Route & Landprojekte

Die 27. Reise der HSHS 2019/2020
Beschreibung der Route & der Landprojekte

Kiel → Teneriffa
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Am 8. Oktober 2019 treffen sich sowohl die SchülerInnen als auch die LehrerInnen in der Jugendherberge in Borgwedel, wo sie für die nächsten drei Tage untergebracht sind. Nach einer ersten Nacht und einem Auffrischen der Erlebnisse der letzten Monate, die seit dem Probetörn vergangen sind, geht es dann am nächsten Tag für die Crew auf die Roald Amundsen nach Eckernförde zu einer ersten Einheit Sicherheitstraining, welches in den nächsten beiden Tagen fortgesetzt wird. Am 11. Oktober beziehen dann alle das Schiff und überführen die Roald Amundsen von Eckernförde an den Tiessenkai in Kiel-Holtenau, wo sie gegen frühen Abend erwartet werden. Zudem wird das Schiff für die erste Etappe verproviantiert. Das Ablegen wird am 12. Oktober um die Mittagsstunde vom Tiessenkai stattfinden.

Auf dem Abschnitt nach Teneriffa ist nach dem Nord-Ostsee-Kanal die Nordsee und die Biskaya zu bewältigen, zwei Meeresbereiche, die im Herbst mit starkem Seegang und kräftigen Winden aufwarten können. Daher stehen das Eingewöhnen in die Schiffsroutine und Segelübungen im Vordergrund und es wird noch kein planmäßiger Schulunterricht stattfinden. Bei einem Zwischenstopp in Vigo können die SchülerInnen in Gruppen den Ort erkunden und ein sogenanntes „Projektteam Land“, bestehend aus zwei oder mehr SchülerInnen, wird besondere Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten für die MitschülerInnen heraussuchen und Gruppenaktivitäten organisieren.

Auf dem Weg nach Teneriffa wird die Roald dann noch einmal kurz den Anker vor zwei wunderschönen Inseln auswerfen: Selvaghem Grande und Porto Santo. Unmittelbar vor Teneriffa werden dann die ersten Grundlagen für die Kommunikation auf Spanisch gelegt und der Einstieg in die Meeresbiologie steht an, da erfahrungsgemäß zu dieser Zeit schon die ersten Delfine spielerisch nah ans Schiff heran kommen.

Landaufenthalt Teneriffa
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Der erste festeingeplante Landaufenthalt wird auf Teneriffa sein und vor allem für die Vorbereitung zur Atlantiküber-querung genutzt werden. Bei Schiffsarbeiten, Auftanken und Verproviantierung wird an alles gedacht, was man die kommenden vier Wochen auf See brauchen wird.

Daneben werden wir in zwei Etappen auf einer längeren Wanderung auf den Teide, den mit 3.718m höchsten Berg Spaniens, steigen. Am Abend des 19. November werden wir auf der Berghütte „Refugio Altavista“  erwartet. Von dort aus können wir früh am nächsten Morgen den Aufstieg auf den Gipfel starten, so dass wir hoffentlich oben mit einem herrlichen Sonnenaufgang und einem Blick über die Kanarischen Inseln belohnt werden.

Teneriffa → Martinique
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Auf den vier Wochen der Atlantiküberquerung wird ein großer Teil, des auf die Reiseziele bezogenen Unterrichts stattfinden. Plattentektonik, Windsysteme und die Physik des Segelns lassen sich dort hautnah erleben und vertiefen. Gleichmäßige Passatwinde, ein sich einstellender Rhythmus und die deutlich wärmeren Außentemperaturen lassen das Leben und Lernen an Bord in diesem Abschnitt sehr angenehm werden. Nach langen drei Wochen auf den Atlantik wird Fort de France auf Martinique unser erster Hafen in der Karibik sein.

Martinique → Panama
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Weiter geht es durch den karibischen Raum mit einem Zwischenhalt auf den San Blas-Inseln bei den Kuna-Indianern, wo wir höchstwahrscheinlich Silvester feiern werden – natürlich dann nicht nach deutscher Zeit, sondern nach Ortszeit. Auf dieser Etappe steht der karibische Raum unterrichtlich und von den Aktivitäten her im Mittelpunkt. Die Schüler verhandeln nun um die besten Hängemattenplätze auf dem Deck, denn ab jetzt ist an warme Kleidung erstmal nicht mehr zu denken.

Landaufenthalt Panama & Costa Rica
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In Panama startet mit vier Wochen Aufenthaltsdauer der längste Landaufenthalt der Reise, der gleichzeitig das Kernstück der High Seas High School ist. Die Kammern werden für vier Wochen komplett geräumt und alles, was man nicht benötigt in einem externen Lagerraum verstaut, der Rest wird in einen großen Trekking-Rucksack so verpackt, dass man damit per Bus oder zu Fuß durchs Land reisen kann. Nach einem kurzen Hostelaufenthalt, geht es dann mit dem Bus zur panamesisch-costaricanischen Grenze Paso Canoas, um einen weiteren Stempel im Pass zu sammeln.

Auf der anderen Seite der Grenze wechseln wir den Bus, um nach weiteren drei Stunden Fahrt unser Domizil für die nächsten zwölf Tage zu beziehen. Unser Ziel: die Finca Sonador oder genauer gesagt das Projekt Longo Mai. Hier leben ca. 90 Familien aus El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und anderen Ländern in einer Dorfstruktur entlang eines steinigen Weges zusammen, die sich hauptsächlich durch den Anbau von Bohnen und Kaffee sowie der Arbeit in den Zuckerrohr- und Ananasplantagen ihren Lebensunterhalt verdienen bzw. daraus ihre eigenen Lebensmittel herstellen. Die meisten dieser Familien sind aus ihren von Bürgerkriegen heimgesuchten Heimatländern hergezogen, um sich eine neuen Existenz aufzubauen. Das Leben hier ist von Arbeit und einem engen Sozialgeflecht geprägt, bei dem die SchülerInnen direkt mitwirken. Wir helfen bei den Ernten, lernen die Herstellung von Schokoladenmasse und Kunsthandwerk kennen und freunden uns bei Tanzkursen und Feiern mit den BewohnerInnen aller Altersgruppen an.

Um die Kommunikation zu fördern, finden an sechs Vormittagen Spanisch-Kurse in Kleingruppen statt, die von LehrerInnen aus Longo Mai angeleitet werden. Gekrönt wird dieser Aufenthalt durch ein von den Freiwilligen vor Ort organisiertes Kulturfest, wo die SchülerInnen etwas aufführen werden. Weitere Informationen zu Longo Mai lassen sich unter www.sonador.info nachlesen.

Von Longo Mai aus geht es dann am 20. Januar 2020 weiter zur Tropenstation La Gamba nahe der Stadt Golfito. An der Tropenstation arbeiten Costa Ricaner mit einem Team von Wissenschaftlern von der Universität Wien zusammen, um das Ökosystem des tropischen Regenwaldes zu erforschen. Mit einem Experten vor Ort zusammen machen wir Tag- und Nacht-Exkursionen und die SchülerInnen können eigene kurze Forschungsprojekte ins Leben rufen.

Von La Gamba aus starten fünf Tage später die sogenannten Expis, Kleingruppenexpditionen, die die Schüler in Eigenregie organisieren und durchführen. Gruppen von sechs SchülerInnen werden jeweils von einer Lehrkraft als Aufsichtsperson begleitet und haben während einer Woche die Möglichkeit, einen Aspekt des Landes vertieft kennenzulernen. Dazu steht ihnen ein begrenztes Budget zur Verfügung, das geschickt für Unterkunft, Verpflegung, Transport und evtl. Programmpunkte eingesetzt werden will. In Fotos, Interviews und einem Expi-Bericht dokumentieren die Gruppen ihre Erlebnisse und stellen diese später, wenn die Gruppe zurück auf dem Schiff ist, vor. Treffpunkt alles Expigruppen ist am 1. Februar 2020 das Lost&Found Hostel in Panama, wo wir noch eine Nacht verbringen werden bevor es für die Gruppe zurück aufs Schiff geht.

Panama → Kuba
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Zurück auf dem Schiff beginnt dann wieder der schon kennengelernte Bordalltag mit Wachsystem und Unterricht. Der Unterricht konzentriert sich nun sowohl auf letzte Aspekte der Reisegegebenheiten, in einigen Fächern wird aber auch schon vermehrt der Fokus auf den Stoff des normalen Kerncurriculums gelegt, so dass die SchülerInnen bestmöglichst auf den Wiedereinstieg in ihre Heimatschule vorbereitet werden.

Landaufenthalt Kuba
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Der knapp zweiwöchige Landaufenthalt in Kuba hat seinen Schwerpunkt in der Geschichte, Politik und Gesellschaft des kommunistisch geprägten Inselstaates. Die meiste Zeit werden wir uns in der Hauptstadt Havanna und in der Gegend von Pinar del Rio aufhalten. Dort haben wir mit dem IPVCE Federico Engels eine Partnerschule, in der wir kubanische SchülerInnen und ihren (Schul-) Alltag kennen lernen. In Havanna werden wir in der Cátedra Humbolt Kontakt zu kubanischen StudentInnen, die Deutsch lernen, aufnehmen und können so faszinierende Einblicke in das derzeitige kubanische Leben gewinnen.

Kuba → Bermuda → Azoren
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Diese Etappe über den nördlicheren Atlantik ist seglerisch sehr spannend und die SchülerInnen können zeigen, wie gut sie das Schiff mittlerweile beherrschen. Der Unterricht konzentriert sich verstärkt auf die Inhalte, die für den Einstieg in die Oberstufe wichtig sind. Es gibt mehr Wahlkurse und individuelle Lerneinheiten. Seemeile für Seemeile nähert sich die Roald Amundsen dabei wieder der Heimat Europa, die Azoren mitten im Atlantik gelegen sind dabei ein willkommener Zwischenstop.

Azoren → Wilhelmshaven
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Auf der letzten Etappe soll nochmal das Segeln und der Schiffsbetrieb im Mittelpunkt stehen. Viele Bereiche der Seemannschaft können sie vermutlich durch die halbjährige Erfahrung eigenständig durchführen und die Stammcrew steht unterstützend dabei. Daher wird wieder in großen Wachen gefahren und der Schulunterricht ist beschränkt auf Spezialkurse, die die SchülerInnen mit ihren LehrerInnen absprechen. Die Zeugnisse werden während dieser Etappe geschrieben, damit sie möglichst gleich zur Ankunft überreicht werden können. Nach einem kurzen Stopp in Cherbourg läuft die Roald Amundsen dann am 1. Mai 2020 in Wilhelmshaven ein und die Reise endet offiziell mit dem Verlassen des Schiffes.
Charlie Winkelmann, Projektleiterin HSHS