Der nullte Tag auf dem Weg nach Madeira

Datum: 30. Oktober 2018
Position: 43° 25,9′ N, 008° 26,5′ W
Etmal: 7 sm
Wetter: 13°C, regnerisch
von Fynn Ranke, in Kooperation mit Bianca und Claudi

Hallo ihr lieben Marinetrafficstalker, vermutlich habt ihr euch heute ordentlich darüber gewundert, warum wir vor La Coruna ein wirres Zickzackmuster ins Meer gemalt haben. Der Grund dafür war dieser: Jede/r Schüler/in – egal wo er/sie sich an Bord befindet – sollte wohl einmal Gelegenheit dazu erhalten, auf der Leeseite (der windabgewandten) Seite des Schiffes zu stehen, um den eigenen Mageninhalt ungesehen den Fischen überlassen zu können. Nebenbei haben wir außerdem den richtigen Wind gesucht. Wohingegen einige von uns zum Frühstück noch fest behaupteten, dass sie nicht mehr seekrank werden würden, holte uns die Realität kurz nach unserem Auslaufen aus A Coruna schnell ein: Mit heftigen Stampfbewegungen kämpften wir uns vermeintlich in Richtung Madeira und genossen bei regnerischem Wetter die Endlosschleife aus Achterbahnfahrt und Freifallturm.

Insgeheim wissen wir, dass der Sinn und Zweck dieses Tages wohl darin bestand, das Wenden zu üben. Denn da wir gegen den Wind anfahren mussten, waren wir ständig gezwungen, mit „All-Hand-Manövern“ die Segel auf die andere Seite zu holen, wobei uns der Wind gleichzeitig auch immer wieder zurück in Richtung Land zu drängen versuchte.

Alles in allem haben wir heute also einige Seemeilen zurückgelegt, uns dennoch kaum in Richtung Madeira fortbewegt. Der Torre del Hercules hat uns also noch einen Tag länger bewacht und wir waren etwas frustriert. Aber dass wir auf den Wind keinen Einfluss haben und der Weg auf unserer Reise wohl das Ziel ist, ist wohl eine Erkenntnis, die wir nicht zum letzten Mal gewonnen haben. Mit schwankenden Grüßen
Fynn

P.S.: In Wahrheit haben Bianca und Claudi diesen Eintrag verfasst. Bianca grüßt alle, die an sie denken und die an ihren Geburtstag gedacht haben. Alex grüßt seine Mama. Max grüßt Familie Baumfeier. Und ich (Fynn) grüße meine Schule, die Tellkampfschule Hannover, und vor allem Frau Braune.

Am Zielort des Jakobswegs

Datum: 27. Oktober 2018
Etmal: 0 SM
Position: 43° 27,2 N, 008° 24,1 W
Wetter: Luft 16,7°C
Laune der Gruppe: super (trotz Regen)
von Fynn

Heute sollte unser erster Gruppenausflug in Spanien beginnen. Nach dem Frühstück und nach einer Ansprache unseres Kapitäns begannen wir damit, das Schiff im Rahmen des sogenannten Großreinschiff komplett zu reinigen, damit wir an Land gehen konnten. Durch unsere gute Gruppenarbeit waren wir bereits nach ungefähr 35 Minuten mit dem Großreinschiff fertig und konnten unsere Sachen für einen Ausflug nach Santiago de Compostela packen. Um etwa 09:30 Uhr machten wir uns mit viel Vorfreude in Richtung Bahnhof auf. Nicht einmal das Nieselwetter konnte uns einen Strich durch die Rechnung machen und unsere Laune verderben. Nach kurzer Zeit fiel uns auf, dass wir an diesem Tag den ersten Regen auf unserer großen Reise hatten und sahen einen Regenbogen.

40 Minuten nach unserer Abfahrt in La Coruna fanden wir uns dann in Santiago de Compostela wieder. Auf mich wirkte diese Stadt von Anfang an besonders. Irgendwie hatte sie eine besondere Aura und an jeder Ecke der kleinen Gassen liefen Wanderer an uns vorbei, die vermutlich gerade dabei waren, den Jakobsweg zu beenden und dementsprechend fröhlich und emotional berührt wirken.

Wir gingen alle zusammen zu der Kathedrale. Die Wanderer wurden hierbei immer mehr, je näher wir der Kathedrale kamen. Als wir an der Kathedrale ankamen, bildeten wir einen Kreis und machten ein schnelles Gruppenbild. Danach waren unserer Lehrer der Meinung, uns nicht ohne Aufgabe für den Tag gehen lassen zu können: So erhielten wir die Tagesaufgabe, Wanderer zu interviewen und sie nach ihrer Motivation zu fragen. Natürlich wollte jeder diese Aufgabe so schnell wie möglich erfüllen, um nach dem Besuch der Kathedrale mehr Freizeit zu haben und so stürmten wir auf die Wanderer vor der Kathedrale zu, von denen einige übrigens sogar weinend auf dem Boden saßen. Ich befragte eine junge Dame aus Deutschland die von Porto in Portugal nach Santiago de Compostela in 11 Tagen gewandert war.

Nach dem Interview teilten wir uns in kleine Gruppen von jeweils mindestens drei Schülern auf und sahen uns die Kathedrale von innen an. Nach ein paar Eindrücken des imposanten Baustils und mit ein wenig Weihrauch in der Nase verteilten sich die Gruppen anschließend in der Stadt, um das letzte Taschengeld in Süßigkeitenvorräte für die nächste Seeetappe zu investieren.

Nach einigen Stunden Stadterkundung und einigen tollen Begegnungen mit Wanderern trafen wir uns schließlich auf dem Platz vor der Kathedrale wieder, um uns auf den Heimweg zu machen. Zurück auf dem Schiff waren die meisten Schüler völlig erschöpft von dem langen Exkursionstag und fielen schnell in ihre Kojen. Bis zum nächsten Mal,
Fynn

PS: Jakob grüßt seine Freundin. Johanna grüßt Frank, da sie an ihn denken musste. Doreen grüßt die Freie Christliche Schule Ostfriesland. Und ich selbst (Fynn) grüße alle, die mir diese Reise ermöglichen und ganz besonders grüße ich meine Familie und Freunde aus Hannover.