900 Schüler. Wir erfuhren auch, dass in Kuba das ganze Bildungssystem kostenlos für die Bürger ist. Danach kam eine Fragerunde, in denen die Kubaner uns und wir die Kubaner ausfragen durften. So erzählte Franzi J. von unserer Reise, und wir tauschten Feriendaten aus. Danach gingen wir in unseren zwei Bord-Klassen durch die Schule. Meine Gruppe wurde zuerst in 3 Klassen nacheinander geführt, in denen wir uns vorstellten, von unserer Reise berichteten und Musik- und Sportvorlieben aufzählten.

Das Schulgelände ist sehr groß. Es gibt mehrere Unterrichtsgebäude, zwei Internatsgebäude, mehrere Sportplätze, einen Garten, in dem schuleigenes Gemüse angebaut wird, viele Wiesen, auf denen teilweise Pferde stehen, eine Kantine und einen Militärübungsplatz. Die Militärausbildung gehört sowohl für Mädchen als auch für Jungen zum Schulleben. Als wir uns den Militärübungsplatz anschauten, war gerade eine Klasse damit beschäftigt, sich Schlamm aus dem Blumentopf auf Gesicht, Arme und Kleidung zu schmieren. Eine andere machte den Parcours, bei dem man unter halben Autoreifen hindurch kriechen, über Zäune springen und mit Atemmaske einen Baseball auf ein Ziel werfen musste. Alles natürlich in Tarnkleidung. Uns wurden auch die Internatsgebäude gezeigt, in denen 56 Personen in einem Raum leben. Es waren sehr große und offene Räume, in denen die Doppelbetten neben einander aufgereiht waren. Nach der Führung bekamen wir noch einen Zuckerrohrsaft und eine Scheibe Ananas. Zum Mittagessen fuhren wir wieder in die Hotelanlage. Danach hatten wir noch ganze 4 Stunden zum Üben. Ich würde bei den Liedern „Mein kleiner, grüner Kaktus“, „Hit the Road, Jack“ und „We are the World“ mitsingen und bei drei Sketchen mitspielen. Nach dem Abendessen ging es dann los.

Da Lola wegen Krankheit nicht mitkommen konnte, mussten Caren, Franzi P. und ich uns ihr Solo in „We are the World“ aufteilen. Die Aufregung wurde langsam größer. Angekommen, ging rund die Hälfte unserer Gruppe noch einmal auf die Toilette. Wir hatten die erste halbe Stunde der Gala für uns. Als sich alle vor der Bühne eingefunden hatten, gab es noch ein paar Einstiegsworte und danach wurde es ernst. Wir begannen mit einem Sketch, bei dem es um die Worte „Cuanto falta?“ - “Wie lange noch?“ - ging: 4 Personen sitzen in einer Reihe. Sie alle haben die Beine überschlagen und lesen Zeitung. Die Person ganz links fragt andauernd „Cuanto Falta?“. Diese Frage wird von Person zu Person nach rechts weiter gegeben. Die Person ganz rechts guckt dann auf ihre Uhr und antwortet, z.B. „5 minutos mas“ - „noch 5 Minuten“. Dies geht immer so weiter, bis die Person ganz rechts als Antwort „Ahorra!“ - „Jetzt!“ ruft. In diesem Moment überschlagen alle die Beine in die andere Richtung. Dieser Sketch kam sehr gut an.

Nach unserer Vorstellung kamen die Kubaner an die Reihe. Wie erwartet, tanzten und sangen sie sehr gut. Als das dritte Lied anfing, sagte ich zu Lena K: „Das kennen wir doch irgendwoher“, denn es war „We are the World“. Die Kubaner sangen es zu acht in der Instrumentalversion und mehreren Stimmen. Nach diesem Lied tanzten die Kubaner uns abermals etwas vor. Selbst die Jungen haben einen besseren Hüftschwung als jeder von uns. Das Tanzen sah echt toll aus. Danach war die Gala auch schon wieder vorbei, und begleitet von lauter Musik mit starkem Bass gingen wir zurück zum Bus. Wieder zurück im Hotel, redete ich noch ein wenig mit Conni am Pavillion. Als ich um circa 23.45 Uhr in mein Zimmer zum Schlafen gehen wollte, war die Tür aber schon verschlossen. Franzi J., die sich mit mir ein Zimmer teilte, war bereits am schlafen. Zuerst überlegte ich, durch das Badezimmerfenster zu klettern, doch Esther, die im Haus gegenüber wohnte, wollte das nicht. Zum Glück konnte ich dann bei Lea und Conni schlafen. Und so ging mein Tag zu Ende.
Liebe Grüße an alle. Mama, noch einmal alles Gute zum Geburtstag nachträglich. Ich vermisse dich, Jan, Papa, Julia und Sabi sehr.
Bis bald, eure Lena.

Thema: Kuba | Comments Off | Autor: admin