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Zigarrenfabrik

Montag, 12. März 2012 18:25

Datum: 12. März 2012
Position: Aquas Claras, Pinar Del Rio, Kuba
Etmal: -
Wetter: sonnig, warm
geschrieben von: Lola Feline Schweizer

Hallo an alle meine Lieben zuhause! Wir sind in einem richtigen Hotel aufgewacht. Aus der Dusche kommt zwar nur sehr wenig Wasser, dafür ist es warm. Ich teile mir ein Zimmer mit Pauline. Das Hotel besteht aus lauter kleinen Häuschen mit je zwei Zimmern, außerdem hat es einen großen Pool. Über das Essen dort lässt es sich streiten, aber sonst ist es echt angenehm. Nach einem sehr entspannten Sonntag ging es heute schon recht früh los mit vollem Programm. Am Morgen sind wir mit dem Bus zu einer in der Nähe liegenden Zigarrenfabrik gefahren. Der Geruch der getrockneten Tabakblätter strömte uns schon am Eingang entgegen. Wir gingen durch das Eingangstor und kamen in einen kleinen Innenhof, links und rechts ein kleiner Stand mit T-Shirts, Büchern, Postkarten und Plakaten, hauptsächlich mit dem Portrait Che Guevaras. Der Rundgang begann rechts in einem Raum, in dem viele Arbeiter, meist Frauen, die großen getrockneten Tabakblätter per Hand zerkleinerten und sortierten und dann zu der Rohform einer Zigarre verarbeiteten. Diese Rohlinge wurden dann in speziellen Formen gepresst, welche den Tabak fürs erste zusammen halten sollten. Dann folgte das Deckblatt für die endgültige Form. Nachdem ein Ende der Zigarre sauber abgeschnitten war, wurden sie zur Qualitätskontrolle gebracht. Das heißt, zwei Männer nahmen jede einzelne Zigarre und kontrollierten mit einer Unterdruckmaschine, ob sie gut ziehen, also weder zu fest noch zu locker gerollt sind. Danach wurden sie nochmals kontrolliert und sortiert: nach Farbe, Form, Größe, Qualität usw., um dann die in verschieden Farben und Formen gedruckten Siegel um die Zigarre zu legen. Diese Siegel zeigen dann die Qualität, sprich die Marke der Zigarre an. Zum Beispiel: Cohiba, Romeo y Julia, Monte Christo…

Nach dem Rundgang konnten wir im Fabrikladen Zigarren kaufen. Aber nur so viele, wie die Lehrer mitnehmen dürfen. Sprich entweder zwei Pakete à 25 Zigarren oder 23 lose Zigarren. Nach der Mittagspause im Hotel fuhren wir um 15.30 Uhr zu einer Schule für Kinder mit Downsyndrom. Es ist nicht wirklich eine Schule, mehr ein Hort, in dem die  zumeist jungen Leute betreut werden und wo mit ihnen Kunst gemacht werden kann. Einige von uns haben mitgemacht, verschiedene Farben dick auf Druckvorlagen aufzutragen und für den Druck vorzubereiten. Die Druckvorlagen waren von den Jugendlichen gefertigt worden aus Pappe und einem Klebstoff, der vollflächig darauf gestrichen wird und in den anschließend Darstellungen aller Art geritzt werden. Die entstandenen Bilder (jeder durfte sein Wunschbild selbst mit der Maschine drucken) konnte man kaufen, und das Geld dafür war eine kleine Spende an die Organisation. Noch mehr Bilder der Kinder, die bereits gefertigt wurden, waren in einem hinteren Zimmer ausgestellt und wurden auch verkauft. Sie waren sehr schön, meiner Meinung nach. Ein ganz eigener Stil.

Zurück in der Hotelanlage, fuhren wir nach dem Abendessen in eine kubanische Oberstufen-Schule. Wir kamen leider eine Stunde zu spät, aber als wir schließlich dort waren, wurden wir sehr herzlich empfangen. Die Schüler klatschten, als wir aus dem Bus stiegen, und dann folgten sehr guter Tanz und Musikdarbietungen.  Uns zum Tanz aufzufordern, hätten sie mal lieber lassen sollen. Bei dem kubanischen Hüftschwung der Mädchen und vor allem der Jungen ist es unmöglich mitzuhalten. Der Spaßfaktor war dafür sehr hoch. Um 23.00 Uhr ging es dann endlich Richtung Bett, erschöpft, aber voller neuer Erfahrungen. Ich wünsche meinem lieben Daddy alles Liebe zum Geburtstag. Ich vermisse ihn und den Rest meiner Familie sowie meine Freunde. Ich freue mich, euch bald wieder umarmen zu können.
In Liebe, eure Lola

Thema: Kuba | Comments Off | Autor: admin

Nah am Geschehen

Mittwoch, 1. Februar 2012 21:40

Datum: 1. Februar 2012
Position: Hostel Bambu, David, Panama
Etmal: -
Wetter: sehr warm, dank Pool und Schatten erträglich
geschrieben von: Lola Feline Schweizer

Ich finde diese Begrüßung eigentlich richtig unnötig und immer dasselbe, aber ich muss es trotzdem machen, also: Hallo an alle zu Hause im kalten Deutschland, ich war noch selten in einer Situation wie dieser, nämlich einem aktuellen politischen Konflikt so nah zu sein. In Panama findet gerade eine große Auseinandersetzung über die Rechte der Ureinwohner von Panama statt. Der indigene Volksstamm der Ngöbe-Buglé wohnt teilweise immer noch wie vor 500 Jahren, ohne richtige Elektrizität, Wasser direkt aus dem Fluss, weder richtig gefiltert noch Wärme einstellbar, immer dasselbe zu essen (Reis mit Bohnen), viele Traditionen und Regeln usw. Ein einfaches und karges Leben, aber es macht ihnen nichts aus. Sie haben dafür andere Schätze, die man selten kaufen oder besitzen kann. Zum Beispiel der Urwald, der Reichtum und die Fruchtbarkeit, die der Fluss mitbringt, die Familie, das Essen, welches meistens in guten Mengen um sie herum wächst.

Der Haken daran ist, dass sich zunehmend auch die Regierung und Firmen und Unternehmen dafür interessieren. Der Urwald, vor allem der Regenwald, wird immer mehr abgeholzt, um davon zu profitieren. Außerdem werden Tiere ausgerottet und gewildert. Zudem soll der Fluss dazu dienen, mehr Elektrizität durch riesengroße Kraftwerke zu erzeugen um sie dann zu exportieren. Das zur Zeit fast wichtigste und aktuellste Problem in Panama ist, dass die Regierung neue Kupferminen in dem Gebiet der Ngöbe-Buglé gefunden hat und nun das betroffene Gebiet komplett ausbeuten möchte. Das ist ein altbekanntes Problem. Vor ziemlich genau einem Jahr hat diese Diskussion angefangen. Daraufhin wurde ein Ultimatum gestellt, welches in diesem Jahr abgelaufen ist. Die Einwohner fühlen sich ausgenutzt und rechtlich übergangen.

Ansonsten bestand mein Tag ausschließlich aus in Hängematten liegen, im Pool schwimmen, essen und Haare schneiden. Es war sehr angenehm. Zu etwas anderem hatte ich sowieso nicht wirklich Lust, da David die zweitheißeste Stadt Mittelamerikas ist. So gesehen war der Tag sehr entspannt, bot aber nicht viel Schreibmaterial für den Tagesbericht. Außerdem hat mich das Thema während des ganzen Landaufenthaltes beschäftigt. Es hat eigentlich erst richtig in Longo Mai angefangen, zog sich dann aber über die Station Alto Laguna bis La Gamba. Ich habe von vielen Leuten Einiges über deren Einstellung und Glauben gelernt und bin froh, dass ich das alles so nah erleben darf. Auf anderes könnte ich aber auch verzichten, zum Beispiel, die Viecher im Zelt und auf einer harten Isomatte im Schlamm zu liegen, wo alles feucht und ranzig ist. Spätestens nach einer eiskalten Dusche will man endlich in seine gewohnte Umgebung. Trotzdem ist es ein absolut unvergesslich tolles Erlebnis.

Ich möchte meine Familie und meine Freunde ganz dolle grüßen. Ich denke oft an euch und vermisse euch sehr. Ganz besonders wünsche ich meiner Hannah alles Liebe zu ihrem Geburtstag. Wäre froh, euch alle mal wieder im Arm zu haben.
Eure Lola

Thema: Panama/Costa Rica | Comments Off | Autor: admin