ZAHLEN ZAHLEN UND MEHR ZAHLEN

Datum: 3. April 2019
Position: 35°27,4’N, 044°07,6’W
Etmal: 148 sm
Wetter: Luft 20,3°, Wasser 21,1°, Wind SE 2-3 Bft.
Wetter: schön und sonnig
von Inja

Willkommen zu meinem vorletzten Tagesbericht! Da heute mal wieder nicht viel passiert ist, außer dass es ein fabelhaftes Frühstück gab, das aus frisch gebackenen Brötchen und Eiern bestand (nochmal ein Klopfer an die Backschaft, wir werden euch morgen aber übertrumpfen!), schreibe ich heute einmal über Zahlen. Von Locke und Tom S. werde ich immer gern als kleine Mathestreberin bezeichnet, also versuche ich mal, diesem Ruf würdig zu sein und rechne für euch durch, wieviel Zeit wir hier auf dem Boot mit welchen Tätigkeiten verbringen bzw. verbracht haben.

Fangen wir mal an: Bis Teneriffa hatten wir, bis auf wenige Ausnahmen, immer große Wachen (8 Personen), alleine durch die 23 Seetage, an denen wir durchschnittlich immer 8 Stunden Wache hatten, sind wir in dieser Zeit also 184 Stunden Wache gegangen. Das heißt auch, dass wir fünf Mal Backschaft hatten und dadurch schon 63 Stunden in der Kombüse standen und gekocht haben – SPAßIG! Unsere Toiletten hat jeder in dieser Zeit etwa 8 Mal geputzt. Und wenn wir schon von Putzen sprechen, gilt es noch zu erwähnen, dass wir für unser samstägliches Großreinschiff pro Kopf bis dahin nochmal mindestens 10 Stunden mit Putzen verbracht haben. GEILOOO.

Zwischen Teneriffa und den Azoren dann sind wir immer in kleinen Wachen (von 3 Personen) gesegelt. An 66 Tagen haben wir nur Wasser, Himmel und immer wieder mal ein Schiffchen gesehen. Außerdem zähle ich für diese Zeit 31 Unterrichtstage, 9 Backschaften, 24 Wachtage und 2 freie Tage!… Das wären etwa 186 Stunden Unterricht, 108 Stunden fürs Kochen und Abwaschen, 192 Stunden Wache mit 64 Stunden Rudern und 48 freien Stunden, in denen man eigentlich immer spaßige Aufgaben von Ulli bekommt oder All-Hands-Manöver stattfinden. 31 Tage lagen wir übrigens vor Reede oder waren im Hafen, daraus ergeben sich nochmal 30 Stunden Hafenwache, die RICHITG langsam vorbeigehen. Und dann waren wir noch 45 Tage irgendwo weg vom Boot, in denen wir weder Backschaft hatten, noch Wache gingen, also ein richtiges Luxusleben genossen 🙂  

Von den Azoren bis nach Helgoland werden wir voraussichtlich 23 Tage unterwegs sein und von diesen 23 Tagen noch etwa 8 Tage an Land verbringen. Das bedeutet, dass jeder nur noch etwa 3 Mal um 6:15 für die geliebte Backschaft aufstehen muss und jeder nur noch etwa 7 ganze Wachtage und 7 Unterrichtstage vor sich hat (in denen vor allem an individuellen Aufgaben für die Rückkehr in die Heimatschulen gearbeitet oder für den SBF See gelernt wird). Ajeiei das ist nicht mehr viel!

Und insgesamt betrachtet haben wir auf den 13.000 Seemeilen (24.076 km), die wir gefahren sind, 11 Länder zu Gesicht zu bekommen (12 wenn man „in Sicht“ dazuzählt), sind 432 Stunden draußen bei jedem Wetter Wache gegangen, haben 144 Stunden am Ruder gestanden, hatten 23 Backschaften, in denen wir insgesamt 267 Stunden für das leibliche Wohl der Gruppe geschuftet haben. Und dann kommen ja auch noch all die Arbeiten hinzu, die wir in unserer Freizeit gemacht haben, um dieses Schiff so schön zu halten wir nur möglich….

Wer ist eigentlich der Meinung, dass die Reise nur aus Ferien besteht? Und trotz all der Arbeit – bzw. gerade deshalb – genießen wir das Leben hier sehr….
Inja

Eine kleine „Wie geht es uns mitten auf dem Nordatlantik“- Nachricht

Datum: 2. April 2019
Position: 34°43,9’N, 046°57,3’W
Etmal: 136 sm
Wetter: Luft 21,7°C, Wasser 20,5°, Wind SSE, 3 Bft.
von Alexander

Auch auf die Gefahr hin, hier gleich zu Beginn sämtliche Spannung aus dem Bogen zu nehmen, muss ich wohl einige Freunde daheim enttäuschen. Natürlich war es äußerst spannend, einmal quer durch das Bermuda-Dreieck zu segeln, jedoch kamen uns auf der Durchreise keine Ufos oder sonstige Seeungeheuer zu Gesicht. Nun befinden wir uns also wieder mitten auf dem Atlantik. Genauer gesagt, mitten auf dem Nordatlantik. Ringsherum nur endloses Wasser. Irgendwie hat das etwas Beruhigendes auf die Gruppe. Alte, gewohnte Abläufe spielen sich wieder ein, der Schiffsalltag hat uns wieder. Das Einzige, das sich ständig ändert, ist das täglich wechselnde Mittagsmahl. Und doch handelt es sich ganz und gar nicht um einen langweiligen Abschnitt auf unserer Tour.

Wie schon erwähnt habe ich den Eindruck, dass diese Abgeschiedenheit der Gruppe gut tut. Die Menschen an Bord fangen nun langsam an, kreativer zu werden. Es wird sich hier und da intensiver miteinander unterhalten und gefühlt rückt die Gruppe wieder etwas mehr zusammen. Und wer gerade doch seine Ruhe haben möchte, schnappt sich sein Buch und sucht sich eine ruhige Ecke. Mit den ruhigen Ecken an Bord eines Schiffs von 37 Meter Länge ist es zugegebenermaßen so eine Sache. Bei exakt 37 Personen an Bord muss man nicht unbedingt Mathematiker sein, um sich die zur Verfügung stehende Meteranzahl pro Person auszurechnen. Jedoch kann ich euch beruhigen, die ruhigen Ecken gibt es auch bei uns auf der „Johnny“.

Was das kreative Wesen der Gruppe angeht, so entwickeln sich in regelmäßigen Abständen kleinere Trends. So wurde auch am heutigen Abend die Messe nach dem Abendbrot in ein Eldorado für Kartenspieler verwandelt. Auf einer Back wurde die obligatorische Runde Doppelkopf gezockt, auf der anderen mehrere Runden „Wizard“. Tagsüber haben sich einige Schüler, Lehrer und Stammcrew-Mitglieder spontan im Seegarten zum gemeinsamen Musizieren getroffen. Eine Gitarre und viel Gesang reichten, um augenblicklich eine ausgelassene und familiäre Atmosphäre zu schaffen. Unser neuer Steuermann Ernst, welcher ein ausgeprägtes musikalisches Talent besitzt, bringt offensichtlich frischen Wind in die Gruppe. Jedenfalls kommt unsere Bordgitarre in den letzten Tagen immer öfter zum Einsatz. Auch sonst bin ich sehr zufrieden mit der neuen Stammcrew. Mit Ingo kam ein altbekanntes Gesicht zurück auf die „Johnny“ und Andreas, unser Steuermann mit transsylvanischen Wurzeln bringt seine Erfahrungen aus ehemaligen HSHS-Reisen und seine Routine gewinnbringend in den Bordalltag ein. Auch der sympathische Nautikstudent Janek bringt sich als Steuermannsanwärter gut ein und hilft den Schülern regelmäßig beim Pauken für den SBF. Kurzum, wir sind in sehr guten Händen!

Natürlich möchte ich zum Schluss noch einige Grüße loswerden. Ich grüße ganz lieb meine Familie in Gütersloh, meine Freunde aus Münster, die Fußballer vom Fc Münster 05 sowie mein altes Kollegium aus Hamm.
Alex