Schiffe im Vergleich & Zufriedenheit an Bord

Datum: 16. November 2017
Position: 28°27,9’N, 016°14,67’W
Etmal: 111 NM
Wetter: Wasser 22°C, Luft°25 C, Wind 1 Bft.
von Laurine

Heute Morgen um 4:00 Uhr wurde beim Wachwechsel zum zweiten Mal ein Geburtstagslied auf der Roald gesungen. Diesmal für Jürgen (einer unser drei Topsgasten), der nämlich heute Geburtstag hat! In der 4-8-Wache hatten wir im Verhältnis zu den vergangenen Tagen und Wochen auf See wenig Wind. Da das leider zu wenig Wind zum Segeln war, sind wir zwischen den Kanarischen Inseln “motort” (“motort” bedeutet, dass wir komplett ohne Segel und nur mit der Maschine fahren). Dabei konnten wir neben ein paar Sternschnuppen, einen wunderschönen Sternenhimmel mit einem anschließend mindestens genauso schönen Sonnenaufgang bewundern. Das Highlight war außerdem, dass man mittlerweile in Jogginghose und Pulli zu den Nachtwachen kommen kann – gemäß unserem Motto: “Ab in den Süden – der Sonne hinterher…”.

Zu unserer Wache sollten wir alle unser Ausbildungsheft für “Deckshände” (eine “Deckshand” kann man mit einem Matrosen vergleichen) mitbringen, in dem unser “Ausbildungsstand” auf Traditionsschiffen festgehalten wird. Andreas hat um 6:00 Uhr morgens – denn so früh kann man das ja am besten – in Zweiergruppen ein paar Fragen zu den Themen “Sicherheit an Bord”, “Seemannschaft”, “Backschaft” und Sozialkompetenzen gestellt. Auch hat Andreas noch überprüft, ob wir verschiedene Arten von “Seemannsknoten” können. So haben wir Häkchen einsammeln können, mit denen unterschiedliche “Kompetenzbereiche der Deckshand” abgehakt bzw. verzeichnet werden. So sind wir der nächsten Stufe, Deckshand werden zu können, schon etwas näher gekommen. Mit dem Sonnenaufgang konnte man auch die Umrisse von Gran Canaria und Teneriffa sehen und auch bald danach den Pico de Teide (auf Teneriffa), den wir in den nächsten Tagen erklimmen werden.

Nach einem erneuten Wachwechsel zwischen Wache 2 und 3 um 8:00 Uhr konnten wir endlich ein schönes Frühstück in der Messe essen. Leider war heute unsere letzte 4-8-Nachtwache in dieser Konstellation (Tom L., Theo M., Nico, Benedict, Janis, Rosa, Vroni, Theo B., Tamina und ich), denn ab Teneriffa wird es neue Wachen geben. Nach dem Frühstück schlafen alle aus der Wache 2 meistens noch ein paar Stunden bis zum Mittagessen oder länger, aber heute nicht – denn um 9:30 Uhr kam der uns schon vertraute “ALL-HANDS-an-Deck!-Ruf”. Also konnten wir leider nicht unseren Schlaf nachholen. Das “All-Hands” beinhaltete das Anlegemanöver an der Pier in Santa Cruz de Teneriffe. Dazu wurde wieder zuerst das Dinghi ausgesetzt, damit das Leinenkommando (bestehend aus 2 Schülern; heute waren es Greta und Lukas) mit dem Dinghi an die Pier gebracht werden konnte.

Nach einem gelungenen Anlegemanöver hatten wir nun mit der Steuerbordseite an der Pier festgemacht und liegen jetzt neben der “Thor Heyerdahl”, der “Eye Of The Wind” und der “Thalassa”. Da die Sonne hier schon extrem warm ist, haben wir erst einmal das Sonnensegel über dem Deck aufgespannt. Dann hatten wir ein wenig Schatten, worüber sich alle gefreut haben. Ein wenig später gab es ein erneutes “All-Hands”, welches sich aber schnell als “All-Hands-Info” entpuppte: Von Verena wurde uns der Plan für die nächsten Tage auf einem großen Blatt Papier schön illustriert dargestellt. Außerdem hieß es, die Segel hafenfein zu packen und noch andere Dinge zum Schiffserhalt beizutragen und zu erledigen. Aber zuerst: Mittagessen! Bis zum Kaffee & Kuchen um 15.30 Uhr waren dann alle Segel schön gepackt und es waren so gut wie alle Schiffsarbeiten erledigt. Als alles fertig war, hat uns das Landgangteam, bestehend aus Rosa, Andy und Nico, über Sehenswürdigkeiten, Strände und Einkaufsmöglichkeiten hier in Santa Cruz und teilweise auch in Los Cristianos informiert. Dann wurde der Nachmittag und der Abend bis 22.00 Uhr für Landgang freigegeben.

Für diejenigen, die wollten, ergab sich die Möglichkeit, auf der “Thor Heyerdahl” herumgeführt zu werden. Es wurden natürlich sofort viele Vergleiche gezogen und geschaut, was dort an Bord anders ist als hier bei uns auf der Roald. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Schüler dort einfach mehr Platz haben (Thor: 14 Fächer für 4 Personen – bei uns: 4 Fächer für 4 Personen…). Das liegt zum Teil auch daran, dass das Schiff einfach anders konzipiert ist, und deshalb die Platzaufteilung verschieden ist. Mit Vroni zusammen hatte ich dann noch von 16:00-18:00 Uhr Hafenwache. Hier in Santa Cruz haben wir nur ca. 1-2 Meter Tidenunterschied, das heißt: Wir mussten die Gangway nicht viel fieren bzw. holen und die Schamfielmatten, die die Festmacherleinen vor Beschädigungen schützen, zurechtrücken. Nach meiner Wache sind Theo M., Janik und ich in Richtung Stadt gegangen, die wir uns nach einem kleinen Snack bei McDonalds angeschaut haben. Wir sind an vielen kleinen schönen Plätzen vorbeigekommen. Es war wieder einmal ein schöner Abend, der sehr lustig war.

Zurück an Bord kam Eike auf mich zu und hat mir die Ereignisse der letzten Stunden innerhalb seiner Wache erzählt: Um 20:00 Uhr kam per Funk ein “MayDay-Signal” von einer Yacht mit zwei Menschen, die sich zwischen Fuerteventura und Teneriffa befand. Allerdings konnten wir dort nicht helfen und so haben Eike, Rasmus und Jerit einfach dem Funkgespräch (soweit es auf Spanisch eben ging…) zugehört. Zudem kam irgendwann noch ein Mann, dessen Anliegen erst nach einer Weile verstanden wurde, da Christine (zur Übersetzung) auf einem, und Jörg (um zu entscheiden, was gemacht werden soll) auf einem anderen Telefon angerufen wurde, da beide zu dem Zeitpunkt an Land unterwegs waren. Am Ende wollte der Mann komischerweise nur die Zahl vom Wasserzähler wissen. Ja, unsere Süßwassertanks werden endlich wieder voll aufgefüllt.

Irgendwie kam es dann auch noch dazu, dass ein paar von uns, die vom Landgang wieder zurück waren, sich das Segelschiff “Thalassa” anschauen durften. Auf der “Thalassa” findet ein ähnliches, niederländisches Projekt wie unseres statt. Wir haben uns mit den Schülern auf Englisch unterhalten und konnten einen kleinen Einblick in das Schiff bekommen. Die “Thalassa” ist, wie auch die “Thor Heyerdahl”, ganz anders aufgebaut, als die Roald Amundsen, sodass es zum Beispiel auf der “Thalassa” zwei große Messen gibt. Jedoch sind wir uns alle einig, dass wir die Roald sowieso am besten finden!!! Sie fühlt sich nach Zuhause an und wir haben ein komplett vollständiges Rigg (beide Masten mit 5 Rahen betakelt) und nicht nur mit 3 Rahen am Vortop . Wir sind also absolut zufrieden, so wie es ist, auch wenn wir nicht so viel Platz haben oder wir nur alle 4 Tage duschen dürfen.

Ich habe auch einmal bei den anderen ein wenig herumgefragt, was sie bis jetzt gut finden oder was sich für sie verändert hat:
Eike: “Es geht halt alles nur als Gruppe, denn man kann jetzt ja auch nicht alleine am Obermarsfall holen.” (Tamina stimmt zu)
Andreas: “Doch kann man schon.”
Eike: “Ja…wenn man Andreas ist…”
Anouk: “Ich finde, man kommt mit weniger aus und es ist auch nicht sooo schlimm, nur alle vier Tage zu duschen. Man kann ein T-Shirt auch mal einen Tag länger anziehen, man hat nicht mehr alles wie am Anfang, man hat aber auch nicht mehr das Verlangen nach bestimmten Sachen: Mein Handy vermisse ich zum Beispiel nicht. Man lebt also eher minimalistisch.”
Tamina: “Gut war eigentlich alles, wie gesagt, man kann nichts alleine schaffen. Ich finde, dass wir als Gemeinschaft sehr gut zusammengewachsen sind und dass wir uns gut verstehen.”
Theo M. & Janik: “Es ist gut, dass man seefester wird (mehr oder weniger) und dass es wärmer wird.”
Jerit: “Es sind alle sehr motiviert und hilfsbereit.”

Wie man sieht, geht es allen gut und alle sind glücklich!
Herzliche Grüße an meine Familie und Freunde! Hier ist es wärmer als in Deutschland 😛
Laurine

Nordseetaufe

Datum: 17. Oktober 2017
Position: 53° 42,3’ N, 005° 05,1’ E
Etmal: 83 NM
Wetter: Wasser 14°C, Luft 14°C, Wind 7 Oft.
von Laurine

Heute Morgen wurde ich davon wach, dass ich immer wieder von links nach rechts an die Wände meiner Koje gerollt wurde. Das deutete schon auf die höheren Wellen und den kräftigeren Wind hin, den wir seit gestern Abend erwartet hatten. Per Wetterbericht stellten wir uns auf Windstärke 6-7 und 2 Meter hohe Wellen ein. In der Nacht hatte ich es irgendwann aufgegeben, mich mit meinen Füßen an der kleinen Kante, die einen eigentlich vor dem Rausfallen aus den oberen Kojen schützt, abzustützen, und das Leebrett (höheres Brett, was man vor die “Kojen-Öffnung” machen kann, damit man nicht rausfällt) eingesetzt. Mit dem Leebrett war es für mich dann deutlich angenehmer, und ich konnte tatsächlich noch eine Stunde schlafen bis es mir dann doch ein wenig zu schaukelig wurde und ich mit voller Ölzeug-Montur aufs Deck gegangen bin.

Den Weg aus der Koje nach draußen kann man sich ungefähr so vorstellen:

  • Man muss erst einmal aus der Koje kommen;
  • dann muss man die Kammer durchqueren, in der ein paar heruntergefallene Klamotten rumliegen, weil natürlich erst einmal noch nicht alles wirklich seefest verstaut war, und dabei im Dunkeln seine Sachen, die man anziehen möchte, mitnehmen;
  • als nächstes muss man versuchen, durch den “Tigergang” (ein langer schmaler Gang im Schiff mit einer Garderobe für unser Ölzeug und Putzzeug) zu kommen und seinen Klettergurt zur Wache mitzunehmen;
  • als letztes muss man “versuchen”, den Niedergang in der Messe hochzukommen und dabei nicht von einer Welle wieder zurückgegeworfen zu werden.

Als ich dann endlich an Deck (mit wieder genug frischer Luft) angekommen war, hab ich zuerst Anouk getroffen. Im Gegensatz zu den anderen ging es uns verhältnismäßig blendend. Ein paar der wenigen Leute, die sich an Deck befanden, standen am Schanzkleid und “fütterten Fische”. Der Rest der Anwesenden saß eng beieinander, sich gegenseitig wärmend, auf der Brücke. Er wurde mit ein paar trockenen Brötchen und (nicht zu vergessen!!) Zwieback versorgt. Am Ende kämpften wir bei Windstärke 9-10 (z.T. 50 Knoten) mit ca. 3 Meter hohen Wellen. Wir waren trotzdem alle davon überzeugt, dass die Wellen so um die 5 Meter hoch waren.

Nach ein bisschen “finetuning” an den Segeln und Rahen sah die Lage immer noch nicht besser aus. Nachdem ein paar große Wellen überspülten das Deck. Viele von uns waren seekrank, aber das Wachsystem funktionierte einigermaßen. Da es unter uns Schülern (und auch Lehrern) so viel Ausfall gab, taten sich die übrigen “Seefesten” zu einer großen Wache zusammen und hielten so die Stellung an Bord.

Heute gab es auf jeden Fall genug Möglichkeiten, das nagelneue Ölzeug zu testen, da wir (ich war leider besonders betroffen) immer wieder von größeren Wellen getroffen wurden – und somit von oben bis unten klitschnass waren. Da wir jetzt totale Schwerwetter Profis sind, könnte ich jetzt auch noch eine “Tipps&Tricks-Seegang-für-Anfänger-Liste” schreiben – evtl. macht dies jedoch der nächste Berichtschreiber. Das Deckspülen war für diesen Tag auf jeden Fall schon erledigt, und die für diese Aufgabe heute zuständige Wache hat sich gefreut. Insgesamt war der Tag mehr oder weniger spaßig für alle, und ich bin sehr froh, dass ich nicht seekrank geworden bin.
Laurine

P.S.:
1. LG an das Rudel (Alea: AKW), an Ferdi HDGDL und an Boris, du bist der Beste! (Ly)
2. Plein de bisous à ma famille en Belgique et au Maroc. (Yara)
3. Ich grüße meine liebe Familie. (Tom B.)
4. Liebe Grüße an Banx. (Janik)
5. Liebe Grüße an meine Familie und meine Freunde, fühlt euch gedrückt! (Lukas)
6. Heike grüßt ihre Eltern