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Eisbärenjagd

Mittwoch, 28. März 2012 12:15

Datum: 28. März 2012
Position: Saint George, Bermuda
Etmal: ein paar Kilometer zu Fuß
Wetter: sonnig, aber kühl
geschrieben von: Melvin Wolf

Moin an alle! Ich hatte an diesem Tag Backschaft, und da euch der alltägliche Backschaftsmorgen mittlerweile wohl bekannt sein dürfte, überspringe ich ihn lieber mal… Als wir also um 8:35 Uhr in wahrhafter Rekordzeit mit dem Abwasch fertig waren, hatten wir noch Gelegenheit, uns schnell umzuziehen, bevor wir uns um neun zum „Abflug“ an der Kaimauer versammelten. Dann haben wir über anderthalb Stunden damit verbracht, uns mit dem öffentlichen Bus an das andere Ende der Insel fahren zu lassen. Dort erwarteten uns eine Festungsanlage mit einem kleinen geschichtlichen Museum sowie ein paar Delfine. Doch alles in allem erwies es sich leider als recht enttäuschend… Am verabredeten Ort, nach knapp zwei Stunden, gab uns André fünf Dollar Essensgeld, woraufhin eigentlich alle in dem selben Laden Pommes aßen.

Als wir am späten Nachmittag, nachdem wir noch eine Stunde in der Hauptstadt Hamilton verbrachten, wieder auf der Johnny ankamen, hieß es bald: „Proviant Bunkern!“, als die Agentin mit ihrem Auto vorfuhr. Auch darin sind wir mittlerweile geübt, und wir waren in einer guten Stunde mit allem fertig. Doch nach dem Abendessen gab es keinen Landgang, denn Heiner, unser Kapitän, hatte noch etwas mit uns vor. Zuerst hat er uns einige Geschichten vorgelesen, von denen ich eine, so gut ich kann, wiedergeben möchte:

Funkverkehr vor Galizien 1997:
„Sie befinden sich gerade auf Kollisionskurs mit uns. Ändern sie bitte ihren Kurs um 15° nach Süden, um eine Kollision zu vermeiden.“
„Wir werden unseren Kurs NICHT ändern. Ändern sie bitte ihren Kurs um 15° nach Norden, um eine Kollision zu vermeiden.“
Erneut: „Sie befinden sich auf Kollisionskurs. Ändern sie ihren Kurs um 15° nach Süden, um eine Kollision zu vermeiden.“
Eine andere Stimme meldet sich, leicht verärgert: „Hier spricht Captain Moore von der US Navy. Wir werden unseren Kurs NICHT ändern. Ändern sie bitte sofort ihren Kurs um 15° nach Norden, um eine Kollision zu vermeiden!“
„Wir können unseren Kurs nicht ändern. Bitte haben Sie Verständnis und ändern ihren Kurs um 15° nach Süden, um eine Kollision zu vermeiden.“
„Hier spricht Captain Richard Abrahams Moore, Kommandant des Flugzeugträgers USS Lincoln, dem zweitgrößten Kriegsschiff auf diesem Planeten. Uns begleiten 4 Raketenkreuzer, 6 Fregatten, 4 Schwere Kreuzer, mehrere Zerstörer sowie Jagd- und Raketen-U-Boote. Wir haben Kurs auf den Persischen Golf, um dort einige Manöver vorzubereiten. Ich empfehle, nein, ich befehle ihnen, ihren Kurs um 15° nach Norden zu ändern, um eine Kollision zu vermeiden!“
„Wir sind zu zweit. Uns begleiten ein Hund, ein Kanarienvogel (der gerade schläft) und zwei Dosen Bier. Wir werden unseren Kurs nicht ändern, denn wir befinden uns in einem Leuchtturm an der Küste Galiziens. Ändern sie nun bitte ihren Kurs um 15° nach Süden, um eine Kollision zu vermeiden. Over“

Dies soll eine wahre Geschichte sein…!

Nach diesem und anderen Vorträgen gab es noch die Eisbären-Prüfung, doch davon möchte ich nicht zu viel erzählen, damit sich noch möglichst viele Eltern zuhause daran den Kopf zerbrechen können… ;) Herzliche Grüße an Antonia und an alle Lietzer! Und vor allem an Kimi (wir haben gerade deinen Brief gelesen)…
Melvin

Thema: Nordatlantik | Comments Off | Autor: admin

Leben in Havanna

Dienstag, 6. März 2012 19:31

Datum: 6. März 2012
Position: Altstadt von Havanna, Kuba
Etmal:  etwa 5 km per Fuß durch die Stadt
Wetter: sonnig, vergleichsweise angenehm kühl
geschrieben von: Melvin Wolf

Hallo, alle zusammen! Es ist sieben Uhr morgens mitten in der Altstadt von Havanna. Nach und nach erwacht die Stadt wieder zum Leben, frisch für einen neuen Tag. Die Sonne blitzt durch die Skyline dieser Großstadt. Die Obdachlosen auf der Straße wachen davon auf, dass die Rollläden der Geschäfte hinter ihnen geräuschvoll hinauf gezogen werden. Die vielen Touristen wachen in ihren Himmelbetten in den Luxushotels auf, die normalen Bürger werden von ihrer Frau zur Arbeit geweckt. Der Bäcker, der schon seit fünf Uhr auf ist, bringt das Blech mit den frischen Brötchen in die Regale der Bäckerei und die ersten Taxifahrer stehen jetzt schon für ihre frühen Kunden bereit am Taxistand. Ein kleines Stück abseits von diesem Morgentrubel, am Ende einer langen Pier, liegt ein Segelschiff, das von alledem nichts mitbekommen hat. Doch dann, um viertel nach sieben, stößt André die Tür unserer Jungs-Viererkammer auf zum Wecken. Ein neuer Tag auf Kuba beginnt für uns.

Der Plan für heute ist folgender: Am Morgen soll es für die Unterrichtsgruppe von heute erst Schule geben, während der andere Teil oben an Deck Decksarbeiten erledigt. Wenn die Arbeit getan ist, dürfen wir in die Stadt gehen: Landgang. Auch wenn das Verfolgen des Unterrichts auf dem Schiff nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, bin ich dennoch froh, nicht in der prallen Sonne arbeiten zu müssen. Außerdem ist die Schule schnell durchgestanden. Ein wenig Hintergrundwissen über Kuba bei der lieben Elster, ein paar Funktionsgraphen malen bei Ralf und zu guter Letzt noch eine Kurzgeschichte interpretieren bei André. Heute vergehen die drei Stunden schneller als sonst, und nach einem kleinen Mittagessen geht es dann los in die Stadt – auf nach Havanna!

Unser Liegeplatz hier ist wirklich mit Abstand der beste, den wir bisher hatten. Sonst mussten wir immer vom Hafen ziemlich weit bis zur Innenstadt laufen, und hier ist die Pier, an der wir liegen, direkt im Zentrum der Altstadt. Wir müssen nur kurz durch den Zoll, der darauf achtet, dass wir nichts illegal ein- oder ausführen. Am Eingang zur Pier ist gleich der San-Francisco-Platz, einer der drei großen Plätze der Altstadt – zumindest hat es mir so eine Kubaner erklärt, den ich nach dem Weg fragte. Die anderen Plätze sind der Alte Platz und der Zentralplatz gegenüber vom Capitol. Das Capitol bildet den Mittelpunkt der Altstadt und ist wunderschön und pompös gebaut. Von dort gehen die Straßen blockförmig ab. Dieser Aufbau ist der ganz klassische einer lateinamerikanischen Stadt, so wie es uns Elster im Erdkundeunterricht erklärt hat: Im Zentrum ein Platz mit allen wichtigen Verwaltungsgebäuden herum und ein gitterförmiges Straßennetz, das die Wohnquartiere unterteilt. Ganz am Rand der Stadt finden sich die etwas zerstreuten und nicht mehr nach diesem strikten Schema gebauten Armenviertel. Diese haben wir aber hier in Havanna nicht zu Gesicht bekommen. Wir waren eigentlich nur im Stadtkern unterwegs, der größtenteils auf den Tourismus ausgelegt ist.

Eine Bar folgt der nächsten und ein Touri-Laden grenzt an den anderen. Aber die Bars sind wirklich wunderschön. Abends wird hier Live-Musik gespielt von kleinen Merengue-, Son- oder Salsa-Gruppen. Teilweise tanzen die Band-Mitglieder auch auf den Tischen und animieren die Gäste zum Mittanzen. In solch eine Bar wollten wir eigentlich auch gehen, doch dort muss man immer sehr gut auf sein Geld achten. Denn es kommt nicht selten vor, dass die Kellner ihre Preise daran anpassen, wie wohlhabend die Kundschaft aussieht, und da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Bier, welches für die normalen Besucher einen Peso Convertible kostet, für uns plötzlich sieben Pesos kostet. Deshalb mussten wir ständig die verschiedenen Wechselkurse beachten, denn es ist so, dass Kuba zwei Währungen hat. Noch ein Umstand, um leicht übers Ohr gehauen zu werden! Trotzdem haben wir es geschafft, uns für den Tag in der Stadt gut zu verpflegen und ein paar Mitbringsel für euch zuhause zu kaufen. Am Abend war ich dann doch noch mit ein paar anderen in einer kleinen Bar mit schöner Musik, und dort haben wir den gelungenen Tag ausklingen lassen, bevor wir dann pünktlich um zehn Uhr wieder auf dem Schiff waren.

Es ist Mitternacht. Eine Gruppe Jugendlicher kommt aus einem Club und macht sich auf den Heimweg. Die Läden haben schon geschlossen und deren Besitzer liegen bereits neben ihren Frauen im Bett und schlafen. Die Obdachlosen haben sich eine Parkbank für die Nacht gesucht und hoffen, dass die Zeitung, die sie als Decke über sich gelegt haben, ihnen genug Wärme für die kühle Nacht spendet. Nach einem Mitternachtssnack und einem Gang in den Whirlpool gehen auch die Touristen zurück in ihre Hotelsuit. Die Taxifahrer sind noch unterwegs, um die letzten Nachtschwärmer zurück nach Hause zu kutschieren. Ein alter Mann sitzt noch schmunzelnd mit einer Zigarre und einem Gläschen Havanna Club auf dem Balkon und beobachtet, wie die Stadt langsam zur Ruhe kommt. Abseits von diesem Treiben gehen auf einem Segelschiff, das am Ende einer Pier liegt, die letzten Lichter aus von denen, die abends noch einen Film geschaut haben, und die ganze Stadt versinkt langsam in einen tiefen Schlaf. Ein weiterer Tag in der Hauptstadt Kubas geht zu Ende und das Ende unserer Reise rückt wieder ein Stück näher.

Ich grüße meine Eltern und meine kleine Schwester und freue mich auf unser Wiedersehen in knapp acht Wochen!
Euer Melvin

Thema: Kuba | Comments Off | Autor: admin