Endlich 17

Datum: 20. März 2020
Position: 32° 22,2’ N, 062° 17,2‘ W
Wetter: Wind SSE, 4 Bft., Luft 24°C, 1034 hpa
Etmal: 95 nm
von Mika

Den heutigen Tag empfand ich als etwas… interessant. Man könnte auch sagen: voller Überraschungen. Aber mal von Anfang an. Heute fand Louis 17ter Geburtstag statt! Endlich darf er mit den großen Kindern spielen. Geweckt wurde er um sieben Uhr, wie alle Schüler, allerdings mit ‘ner heißen Schokolade und ‘nem Snickers (gut dass das Wecken Freddy und Anna übernommen haben, ich hätt’s wohl vergeigt). Für uns in der 4-8 Wache waren zu diesem Zeitpunkt schon drei relativ ereignislose Stunden um und das Frühstück rief nach uns, zusammen mit der warmen Koje und für mich mit einem guten Buch obendrauf. Also schnell noch die letzte Stunde hinter uns bringen und dann: RUHE. Natürlich gratulierten wir zuvor noch Louis und ich weiß aus sicherer Quelle, dass dieser Glückspilz noch Pfannkuchen bekommen hat (verdammt!).

Um etwa 10:00 Uhr ging ich dann spontan in die Bootsmannslast, in der ich Philippe G. antraf, der an dem kleinen hölzernen Schiffchen, das er gestern Abend schon angefangen hatte, weiter bastelte. Ich half ihm etwas (den Namen drauf schreiben, was am Klüver machen, etc.). Das war unser Geschenk für Louis. Mit Klüver, Vorsegel, Fock und Royal (oder so), Deckshaus und Anker. Sieht echt cool aus. Ich bin etwas neidisch! (okay: sehr). Um 11:00 Uhr hatte ich mit den Schülersteuermännern (und –frauen!) eine Besprechung zu dem weiteren Kurs und zu einer Doppel-Halse, die für dreizehn Uhr angesetzt war. Dabei kam raus: ‘Ne Halse ist easy peasy und da Caro zu der Zeit fahrende Steuerfrau war, durfte (nach demokratischem Beschluss, in dem ihre Stimme etwas vernachlässigt wurde) sie die Halse fahren. Um 13:00 Uhr wurde also ein All Hands ausgerufen, die erste Halse gefahren (funktionierte soweit sehr gut) und direkt im Anschluss die zweite, um wieder auf Kurs zu kommen. Alles unter Caros wirklich guter Anleitung. Es war auch mal wieder sehr schön zu sehen, wie effizient eine vergleichsweise gigantische Anzahl von 30 Leuten wie ein eingespieltes Team ein tolles Manöver fährt. Ich hatte schon fast vergessen, dass wir so viele Leute an Bord haben (der Unterricht lässt grüßen).

Danach gingen wieder alle unter Deck, für Schule oder anderes, und ich half Philippe weiter beim letzten Schliff an der „HMS Ouis“, wie wir das Boot einstimmig nannten. Als wir soweit fertig waren, nahmen wir die Fock, die für Unterschriften gedacht war, und liefen damit durchs ganze Schiff, um besagte Unterschriften zu sammeln. Um 15:30 Uhr war dann ein Geburtstags-All Hands angesetzt, bei dem wir (auf musikliebhabervertreibende Art und Weise) für Louis sangen und ihm gratulierten. Als Schülerkapitän durfte ich für ihn, sehr unvorbereitet und überrascht, die Geburtstagsrede halten, was ich gerne, und hoffentlich gut tat. Dabei wurde ihm die „HMS Ouis“ überreicht, die ihm wohl sehr gut gefiel. Zumindest sagte er dies und ähnliches immer wieder und ich glaube ihm da einfach mal (für meinen Seelenfrieden und so). Danach gab’s Kuchen (lecker-schmecker) und für mich schon wieder Wache. Die habe ich eigentlich auch noch (oder wirklich), weshalb ich das hier jetzt am besten mal zu Ende bringe. Daher schöne Grüße von Bord der Roald, von Mika und allen anderen! Nachtigall grüßt Family and Friends!
Mika

Grüße:
Mika grüßt Nanke, Moritz, Jan, Tom, Leevke, Milan, Niklas, seine wundervollen Eltern, Großeltern und die gesamte Verwandtschaft. Hoffentlich geht’s euch allen gut!
Tobi grüßt Hund und Schwester.
Freddy grüßt DaVinchi. Rest in peace.
Tamara grüßt ihre Schwester. Hab euch ganz arg lieb! Schönen Urlaub noch, Anna.
Louis, das Geburtstagskind, grüßt Familie und Friends. Ich hatte einen sehr schönen Geburtstag und denke an euch.


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Kolumne: „Kleine Zwischenbilanz“ von Maya, Janina und Lara

Die letzten Tagen vor der großen Überfahrt

Datum: 16. März 2020
Position: Saint George’s., Bermuda
Wetter: Wind NNW, 4 Bft., Luft 25°C, 1023 hpa
Etmal: –
von Mika

Moin an Land, es naht der Zeitpunkt der großen Überfahrt. Wann es genau los geht, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen: Nur dass es losgeht, ist allen bewusst. Deshalb haben wir uns in die Vorbereitungen gestürzt und bereits erste Übungen absolviert und Rollen für den nächsten Törn verteilt. Ansonsten hatten wir auch viel Zeit für uns, um einzukaufen, Postkarten zu verschicken und zu telefonieren, da es sich mit der Proviantierung verspätete. Proviant wird nun morgen übernommen, da es besonders viel ist. Unsere Bordärztin hat sich heute für ihre Aufgaben und zum Einkauf von Medikamenten ein superkleines Elektroauto gemietet. Momentan ist das Auto auf der Pier der Hingucker. Wir Schüler merken gerade, dass es nicht immer leicht ist, etwas selbst zu organisieren, sind aber gespannt, wie es auf See dann wird und optimistisch. Uns geht es so weit gut. Essen war wie immer lecker.
Grüße von Mika, momentan Schülerkapitän