Gedanken…

Datum: 8. Dezember 2017
Position: 15°03,9’N, 043°12,6’W
Etmal: 101 NM
Wetter: Wasser 27°C, Luft 27°C, Windstärke 4
von Greta

Ich sitze gerade auf der Brücke, nachdem ich eine außergewöhnlich lange und anstrengende Backschaft hinter mir habe, um einfach mal ein bisschen runterzukommen. Wir fahren im Moment unter Segeln, mit 6,5 Knoten, Windstärke 5, 3 Meter Wellen und mit Kurs 270 genau in Richtung Martinique. Ich lege meinen Kopf in den Nacken und schaue mir den klaren Sternenhimmel an, während ich mich von der Roald schaukeln lasse und denke nach… Manchmal fragt man sich, warum man überhaupt hier ist, wenn man genauso gut zu Hause sein könnte. Zu Hause dreht sich nämlich nicht der ganze Tag nur darum, zwischen Schule, Wache, Essen und den anderen Sachen, die man noch so machen muss, irgendwie genügend Schlaf und ein bisschen Zeit für sich selbst zu bekommen. Aber diese Gedanken gehen schnell wieder vorbei, denn egal wie anstrengend ein Tag war oder welche Sachen man erlebt hat, die vielleicht nicht so toll waren, man wird immer mit schönen Ereignissen dafür entlohnt. Außerdem gehören diese Dinge zu unserer Reise dazu, denn es kann nicht immer nur alles schön sein, und das ist es auch sicher nicht, aber es ist trotzdem ziemlich oft echt toll! Heute zum Beispiel haben wir eine Party an Deck veranstaltet, wir haben unsere Lichterkette aufgehängt, es gab Saft als “Cocktails” und DJ Muddastadt (Isa) hat für Musik gesorgt. Alle waren da, haben getanzt und fröhlich mitgesungen (manche mehr, andere weniger). Solche Aktionen bringen allen Schülern viel Spaß und es waren sogar ein paar Lehrer und Stammmitglieder dabei.

Also rundum eine gelungene Party, trotz kleinen Behinderungen durch Seegang und Gischt, die übers Deck kam, aber gerade dadurch hatten wir eine witzige Stimmung. Was ich persönlich hier am schönsten finde, sind die “alltäglichen” Sachen, wie die Natur, die jeden Tag da – und doch immer so facettenreich ist. Am meisten beeindruckt mich das Meer, man kann es ewig beobachten und es ist jeden Tag anders: Die Farbe, der Rhythmus, die Geräusche, die Wellen mit ihren Schaumkronen … Manchmal ist es ein spiegelglatter Ententeich und an anderen Tagen schmeißt es die Roald nur so hin und her, während Wellen aufs Deck schlagen. Doch trotzdem ist es für uns irgendwie alltäglich, denn ohne das Meer wäre diese Reise gar nicht möglich, und wir fahren schon wochenlang auf ihm.

Wenn ich mir manchmal Gedanken darüber mache, was nach High Seas ist, habe ich Angst, diese alltäglichen Sachen zu vergessen und mich vielleicht nur an die ganz besonderen Erlebnisse erinnern zu können. Es erscheint einem unmöglich, all die Sachen, die wir hier erleben, in seinem Kopf zu behalten, auch wenn man jeden Tag Tagebuch schreibt, um möglichst keine Erinnerung zu verlieren. Aber irgendwie ist es auch egal, denn bald sind wir schon 2 Monate unterwegs und in diesen 2 Monaten haben wir so viele Erfahrungen gesammelt, haben unsere Ängste überwunden und sind über uns hinausgewachsen. Deshalb ist es im Endeffekt dann nämlich auch egal, an welche Details wir uns erinnern werden und an welche nicht, denn es ist sicher, dass wir diese Reise in Erinnerung behalten werden, weil sie uns prägt und immer ein großer Teil von uns bleiben wird.
Greta

P.S.:
1. Viele Grüße an Sophie, ich denke ganz viel an dich und vermisse dich! Hab dich lieb! (P.S. Grüß bitte auch deine Familie und unsere Freunde ganz lieb von mir.) (Greta)
2. Ganz liebe Adventsgrüße mitten vom Atlantik ins kalte Deutschland an alle, die einen Platz in meinem Herzen haben Bei euch ist es wahrscheinlich viel weihnachtlicher als hier bei 28° Lufttemperatur und Sonnenschein Fühlt euch alle ganz fest gedrückt und geknuddelt – ich vermisse euch! (Annika)
3. Ich grüße meine liebe Familie und wünsche euch eine schöne Adventszeit! Ich denke viel an euch und vermisse Stollen und Kekse (Johanna)
4. Liebste Grüße Anjuta von Jü, habt alle eine schöne Adventszeit in Spb.
5. Happy Birthday & einen Geburtstags-CuS Jan (veRena)

Brand unter Deck?

Datum: 25. Oktober 2017
Position: 50° 00,9’N, 004° 37,0’E
Etmal: 67 NM
Wetter: Wasser 14°C, Luft 15°C, Wind 1 Bft.
von Greta

Mein Tag begann heute um 7 Uhr, ich wurde von der 4-8 Wache zum Frühstück und meiner anschließenden Wache geweckt. Nach einem leckeren Frühstück machten wir den Wachwechsel am Spill an Deck. Meiner kompletten Wache war nach ein paar Minuten an Deck sehr warm, da wir alle mit den Worten: “Es ist mega kalt draußen” geweckt worden sind. Dies bewahrheitete sich doch nicht so ganz. Als erstes bekamen wir von Trixi, unserer Steuerfrau der Wache 3, die Anweisung die Royals zu setzen. Dafür kletterte die Hälfte unserer Wache in den Großtopp und die andere Hälfte, einschließlich mir, in den Vortopp. Oben genossen wir einen herrlichen Ausblick, denn wir hatten endlich mal wieder schönes Wetter, und die Sonne bahnte sich am Horizont an. Als wir alle wieder gesund und munter unten ankamen, setzten wir dann auch beide Royals.

Als wir gerade fertig waren, entdeckten wir ganz viele Delfine neben der Roald, und sofort eilten alle an die Reling, um sie zu beobachten. Heute hatten wir mit den Delfinen besonders Glück, denn wir hatten ungefähr 15-20 Delfine um uns herum, die sehr viel Spaß daran hatten, uns zu begleiten. Danach haben wir in unserer Wache zum ersten Mal den Jager/Flieger gesetzt. Dafür erklärte Johanna (unsere Toppsgastin) uns zunächst ganz genau, wie das funktioniert, und wir sind auf den Klüverbaum gegangen, um den Jager/ Flieger auszupacken und zu schiften, da er das einzige Vorsegel mit nur einer Schot ist. Somit hatten wir dann fast alle Segel außer die Groß und das Bramstag gesetzt. Kurz vor dem Ende unserer Wache mussten wir das Briggsegel und das Großstengestag wieder bergen, da wir achterlichen Wind bekamen.

Um 12:00 konnten wir nach dem Wachwechsel endlich unser lang ersehntes Mittagessen draußen auf der Brücke genießen, sogar ohne dick in Ölzeug eingepackt zu sein, da es heute sehr angenehm warm und der Wind total eingeschlafen war. Im Moment segeln wir mit 0,4 Knoten rückwärts wegen totaler Flaute und Strömung von vorne. Das ist sehr ungewohnt nach den vielen Sturmtagen. Aber ich denke, dieses milde Wetter tut uns allen auch mal ganz gut. Trotzdem ist es ein bisschen nervig, da man überhaupt nicht vorwärts kommt.

Gerade als wir alle mit dem Mittagessen fertig waren, ertönte unangekündigt der Generalalarm und alle stellten sich sofort wachweise am Spill auf. Nach 3 Minuten wurde die Vollzähligkeit festgestellt und nach 5 Minuten war die Einsatzgruppe in voller Montur bereit, ein eventuelles Feuer zu löschen. Die komplette Übung hat eigentlich sehr gut geklappt, und Thomas war sehr zufrieden mit uns!
Greta

1) Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Sven! (Jerit)
2) Lydia grüßt das Rudel, Ferdi, ihre Familie und Jeremias (ich hoffe sehr, du liest Blog, wie versprochen). Außerdem alle Menschen die ich mag
3) Freyja Sif sendir astarkvedjur heim til islands!!
4) Theo B. grüßt seine Familie und seine Klasse, ich hab euch nicht vergessen
5) Ich grüße meine Familie und meine Freunde (Janis)