99 Days Later

Datum: 10. August 2014
Position: irgendwo zwischen Berlin und Trier
Etmal: ca. 250sm
Wetter: wechselhaft

ferry_jurian[zu dem Bericht wird als Begleitung die Titelmusik von "28 Days Later" empfohlen]

Da ich euch allen eigentlich noch einen Bericht schulde, kommt dieser nun hier und beginnt jetzt: 99 Tage nach dem Ausbruch der gefährlichen Infektion namens EDL (EveryDayLife) schreibt der ehemalige 1. Steuermann in sein nicht vorhandenes Tagebuch: 100% der Besatzung ist dem Alltag zum Opfer gefallen. Einfach so.

Wir haben viel spekuliert was nach High Seas passieren wird, ob es überhaupt etwas danach gibt oder ob am 3. Mai nicht vielleicht so etwas wie 2012 passieren würde, als die Welt unterging. Wahrscheinlich bedeutete der 3. Mai für die meisten Menschen auf dem Planeten damals genauso wenig wie der Weltuntergang 2012. Für uns High Seasler bedeutete dieser Tag das Ende einer Ära, einer außergewöhnlichen Zeit, aber dabei auch einen Neuanfang wie die Maya auch über 2012 sagten. Ich hoffe ihr versteht in etwa was ich meine.

Das Wort Ende lässt sich allgemein nicht so einfach definieren, denn es ist komplexer als man denkt und weniger über den Spruch: “Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei” zu erklären, wobei diese Definition schon einige kulinarische Erkenntnisse über längliche Fleischprodukte liefert die hier aber nicht von Belang sind, sondern vielleicht mehr über den von Käpt’n Peng von den Tentakeln von Delphi höchst philosophisch parodierten Spruch “Das Ende ist nah” als “Der Anfang ist nah” festzumachen (aus dem gleichnamigen Lied).

Da die Zeit nach High Seas zumindest anfangs ganz schön hart für den ein oder anderen war, bevorzugte ich den Namen Ende für den 3. Mai. Auf lange Zeit gesehen kann man vielleicht auch darüber nachdenken, ob diese Fahrt unseren Charakter und unser Leben nicht so weit verändert hat, sodass ab dem 12. Oktober 2013 nicht vielleicht einfach alles High Seas ist:
Wir trotzen den harten Papierstürmen in der Schulzeit, den heftigen Flauten des Nichtstuns in den Ferien. Aber niemand erlebt diese Sachen so wie wir. Es ist ein bisschen so wie bei “The Sixt Sense”, doch nicht so, dass wir Geister oder sowas sehen können sondern unser sechster Sinn ist der Seefahrer-Sinn. Wir sehen keinen Kabelsalat mehr hinter unseren PCs, wir sehen einen Haufen unaufgeschossene Leinen. Wir rufen nicht den Notdienst, wir rufen laut Mayday Mayday Mayday. Unser Putztag heißt Großreinschiff, wir räumen nicht die Spülmaschine aus, wir spülen selbst per Hand und sagen dann Backschaft dazu. Wenn wir etwas in der Schule nicht wissen, dann haben wir nicht nicht aufgepasst, wir hatten einfach Backschaft als das fehlende Wissen vermittelt wurde.

Ein Ende ist allerdings wirklich vorerst präsent, nämlich das der körperlichen Arbeit, die auch wirklich einen Sinn hatte. Alles Gewichte stemmen und joggen ist nichts gegen das Hochziehen eines Großsegels/Schoners/Vorsegels, denn es hat einfach zunächst einmal keinen unmittelbaren Sinn. Ich denke vielen fehlt diese Arbeit sehr, denn es gibt Tage da macht man ja theoretisch unglaublich viel, nur bewegen muss man sich leider nicht unglaublich viel dafür und das kann die meisten von uns auf Dauer nicht zufrieden stellen, denke ich.

Ich grüße alle Highseas’ler 13/14 und auch alle sonstigen, besonders Vera, JLO, meinen Blutsbro Nico, Leon, Lennart, Julia, Käpt’n Anton, Feli, Charlie, Henry, Lea, Freya, Toni, Amelie, JP, Pauli, Franka, Jonah, Tabea, Arthur, Noks, Eva, Jasmin, Genosse John, Vicky, Wulf, Georg, Daniela und Jörg. Außerdem noch Grüße an Norbert, Ulli und Brigitte, Ollie und Malte, Uwe Lohmeyer und Achim Quaas und alle Clipper-Besatzungsmitglieder. Ich glaube das war’s dann erstmal von mir. Ich wünsche schöne Sommertage und mir persönlich das Lied, naja ihr wisst schon welches. Have fun…
Juri

Von Jan Henke an die HSHS 13/14

Datum: 5. Mai 2014
Position: Hamburg
von Jan Henke-Oltmanns

henke_janLiebe Elterndanke! Ein ganz herzliches Dankeschön für den tollen Empfang, den Sie uns bereitet haben! Dankeschön für die vielen tollen Geschenke von den wirklich schönen, gravierten Pokalen über köstliche Schokoladen und zartes Gebäck, delikate Würste und feine Getränke bis hin zu praktischen Taschenmessern und dem lustigen Chill-mal-Dein-Leben-Kartenset-hoch2 – das war am Samstag wie Weihnachten, nur dass ich noch etwas sprachloser war… Anbei ein Foto der Karte aus jenem Kartenset, die ich per Zufall am Samstag als erste gezogen habe.

bild_herrlichVielen Dank aber auch für das Vertrauen, uns Ihre Kinder für so lange Zeit mitzugeben, – für die meisten von Ihnen erstmalig – Loszulassen und für Ihren emotionalen und finanziellen Einsatz, ohne den das Ganze kaum möglich gewesen wäre!

“Zwei Dinge sollen Eltern ihren Kindern geben: Wurzeln und Flügel”, hat Goethe gesagt. Passender kann man kaum ausdrücken, was Sie am 12. Oktober letzten Jahres und am vergangenen Samstag getan haben. Danke auch dafür.

Weiterhin, und “last but not least” möchte ich mich im Namen der Vereine “Crew an Land” und “Clipper DJS” für die großzügigen Spenden bedanken, die eine ganz konkrete Hilfe bei der Umsetzung der nächsten Ziele sind. Der Clipperanteil soll größtenteils in die Werftarbeiten zur Wiederanbringung der Breitfock der “Johnny” fliessen. Das ist die Rah, die – während wir noch dort am Mississippi waren – an Bord geladen wurde, damit sie nun in der Werft wieder sicher am Schonermast befestigt werden kann. Spätestens bei der nächsten Atlantiküberquerung wird das neue Segel dann so einige Meilen unter Motor ersparen und der Besatzung ruhigeres Reisen unter Segeln ermöglichen, sowie jede Menge Diesel und damit Abgase und Geld sparen. Die gewaltige Spende von 1.650,- € direkt an den Förderverein der HSHS und einigen hundert Euro Einnahmen durch den Verkauf von Longo Mai-Kaffee und HSHS-Kleidung bildet den Grundstock für ein nun greifbar gewordenes Stipendium eines zukünftigen HSHS-Teilnehmers.

Liebe Schülerinnen und Schüler, auch an euch ein Dankeschön von Herzen für soviel Offenheit, Entgegenkommen, Interesse, Appetit auf Baleadas, Reis und Bohnen, Motivation, eine geniale Expi, entspannte Schüler, Verständnis, Durchhaltevermögen und nicht zuletzt auch die eine oder andere kritische Frage und Reflektion – ohne die hätte ich in den letzten Jahren nicht so viel über mich und die Welt gelernt!

Insgesamt war das gerade für mich ein ganz besonders schöner Abschluss meiner zehn Jahre Arbeit mit und für HSHS, so dass ich am Liebsten so (aber auch nur so und nur mit euch!) weiter machen würde! Wir sehen uns spätestens im Oktober zum Abschied eurer Nachfolger!

Es hat einige Pressereaktionen auf den Empfang gegeben. Folgende Veröffentlichungen sind uns bislang bekannt:

hshs_jeverWBL_web

www.shz.de/lokales/norddeutsche-rundschau/unterricht-auf-see-fliegende-fische-sezieren-id6436296.html

www.tageblatt.de/lokales/hamburg.html  (LogIn notwendig)

www.yacht.de/panorama/news/rueckkehr-nach-sieben-monaten-auf-see/a88509.html

www.boot.de/cipp/md_boot/custom/pub/content,oid,46062/lang,1/ticket,g_u_e_s_t/~/Segeln_%3Cbr_%3EJugendliche_kehren_nach_sieben_Monaten_auf_See_zur%C3%BCck.html

www.internate-portal.de/newsdetail_das_segelnde_klassenzimmer_auf_seiner_letzten_etappe_zur%C3%BCck_nach_hamburg__133.html

www.mediamaritim.de/blog/2014/04/30/segelndes-klassenzimmer-aus-der-karibik-zurueck/

www.bild.de/regional/hamburg/weltreise/sieben-monate-mit-schuelern-unterwegs-35796862.bild.html

www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/16-jaehriger-gelsenkirchener-segelte-in-sieben-monaten-um-die-welt-id9348182.html

http://harlinger.de/Nachrichten.aspx?ArtikelNr=17385

Beitrag aus der Ostfriesenzeitung (PDF)ostfriesenzeitung_hshs_web
“Segel-Klasse wieder auf festem Boden”

Falls Sie noch weitere Links, Bilder oder Kopien von Artikeln haben, teilen Sie mir das bitte kurz mit. Ich wünsche Ihnen und euch weiterhin ein “gutes Ankommen” zuhause, alles Gute für den vor uns liegenden Sommer und die Zukunft – und bis bald!
Ihr Jan Henke Oltmanns