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Ein grauer Tag in Limón

Dienstag, 7. Februar 2012 21:47

Datum: 7. Februar 2012
Postion: Puerto Limón, Costa Rica
Etmal: -
Wetter: 35 Grad Celsius
geschrieben von: Nellie Thalbach

Leider habe ich einen Tag erwischt, von dem es nicht wirklich etwas zu berichten gibt. Wir mussten improvisieren wegen des momentanen Aufstands in Panama und mussten wieder nach Costa Rica, vier mal über die Grenze und wieder zurück. Jetzt sind wir, bis die “Johnny” in Limón ist, in einem kleinen, ein bisschen schäbigen Hotel untergebracht, was aber wirklich etwas Besonderes hat. Fritz und ich sind den ganzen Tag im Hotel geblieben, haben noch etwas gegessen und geplaudert. Wir haben uns später noch „Männertrip“ angeschaut und ich habe ein wenig über Che Guevara und die momentane Situation in Kuba gelesen. An sich war der Tag ganz entspannt. Limón ist die gefährlichste Stadt in Costa Rica, was für uns bedeutete, dass wir vor Sonnenuntergang wieder da sein mussten. Wir durften nur vor die Tür, wo ein kleiner, alter Basketballplatz war, und das Meer. Was uns auch schon reichte. Morgen geht es aufs Schiff und dann ist mal wieder ein sehr wichtiger und langer Teil der Reise vorbei, die Zeit vergeht immer schneller und man merkt, dass doch nun bald das Ende naht. Kaum zu glauben, wir sind schon seit vier Monaten unterwegs, das müsst ihr euch mal vorstellen.

Ich kriege schon bisschen Bammel vor dem alten Leben und davor, nicht mehr jeden Tag die Leute und das Meer zu sehen. Eins ist klar, ich werde niemals mehr aufhören zu reisen, neue Länder, Sitten und Kulturen zu erforschen. Die Schule kommt zwar um einiges zu kurz, trotz alledem lernt man hier viel mehr, als würde man sich einen Monat lang jeden Tag sechs Stunden an den Schülerpult setzen und den Lehrern zuhören. Das hier ist die Schule des Lebens. Nun ist klar, man muss jeden Tag so genießen als wäre es der letzte, denn jeder Tag ist einzigartig. Jetzt steigt die Aufregung, in einer Woche sind wir auf Utila, Honduras, und gehen tauchen bei dem schönsten Wetter…

Ich werde im nächsten Tagesbericht mit Sicherheit mehr zu berichten haben und werde, versprochen, von meinen Taucherlebnissen berichten. Freut euch schon. So, mein Tag ging zu Ende an einem wundervollen Abend mit meiner Lola im Arm, guter Musik und einem gut tuenden Gespräch, danach ging es ab zu Conni, meiner Schwester, unter die Bettdecke. Ihr hört bald wieder was von mir. In unendlicher Liebe, eure fesche Seemannsbraut, die euch in 85 Tagen wieder beglückt. Grüße an meine Oma, die Mama, den Vater, den Rest der Familie, die Schori und Mascha, an Leander, Paolo, Naima, Tim, Julius und Keanu. AHOI.
Nellie

Thema: Panama/Costa Rica | Comments Off | Autor: admin

Zuckerrohrernte

Donnerstag, 19. Januar 2012 12:51

Datum: 19. Januar 2012
Position: Longo Mai, Costa Rica
Etmal: 15 x den Berg hoch und runter, 2 Strecken mit dem Laster
Wetter: Sonne, 35 Grad
geschrieben von: Nellie Thalbach


Das erste, was ich sah, waren Connis süße verschlafene Augen und ihre geschwollenen Bäckchen, denn es hieß für uns: Zuckerrohrernte – Treffpunkt um 5:30 für alle an der oberen Pulperia! Nach einer eiskalten Dusche, Pancakes und unbeschreiblich frischem und selbst gebrautem Kaffee begaben wir uns zu dem Rest der Gruppe. Ein herrlicher Anblick: Alle hatten ihre Blau- und Grünmänner und Trecking-Schuhe an, bereit für einen langen, harten Arbeitstag. Conni und ich sahen natürlich am besten aus, mit unseren heftigen Strohhüten und stylischen Latzhosen. Doch dann kam die erschütternde Nachricht, dass wir den Sack mit unseren frisch gekauften Macheten im Bus vergessen hatten. Der Busfahrer konnte erst gegen neun kommen und hatte dann sogar noch einen Platten unterwegs. Für uns faule Bande hieß es also wieder ins Bett und dann um elf wirklich ab auf den Laster zur Zuckerrohrplantage. Doch Conni und icke konnten nicht mehr schlafen und haben uns gemeinsam in die warme, aber noch angenehme Morgensonne geflezt und gemeinsam im Gras gelacht und geschnackt. Darüber wie sich alle und alles schon verändert hat und wie gut wir uns mittlerweile alle kennen. Nach ein paar Stunden haben wir uns dann alle zerknautscht wieder getroffen und Jan hatte uns allen noch als Belohnung für die harte Arbeit ein Eis ausgegeben.

Aber erstmal ging es los zum Macheten schleifen. Was sehr aufregend war. Überall Funken, und Fritz durfte auch mal an die Maschine. Angekommen auf der Plantage, wurden wir auf mehrere Felder, sogenannte Manzanas verteilt. Ich hatte das Glück, mit meinem geliebten Mauricio, Conni, Claudio, Lola und Pauline auf einem Feld zu sein. Es war ehrlich eine tolle und interessante Erfahrung! Man stelle sich vor, dass die Arbeiter für einen ganzen Wagen nur 20 Dollar bekommen, für zehn bis zwölf Stunden, bei größter Hitze, Macheten schwingen und Rohr schleppen, was viel anstrengender war, als das Hacken. Nach fünf Stunden durften wir uns dann alle wieder, verschwitzt, dreckig und schlapp, in den Laster setzen. Davor hatte ich noch meinem Feldarbeiter meine Machete geschenkt, denn dort werden diese mehr gebraucht als für unsereins als Touristenmitbringsel, Deko oder Erinnerung. Denn dieses Erlebnis vergisst man sowieso nicht.
Mauricio, Lola und ich haben auf der Rückfahrt hinten unsere Beine rausbaumeln lassen und uns aus dem ratternden Laster zwischen müden Augen und Staubwolken die wunderschöne Natur Costa Ricas angeguckt.
Zuhause angekommen, bekamen Conni und ich mal wieder sehr leckeres Essen und hatten wie jeden Tag unglaublichen Spaß, denn wir sind ein Megateam und denken schon ziemlich gleich, man kann sich nicht vorstellen, wie viel wir gelacht haben und tun.

Später haben wir uns dann zu Mauricio in die Hängematte geflezt. Es war ein  super Tag. Man lernt von Minute zu Minute mehr. Wir hatten einen anstrengenden Tag voll neuer Ereignisse. Man kann sich im kalten Deutschland gar nicht vorstellen, wie viel an einem Tag passiert. Und wie Conni und ich uns abends den Kopf zergrübeln, philosophieren, Lachkrämpfe schieben, gegen Monsterkröten (vor denen Conni Angst hat :D) kämpfen und über all die nicht aufs Papier zu bringenden Dinge diskutieren. Schwer nachzuvollziehen, was hier mit einem passiert. Jeder Tag ist aufs neue eine Herausforderung, es gibt so unfassbar viel zu erzählen und zu berichten, dass ich jetzt mal lieber aufhöre zu schreiben.

Eine Sache noch: Heute ist nicht nur ein mal wieder anstrengender Tag, sondern auch ein besonderer, denn heute hat meine bezaubernde Omi Geburtstag. Alles beste Oma. Ich liebe dich so sehr und sauge all die schöne Natur, Kulturen und Ereignisse für dich mit auf. Natürlich, ganz egal wie toll es hier ist, was mit mir passiert, wie wir uns entwickeln und wieviel Spaß die ganze Crew hier hat, ich freue mich schon wahnsinnig auf euch - küss und lieb immer noch die Berliner und Hamburger Hängers, Keanu, Leander, Paolo, Tim, Naima, Lena und die Pappel Chilla Crew;) Mama und Papa, ich liebe euch selbstverständlich auch. Happy Birthday, Kathi
Nellie

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