Mein erster Tagesbericht, den ich ganz alleine schrieb

Datum: 16. Juni 2015
Position: 47°47,01’N, 009°36,54’O
Wetter: tiefe 8/8 Bewölkung, leichte (nicht mehr salzige) Brise, 18°C
Etmal: viel zu wenig
von Theresa R.

TheresaRAch ja! Das war es also, High Seas High School 1415?!?! Ich kann und will es nicht glauben. Beim Auslaufen in Hamburg vor nun mehr als 206 Tagen war ich froh, dass ich mit dem Realisieren nicht so schnell hinterher kann, schließlich war ich eine, die sich Tage davor noch schlimmste Bilder ausmalte und einige Zweifel hatte. Jetzt schaue ich auf die Tage zurück und kann es nicht fassen, alle Zweifel waren unbegründet. Wir dachten, wir kannten uns, doch eigentlich waren wir uns noch so fremd, ein verrückter Haufen aus 26 Schüler und Schülerinnen, die sich kaum eine Woche kannten, stachen für sieben Monate in See, um eine Reise zu beginnen.

Unsere Erwartungen waren groß, die Aufregung auch. Wir liefen aus, die ersten wurden seekrank, andere bekamen schon den ersten Sideboardinhalt auf den Kopf, die anderen hatten Backschaft und andere schauten noch mit Tränen in den Augen der Elbphilharmonie hinterher, bis jemand kam, um einen zu trösten. Das erste All-Hands, bei dem wir alle noch sichtlich unbeholfen waren, der erste Landaufenthalt, wo die ersten schon ihren zweiten Eintrag abholten, andere W-LAN suchten, um möglichst alles schon Erlebte ganz genau Familien und Freunden zu erzählen… Sorgen, die man nicht wirklich Sorgen nennen kann, Diskussionsthemen, die einen nur den Kopf schütteln lassen, wenn man daran denkt. Es lässt einen lachen, dass ich Zug gerade komisch an geschaut werde und wie so oft hier meine HSHS-Familie vermisse und mich zurück ins „Pura Vida“-Leben wünsche. Im Vergleich zu Deutschland war es wie eine andere Welt (was auch einfach daran liegen mag, dass hier alles so unglaublich ordentlich, sauber, pünktlich, durchgeplant aber auch dunkel und eher auf sich bezogen läuft). Ich vermisse das Segeln, salzige Luft, Wellen und sogar den Seegang, der doch immer so verhasst war. Außerdem den Horizont aus Wasser, von dem man sich fragte, was wohl danach kommt? Schon bald wussten wir: noch mehr Horizont.

Dieser „Weltenwechsel“ von eingespieltem, bald alltäglichem Bordleben und Land mit Medien, somit zuhause, andere Länder und Kulturen war nicht immer leicht, aber auch das, was High Seas ausmachte! Wir wurden zum eingespielten Team. Ich will nichts schön reden, denn es gab auch immer wieder Stress und schlechte Tage, an denen man sich sehnlichst an den Luxus zuhause erinnerte und somit den 2. Mai herbei sehnte. Trotzdem versuchte ich, nachdem ich zu realisieren begann, immer wieder den Moment zu genießen und so viel wie möglich mitzunehmen, was mir vermutlich heute ein fettes Lächeln bringt! Dafür bin ich echt dankbar, doch immer noch frage ich mich, warum das denn alles so plötzlich vorbei sein kann, obwohl wir alle doch soviel gemeinsam erlebt haben? Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin selbst nach dieser Zeit zuhause immer noch nicht ganz angekommen und frage mich, wann der Landaufenthalt wohl vorbei sein wird und wir endlich wieder alle in See stechen können? Wir verbrachten die letzten siebeneinhalb Monate dort, wo wir uns bestimmt noch manchmal in unserem Leben hin wünschen wollen. Das ist jetzt leider nur noch eine Traumwelt, denn unsere Zeit auf High Seas ist vorbei.

Mein Leben hat sich dadurch verändert und ich wage zu behaupten, erwachsener geworden zu sein. Manche Menschen haben sich auch im alten Zuhause verändert, oder auch einfach nur ich, mit meinem neuen, etwas anderem Blickwinkel auf Dinge. Ich habe ich durch den Törn manche Menschen verloren, leider, dafür habe ich aber etwas anderes dazu gewonnen: Freunde fürs Leben!!! Wir haben so vieles gemeinsam erlebt das ich das nie auf Papier bringen könnte, geschweige denn, alles erzählen: Nur wir wissen, wer wir sind, was wir erlebt haben und das ist gut so!

Eines ist sicher: egal was in meinem Leben noch so auf uns zukommt, wir haben Menschen, mit denen wir was erlebt haben und auf die wir uns verlassen können! Auch nach High Seas werden wir hoffentlich (also eigentlich sicherlich!;D) noch viele Plätze besuchen, Dinge tun und Spass haben – schön sind wir ja schon!:D

Ich danke Anï, Flo, Camillo, Julian, Oskar, Lena, Konsti, Magali, Anna R., Justin, Johann, Teddy, Finn, Flu, Iphi, Johanna, Becci, Anne-Marie, Anna S., Jerry, Timmi, Ines, Jojo, Zoe, Nolting für diese geniale Zeit! <3

Aber auch unseren Lehrern fürs Ertragen und allen lieben Lesern. Also haltet die Ohren steif Freunde, bis dann!
Liebe Grüße, eure Rhesi

Ist es jetzt vorbei?

Datum: 1. Juni 2015
Position: 51°23,08’N, 007°00,5’E
Wetter: 3/8 bewölkt, 18°C, ab und an sonnig -> typisch deutsches Wetter
Etmal: 0,8sm, wenn man alle Wege, die ich heute zurückgelegt habe berücksichtigt -> Rewe, Kueche, mein Zimmer…
von Anï

AnaisGLetzten Tagesbericht schon geschrieben? Von wegen! Jetzt, nachdem ich schon über einen Monat wieder zu Hause bin, habe ich mich natürlich  eingelebt, aber am liebsten würde ich gleich wieder weiter reisen. Alles in allem kann man auch sagen: zu Hause ist es doch ganz schön ;-) Endlich mal wieder Frühstück ans Bett gebracht bekommen, oder einfach mal krank zu Hause sein und nicht bei der Backschaft helfen zu müssen, oder zu irgendeinem “All-hands” gerufen zu werden -das ist mal ganz angenehm.

Trotzdem, bedeutet es auch: nicht mehr alle paar Tage ein neuer Ort zum erkundschaften. Nicht mehr die Tage auf See, die uns immer noch ein Stück mehr zusammengeschweißt haben. Nicht mehr in der Kombüse stehen und für 40 Mann kochen und Backen und auch nicht mehr stundenlang bei Wind und Wetter am Ruder stehen und die Seeluft genießen, oder Abends beim Lagerfeuer beisammen sitzen, Gitarre spielen und singen! Wie kann man so ein Leben nicht vermissen??! (Das war nicht mal ein Viertel von dem was ich noch alles hätte aufzählen können, aber ich will ja niemanden neidisch machen :-P)  An einige Sachen müssen wir uns jetzt wieder gewöhnen, wie zum Beispiel daran, dass wir nicht mehr mit unseren “Schiffs-Spitznamen” gerufen zu werden, die in diesen 7 1/2 Monaten ein Teil von uns geworden sind.

Doch vorbei ist es nicht, wir haben nach wie vor viel Kontakt, besuchen uns gegenseitig und unsere Erinnerungen leben mit uns. Ich grüße ein letztes Mal alle, die unsere Tagesberichte verfolgt haben, und alle meine ehemaligen Mitsegler, oder sollte ich jetzt “Altfahrer” sagen?

Es war eine unvergessliche Zeit, manchmal getrübt von Krankheiten und schlechter Laune aber größtenteils durch die Zusammenarbeit, durch die unvergesslichen Momente miteinander, bis jetzt mit die beste Zeit unseres Lebens!

Hasta luego
Anï

"Das segelnde Klassenzimmer"