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April April

Sonntag, 1. April 2012 19:22

Datum: 1. April 2012
Position: 31° 57,8´ N; 060° 23,5´ W
Wetter: c/b, Sicht gut
Etmal: 165 sm
geschrieben von: Pauline Diercks

Um fünf Uhr in der Früh durfte ich im Dunkeln meine Schuhe, die mit Kreuzknoten am Niedergang befestigt waren, abknoten und zur Wache trotten. Das war der erste lustige Aprilscherz, der auf Franzi P.s Kappe geht. Conni und ich ärgerten uns, was Franzi P. natürlich noch mehr vergnügte. Doch die Rache kam schneller, als sie sich in ihren nächtlichen Träumen denken konnte: Um 7 Uhr liefen Conni und ich schreiend durch alle Kammern und nervten alle Schlafmützen. Ein herrlicher Spaß, wie wir fanden. Doch die anderen waren nicht sehr erfreut. Alle waren zerknirscht. Als Conni dann noch begann, wie ein Affe zu schreien, wurde die kleine Anna ganz schön groß. Sie schmiss uns mit ihren bösesten verschlafenen Blicken aus dem Pumakäfig.

Nach der Wache ging es dann weiter mit unserer Freude, als die neue Englischlehrerin in unsere Kammer kam und verzweifelt nach der Tafel fragte. Conni hatte sie in der Nacht versteckt. Doch „leider“ konnten wir uns am Morgen gar nicht mehr daran erinnern, dass vielleicht wir das waren. Die anderen geplanten Aktionen machten wir dann leider doch nicht, denn es fehlte uns eine wichtige Person. Nicht nur eine super Deckshand war er, sondern auch ein toller Freund. Es hätte bestimmt mehr Spaß mit ihm gemacht. Doch leider haben sich die Dinge so entwickelt, dass wir uns ohne ihn durch den Nordatlantik kämpfen müssen. Den restlichen 1. April erholte ich mich in meiner gemütlichen Koje, die jetzt dank eines sehr lieben Mädchens, das ich schrecklich doll vermisse und dem ich sage, dass es so schnell wie möglich wieder gesund werden soll, mit fünf Kissen ausgestattet ist. Hier schlafe ich nun mit meinem neuen Lieblingsschal und der kuscheligsten Jacke der Welt.

Liebe Lola, ich vermisse dich sehr. Werde bitte wieder gesund und komme dann schnellstmöglich wieder an Bord. Wir brauchen dich…aber vor allem ich! Mauri, auch du wirst hier sehr vermisst. Conni und ich wünschten, dass auch du hier wärst. Der Sturm wird immer schlimmer, und wir bräuchten nicht nur dich mit deiner Muskelkraft, sondern vielmehr als den guten Freund, der du für uns geworden bist in der letzten Zeit. Zu guter Letzt darf die liebe Kimi nicht vergessen werden, denn wir haben deinen Brief erhalten und wünschen dir alle eine gute Besserung. Wir vermissen dich und deine gute Laune! * NÖ *

Hannes, ich freue mich sehr, dass ich bald wieder bei dir sein kann. An meine Lieben Zuhause: schon ganz bald bin ich wieder da, lasst schon mal das heiße Wasser in die Badewanne laufen. Danke. Vermisse euch sehr.
Eure Pauline

P.S.: Grüßt mir Opa ganz lieb!

Thema: Nordatlantik | Comments Off | Autor: admin

Schatzsuche auf den Bahamas

Montag, 19. März 2012 21:26

Datum: 19. März 2012
Etmal: 142 M
Position: 26°17,6′N, 079°00,4′W
Wetter: bewölkt, aber trotzdem sonnig (heiter)
geschrieben von: Pauline Diercks

Aus gesundheitlichen Gründen - ein Arztbesuch stand für einige an - liefen wir dann doch die Bahamas an. Die Freude über den Besuch des Landes war genau so groß wie die anschließende Enttäuschung. Alle stellten sich die Bahamas wie folgt vor: weiße, kilometerlange Sandstrände mit blau-türkisfarbenem Meer und Kokospalmen. Die Jungen erhofften sich wohl auch einige Blicke auf die Bikinischönheiten. Doch leider blieb dies fürs erste aus. Wir liefen in einem Industriehafen ein. Vor dem Eingang wurden wir von Bohrinseln empfangen, was außer Robert keinen beglückte. Weiter ging es mit so einigen großen Kreuzfahrtschiffen. Doch mitten zwischen den Kolossen begrüßte uns eine alte Bekannte, die Alexander von Humboldt. Diese hatten wir schon auf dem Probetörn gesehen, und wir freuten uns, das ehemalige Beck´s-Schiff in der Karibik wiederzutreffen. Wir wurden von der Alex beim Einlaufen mit dem Typhon begrüßt und fuhren dann weiter, an den Containerschiffen vorbei, bis in die letzte Ecke des Hafens. Hier war es schön ruhig und gut bewacht.

„Anlegen“ war das Kommando. Die Schmeißleine warf ich wie ein Profi an Land, wo dort ein netter Gabelstaplerfahrer sie annahm. Währenddessen schmiss mein Wachführer unbedacht die ganze Festmacherleine inkl. Palstek über Bord ins Wasser. Unsere 5 Monate auf See machen sich wohl mittlerweile bezahlt. Das Schiff lag nun fest am Kai, und wir machten uns fein für den Landgang. Ich stand gerade unter der Dusche, da schrie es durch die ganze Johnny: „Der Schatz ist gefunden! Alina hat den HSHS-Schatz gefunden! Alle in die Messe, wir machen ihn jetzt gemeinsam auf.“ Der HSHS-Schatz ist eine alte Tradition. Jedes Jahr wird ein neuer versteckt. Die Schüler verstecken für ihre Nachfolger einen Schatz irgendwo auf dem Schiff. Endlich hatten auch wir diesen Schatz gefunden. Ich sprang also aus der Dusche, wickelte mich in ein Handtuch ein und war sehr gespannt. Schließlich hatten wir fast 5 Monaten lang gesucht. Conni, Henrike und ich hatten sogar schon mal in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine Deckenplatten im Pumakäfig aufgeschraubt, da wir dort den Schatz vermuteten. Dies war leider vergebene Mühe, denn der Schatz war ganz simpel im Staubsaugerschrank versteckt (hier wird deutlich, wie sehr wir uns für den Staubsauger interessieren).

Wir öffneten die kleine, schwarze, sehr mystisch aussehende Truhe voller Erwartung…und blickten auf den goldenen Schatz! Es waren viele verschiedene Süßigkeiten. Wir freuten uns alles sehr, denn durch das Mitbringselgekaufe sind viele inzwischen pleite und können sich keine eigenen Süßigkeiten mehr kaufen. Anschließend fuhren die Kranken ins Hospital zur Untersuchung, und es wurden Medikamente besorgt, damit sie wieder fit für die Rückfahrt werden. Die Übrigen machten sich einen schönen Nachmittag im Hafen. Einige von uns statteten der Alexander von Humboldt einen Besuch ab. Conni, Mauricio und ich bauten uns ein Freiluftkino auf den Segelsäcken: Mit Laptop, Wolldecken und Kombüsenboxen machten wir uns es gemütlich. Spät am Abend trafen die Krankenhausbesucher endlich wieder ein, im Gepäck die eine oder andere Schauer- und Heldengeschichte. So endete auch dieser Tag. Mein erster Tag auf den Bahamas.
Eure Pauline

P.S.: Lieber Papa, ich hoffe, du hast meine Nachricht erhalten. Trotzdem wünsche ich dir auch auf diesem Weg alles erdenklich Liebe und Gute zu deinem Geburtstag. Ich hoffe, du hattest auch ohne mich einen tollen Tag und hast deinen Ehrentag genossen! Ich hab dich sehr lieb und habe ganz doll an dich am 19. gedacht!
Auch ganz liebe Grüße an alle anderen, die ich so sehr vermisse! Bald bin ich wieder da, und ich freue mich schon sehr auf euch! Wir sehen uns schon in wenigen Tagen wieder. Ich hoffe, ihr habt mich noch nicht vergessen.
Lieber Opa, ich habe hier viele Karten an dich geschrieben, konnte sie nur noch nicht abschicken, da ich nicht so viel Geld für Briefmarken habe. Aber sie kommen. Versprochen!

Thema: Nordatlantik | Comments Off | Autor: admin