Ein Mord an Bord und eine Prise Nostalgie

Datum: Montag, der 1. März
Position: 18°11,7’N, 072°33,7’W, Südküste von Haiti
Wetter: hohe Wellen, strahlender Sonnenschein
von Johannes

Einen schönen guten Morgen, Mittag oder auch Abend werte(r) Blogleser*in, gestern Abend habe ich erfahren, dass ich Euch/Ihnen mal wieder von den Ereignissen der letzten Tage berichten darf. Deshalb sitze ich jetzt im Seegarten und beginne pünktlich nach der Abgabefrist das Vergangene zu dokumentieren. Allerdings fällt mir beim Abfassen meines Berichts auf, dass gar nicht mal so viel passiert ist, was es zu dokumentieren gilt, zumal ich gestern Backschaft hatte und deshalb besonders wenig von den Geschehnissen außerhalb der Kombüse mitbekommen habe. Um nun über die mangelnde Quantität der Ereignisse hinwegzutäuschen, habe ich mich dazu entschlossen einige meiner Mitreisenden zu bitten ein schönes Erlebnis von Zuhause zu teilen. Dazu und zu dem Hintergrund dieser Idee später mehr.

Nun erstmal zu Montag, dem 1. März: Wie üblich an Backschaftstagen, wurden meine Mitbackschafter um 6:15 Uhr geweckt. Ich saß allerdings bereits in der Messe, um noch schnell unsere Deutschlektüre „Tschick“ und unser Englischfilmskript, das Teil unserer Klausurersatzleistung ist, mal wieder auf den letzten Drücker fertigzukriegen. (Huijuijui das wirft langsam ein schlechtes Bild auf meine Auffassung von Pünktlichkeit). Für die, die sich nichts genaueres unter einem Filmskript vorstellen können, hier ein kleiner Ausschnitt, aus dem Skript unserer Gruppe (bestehend aus Lara, Helene, Jasmin und mir):

1 EXT. AT SEA ON BORD OF THE JS – CU Reeling – DAY
Two pairs of hands slowly grabbing on to the reeling. Two heads appearing. Slowly elevating over the reeling. Inspector 1 and Inspector 2 entering the ship. Nervous. Tense atmosphere. Inspector 1 and Inspector 2 cautiously (bowed) moving to the back of the ship. Looking around for the smugglers.

Inspector 1: Did you see where they put the drugs?
Inspector 2: Yeah. They brought it back here and handed it down this shot-door.
Inspector 1: I’m not sure what to expect but let’s have a look.

Na da wollen wir euch mal nicht mit diesem Cliffhanger stehen lassen. Hier auch noch unsere letzten beiden Szenen:

5. EXT. ELS OF THE SIDEDECK
Smuggler 1 and Smuggler 2 slowly coming up the stairs of the mess. Continuing their walk over the sidedeck and ending up at the back of the ship.

Smuggler 1: I’m pretty sure the noise came from somewhere back. But there isn’t anyone hiding around here.
Smuggler 2: If someone really did enter the ship and tried to hide from us there’s only one realistic option where he or she possibly could have gone to as there’s no one on the roof top or on deck.
Smuggler 1: So you think they went down this shot-door?
Smuggler 2: I can’t think of any other place they could have gone to. This is how we are going to do it. I’m holding my gun towards the hatch just in case someone is waiting for us down there as you slowly lift the hatch. Alright?
Smuggler 1: Alright.

5.2 INT. MLS. DOWN IN THE PROVIANTROOM – COMPLETE DARKNESS SLOWLY GETTING FLOODED BY LIGHT AS THE HATCH ABOVE OPENS
The two inspectors looking at each other in complete panic as they fear for their lives. Trying to figure out what to do by looking for places to hide.

Inspector 1: Do you have any last idea that could save us?
Inspector 2: Not really, but we could try to hide behind that fridge and pray to God that they won’t find us. And besides, we did bring our pistols so we do have a small chance of survival.
Inspector 1: Ok let’s hide and pray. And if we don’t make it out of here alive, I just want to let you know what a pleasure it was working with you.
Inspector 2: It’s been a pleasure for me as well, but let’s not give up hope jet.

6. INT. CU OF SMUGGLER 1 AND SMUGGLER 2 SLOWLY APPROACHING THE TWO INSPECTORS BY WALKING DOWN THE SHOT – EXTREMELY TENSE MUSIC

6.2 EXT. CU OF THE SHOT-DOOR
The shot-door slowly closes behind the two smugglers. Bang. Bang. As soon as the shot-door completely closed, two gunshots broke the silence and the music abruptly stops.

Ganz schön spannend, oder (husthust…)? Wie unsere beiden Ermittler wohl in diese scheinbar ausweglose Lage geraten sein könnten, könnt ihr euch ja vielleicht selbst dazu denken. 🙂 Genug davon. Der restliche Tag verlief dann eigentlich wie jeder andere. Es gab ganz normal Frühstück, Mittag- und Abendessen und meine Backschaft hörte wie sonst auch auf voller Lautstärke Musik von Wanda (Bologna auch gerne drei Mal hintereinander) und oder Sams-Hörspiel. Auch an Deck schien nicht viel passiert zu sein, außer, dass als ich abends nach einem langen Backschaftstag an Deck ging, sich plötzlich zu meiner Überraschung Haiti vor mir auftat. Und ich muss zugeben, dass es mich wie immer sehr traurig stimmte, an einer Insel vorbeizufahren, die schon von weitem viel zu bieten zu haben scheint.

Aber nun zu unserem kleinen Zusatz bzw. warum ich ein paar Leute bat, eine schöne Erinnerung aus ihrer Heimat zu teilen. Denn so langsam mischt sich bei manchen von uns die Restseekrankheit mit ein bisschen Frustration, denn wir fahren jetzt schon seit mehr als einer Woche gegen Wind und Welle an und die Kurslinie, die wir zeichnen, führt nach dem gefühlt hundertfachen Kreuzen absolut überall hin nur nicht nach Martinique. Wenn das passiert, hat sich in der Vergangenheit v.a. eines als wohltuend erwiesen, nämlich sich in seinen „Happy Place“ (meistens eine schöne Erinnerung an Zuhause) zu flüchten. Also hier die „Happy Places“ und schönen Erinnerungen von ein paar Leuten, die mir auch in Erinnerungen zu schwelgen schienen:

Cles’ Happy Place ist die Küche der Wohnung, in die sie und ihre Mutter während der Wohnungssuche zwischenzeitlich mal eingezogen sind und in der sie im September praktisch täglich gekocht hat (v.a. Pasta und Koreanisch).
Hippo denkt gerne daran, wie er abends mit seiner Family Krimis schaut.
Selmas Happy Place ist in Eppa auf der Bank, auf der sie und ihre Familie morgens bei Sonnenschein frühstücken.
Jonathans Happy Place ist sein Balkon zuhause, von dem aus er gerne die Sonnenuntergänge bewundert.
Merle denkt gerne daran, wie sie zuhause Zeit mit ihrem Bruder verbringt.
Jasmins Happy Place sind die Dächer von Berlin, auf denen sie gerne abends mit Sunsun musikhörend und avocadoessend den Sonnenuntergang bewundert.
Emil freut sich immer, wenn er an den Römerpark denkt.
Julius‘ Happy Place ist das abendliche Flutlichttraining.
Anabels glückliche Erinnerung sind die Spaziergänge mit ihrer Mutter und ihrem Hund Isi und das Kaffeetrinken mit Emma.
Fritzi verbringt Zuhause gerne Zeit am Pfarrlandplatz mit ihren Mädels.
Valeries Happy Place ist oben auf dem Waberla neben der Kapelle, von dem aus sie mit ihrer Family gerne Drachen steigen lässt.
Leo erinnert sich mit Freude daran, wie er samstags um 15:30 Uhr Bundesliga mit einem Mangiamangia Burger schaut.
Laras Happy Place ist bei Minou.
Hannes vermisst es, Fahrrad zu fahren.
Ronjas Happyplace ist es, in einem verschneiten Winterwald zu joggen, die kalte Luft zu genießen und mit gutem Hunger heimzukommen:).
Meine persönlichen Happy Places sind unsere alljährlichen Familienessen an Weihnachten, und der Apfelbaum bei meinen Großeltern, unter dem wir gerne im Schatten liegen, lesen und Waffeln essen.
Raphaels Happy Place ist mit seinen Freunden des Theaters an der Weinstraße (www.tadw.de) nach einer langen und anstrengenden Vorstellung noch geschminkt im Kreis zu sitzen und ein Feierabendbier (Rheingönnheimer natürlich) oder einen leckeren Rotwein (St. Laurent z.B.) zu genießen und über all die Patzer während der soeben gespielten Darstellung und der dafür nötigen Improvisationskunst (soll ja keiner was von den Patzern merken) herzlich zu lachen.

Unsere Nostalgie steigerte sich noch, als Otto zufälligerweise (vermutlich aus Langeweile) die Wochen bis zu unserer Rückkehr nach Deutschland zählte und zu unser aller Erschrecken nur auf neun kam. Als Folge machte sich auf der Johann Smidt unter uns Schüler*innen und Lehrer*innen eine gewisse Abschiedsstimmung bzw. ein Gefühl der Rückreise breit, auch wenn wir noch mehr als zwei Monate vor uns haben. Ich hoffe, dass jetzt nicht der Eindruck entstanden ist, dass wir hier auf der Johnny traurig sind, denn wem könnte es mit diesen hammer-geilen Menschen in der Karibik schlecht gehen :).

So endete der Montag und wir freuten uns einmal mehr, dass wir hier so eine wunderschöne Zeit mit so vielen geilen Leuten verbringen dürfen. Na, also dann bis in neun Wochen 🙂
LG Johannes

Grüße:
Johannes grüßt Nathalie und Maxi Schu: „Ich hoffe, dass ihr vor eurem Rückflug noch eine schöne Zeit in Kuba hattet.“ (ihr geht schon irgendwie `n bissel ab :))
Raphael grüßt das gesamte TadW-Volk nördlich wie südlich der Elbe ?? Ich vermisse euch, vermisse Theater, vermisse die Limburg, unsere Bühne, Theater spielen und so viel mit euch Lachen!
Selmo grüßt ihre sensible Künstlerfamilie 😉
Selmo grüßt auch noch Friedi (sorry bin irgendwie voll der Fan von Spitznamen geworden…) und Anna Montana und freut sich auf Spinstergirls-treffen hehe!
Vali grüßt ihre Familie, besonders ihre Mami ??. Ich denke sehr viel an euch in letzter Zeit und an alles was ich vermisse an euch. Und eure Briefe sind mittlerweile schon echt faltig, da ich sie so oft schon gelesen habe. Ich liebe euch ganz doll!
Noah grüßt Henry. Endlich biste `n Jahr älter.
Jonne grüßt dich.

Tornado oder kein Tornado…?

Datum: 30. Dezember 2020
Position: Barbados – Camping, Silver Sands und Oistins
Wetter: Sonne, Luft 28°
von Johannes

Anmerkung des Chronisten: Seit der Veröffentlichung meines letzten Blogeintrags, sah ich mich doch stark durch die vielen nachgegangenen kreativen Beiträge dazu „gezwungen“, meinen neuen (aktuellen) Beitrag mehr als nur einen Bericht der vergangenen Ereignisse werden zu lassen. Allerdings machte sich schon recht bald nach Beginn des Abfassens dieses Blogbeitrags bemerkbar, dass alle „kreativen“ Ideen, die ich bisher hatte, schon in vielfältiger und meist sehr ansprechender Art und Weise ihren Einsatz gefunden haben. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, über den Bericht hinaus drei Exkurse über die kulinarische Welt von Barbados, über die Sprache der Einwohner und über die „Bajan Time“ abzufassen und unter dem „eigentlichen Teil“ beizufügen.

Dienstag, der 29. Dezember stand im Gegensatz zum Folgetag ganz unter dem Motto „einfach mal komplett entspannen und zur Abwechslung mal endgültig dem Bordalltag entfliehen“. Und tatsächlich, die Dinge liefen ausnahmsweise mal fast wie geplant. Nachdem das Frühstück (zumindest nach Barbados Time) pünktlich ankam und wir uns für den Tag gestärkt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Stadtstrand des Nachbarortes Oistins. Während der etwa 40 Minuten lang dauernden „Wanderung“ sahen wir eine Luxusvilla nach der anderen an uns vorbeiziehen und konnten praktisch im Minutentakt Privatjets über unsere Köpfe hinweg fliegen sehen. Einmal mehr dachten wir uns deshalb: „Wo sind wir hier eigentlich gelandet?“. Fritzie Schus (falls das Alias für Friederike noch nicht bekannt sein sollte…) Ausruf „Kinnas, da vorne is es, auf ins kühle Blau!“ kündigte uns an, dass der Strand schon in Sichtweite sein musste und traf bei uns auf große Freude. Und tatsächlich, hinter der nächsten Kurve eröffnete sich uns der Stadtstrand und der wunderschöne Ort Oistins. Schnell fand sich der perfekte Schattenplatz, denn die Mittagssonne machte sich langsam breit und eine (unfreiwillig) kurze Ansage der Lehrer gab uns den Weg frei.

Die ersten Gruppen rannten los, die einen ins (wenig erfrischende) Wasser, die anderen in den wohl klimatisierten Supermarkt (relativ günstig: „nur“ 8 statt 18 B$ für einen halben Brokkoli). So verbrachten wir den Tag schwimmend und einkaufend. Allerdings, wie bereits erwähnt, verlief der Tag nur fast wie geplant, denn etwa gegen 15:00 Uhr kam Friztie Schuh angelaufen und rief: „Ronja (die zu dem Zeitpunkt noch in der Hängematte schlief), Stefan hat gerade angerufen. Hol die Kiddies aus‘m Wasser, dahinten is‘n Wirbelsturm oder sowas“. So sahen wir Schüler*innen (aus dem Wasser heraus), eine panische im Halbschlaf auf uns zulaufende Ronja, die uns aus dem Wasser herauswinkte. Was nun tatsächlich von Stefan, ein paar Schüler*innen und Einheimischen beobachtet wurde, konnte bis heute nicht geklärt werden, nicht zuletzt, weil die Antwort der Einheimischen, wenn man sie fragte, ob das vorhin ein Tornado gewesen sei, aus dem lauten Lachen kaum herauszuhören war.

Nach diesem kleinen Schockmoment, machten sich dann aber auch die meisten wieder auf den Weg zum Supermarkt oder zurück zum Camp. Wir, die 25 Minuten zu spät als erste im Camp ankamen, fingen dann auch schon an das Barbecue-Abendessen vorzubereiten und beobachteten für die nächste Stunde wie ein Grüppchen nach dem anderen im Camp eintraf. Aber was soll man sagen… „Bajan Time“. Anders als sonst wurden wir diesmal bekocht und zwar von der bajan Family, die uns auch jeden Morgen seit unserer Ankunft mit verschiedensten Frühstücksoptionen verwöhnt hat und an diesem Abend in den Genuss verschiedener traditioneller Speisen fürs Barbecue hat kommen lassen. Den Abend ließen wir ganz entspannt mit heißer Schokolade, gegrillten Marshmallows und guten Gesprächen ausklingen.

Mittwoch der 30. Dezember: Den Mittwoch erklärten wir zum Aktivtag, weshalb es mal wieder früh aufstehen hieß. Morgens geschah nichts Ungewöhnliches und wie schon am Vortag machten wir uns nach dem Frühstück abfahrbereit. Leider kamen die Taxis mal wieder nur nach Bajan Time pünktlich (also etwa 40 Minuten später), was uns allerdings die Möglichkeit gab, noch ein paar Runden „Werwolf“ zu spielen. Als die Taxis dann tatsächlich kamen, trat die eine Gruppe den Weg zum Coco Hill Forest Trail im Regenwald von Barbados an, die anderen machten sich auf den Weg zum Folkstone Marinepark, um zu Schnorcheln. Da ich mit meinen 10 Mitreisenden den Regenwald erkundete, kann ich leider kaum etwas über den Marinepark berichten, außer, dass alle Rückkehrer mit heller Begeisterung berichteten.

Also nun zum Regenwald. Bei unserer Ankunft wurden wir von Mahmood Patel empfangen. Mahmood oder Mood, wie er sich selbst nennt, hat sich vor 7 Jahren das Ziel gesetzt, den Regenwald von Barbados aufzuforsten. Anders als erwartet, gibt es in Barbados nämlich kaum noch Primärurwald, da die Briten, deren erste „Entdeckung“ in den kleinen Antillen Barbados war, praktisch alles rodeten um Zuckerrohr-Plantagen zu errichten. Mood, der eigentlich Hotelbesitzer hier auf der Insel ist, begann die etwa zweistündige Führung an seinem Gewächshaus, wo er Pflanzen, die er und sein Freund später in den Wald pflanzen, kultiviert. Danach führte er uns vorbei an Ingwer, Kurkuma und unzähligen anderen Pflanzen hin zum letzten Primärurwald auf der Insel (erkennbar an den indigenen Baumfarnen). Die unbeschreibliche Szenerie war geprägt von scheinbar unzählbar vielen Royal Palms, die tatsächlich mehr oder weniger hohl sind, um gegen Stürme gerüstet zu sein. Unsere Reise ging weiter, entlang an baumgroßem Bambus und einem Meditationstempel, der sich von Bambus umringt ab vom Weg findet.

Schon kurz darauf erreichten wir den neu „angepflanzten“ Urwald. Mood erklärte uns auf einem Plateau, wie er versucht durch stufenweise Bepflanzung sein Projekt „integrated farming“ voranzutreiben und der auf Barbados vorherrschenden Monokultur entgegenzuwirken. „Integrated Farming“ bedeutet, dass Mood in den bereits vorherrschenden Urwald seine Obstbäume und andere Pflanzen eingliedert, sodass der Urwald keinen Schaden nimmt. Von dieser Permakultur profitiert auch die Tierwelt (z.B. die indigenen „Green Monkeys“). Was vor 7 Jahren als Projekt begann, mit dem Mood Kokosnüsse für seinen Eigengebrauch anbauen wollte, ist heute zu einer Lebensaufgabe geworden. Vor lauter Begeisterung für den Regenwald, für Moods ambitionierter Arbeit und nicht zuletzt, weil er uns im Zuge seines Wunsches einen Ökotourismus, von dem beide Seiten profitieren, zu errichten, nahmen wir mit Freude das Angebot an, bei unserem nächsten Besuch, mit ihm ein paar Bäume in den Urwald zu pflanzen. Nach so einem ereignisreichen Tag möchte man meinen, dass der Rückweg völlig ereignislos sein würde, aber nein, denn es begegneten uns etwa 20 „Green Monkeys“ auf dem Weg. Wieder im Camp angekommen, mussten wir uns schon wieder ausgehbereit machen, denn wir ließen den Abend bei Steve in der Surfer‘s Bar mit köstlichem Essen in fantastischer (Strand-)Bar-Atmosphäre ausklingen.

Die kulinarische Welt von Barbados
In der „bajan cuisine“ finden sich afrikanische, portugiesische, indische, irische, kreolische und britische Einflüsse. Rum ist ein wichtiger Teil der hiesigen (kulinarischen) Kultur. Ein typisches Gericht besteht meist aus Fleisch oder Fisch (mariniert in einem Mix aus Gewürzen), warmen Beilagen und Salat (meistens mit einer oder mehreren Saucen serviert).

Liste von traditionell „bajan“ Gerichten
Cou-Cou mit Fliegendem Fisch (Nationalgericht): Maisbrei mit Okraschoten und natürlich fliegendem Fisch (selbst probiert im Waterside Café).
Fisch im Allgemeinen: Fliegender Fisch, Schwertfisch, Tunfisch, Hummer und Shrimps
Jug-Jug: ein „Eintopf“ aus Guinea Mais, grünen Erbsen und lokalen Gewürzen
Pepperpot: ein scharfer Eintopf (das Rezept stammt noch von den Ureinwohnern Barbadoses ab)
…und natürlich Rum.

Zur Geschichte des Rums
Rum findet zum ersten Mal um etwa 1650 in Barbados als „kill-devil“ oder „rumbullion“ Erwähnung, doch schon 17 Jahre später sagte man nur noch „Rum“. Zur Zeit des Sklavenhandels wurden Sklaven aus den Kolonien zu den „West Indies“ gebracht und gegen Molasse getauscht, die im Anschluss z.B. in New England zu Rum weiterverarbeitet wurde. Der fertige Rum wurde wiederum nach Afrika gebracht und gegen weitere Sklaven getauscht. Auch heute noch bestehen die meisten Rum-Sorten aus Molasse (ein Abfallprodukt der Zuckerrohrproduktion) und enthalten bis 5% Zucker. Seine goldene Farbe und seinen intensiven Geschmack bekommt der Rum, wenn er nach der Fermentation und Destillation in Eichenfässern eingelagert wird und reift. Rum hat üblicher Weise 43-49 vol.% (Mount Gay 43,5). Hier auf Barbados wird vor allem geschmacksintensiver, dunkler Rum, der länger gereift ist und mit Karamell nachgefärbt wird, getrunken. Die beliebteste Marke bei den „Bajans“ und Kennern auf der ganzen Welt ist „Mount Gay“, den es hier wirklich überall gibt und der vermutlich auch zur „karibischen Leichtigkeit“ hier auf der Insel beiträgt.
(Quellen: ein freundlicher Taxifahrer, Steve von der Bar um die Ecke und Schüler, die sich ganz im Sinne des Fraternisierens, Wissen in diesem Bereich angeeignet haben.)

Ein Mini-Sprachführer für Barbados
Seit unserer Ankunft hier in Barbados haben wir uns schon mehrfach in Gespräche mit „Locals“ verwickeln lassen. Und schon bald hat sich das eine oder andere „bajan word“ in unser englisches Vokabular eingeschlichen. Um Sie zuhause darauf vorzubereiten, dass ihre Kinder nur noch im „bajan dialect“ mit ihnen telefonieren werden, findet sich hier ein kleiner Sprachführer. Die Amtssprache hier auf Barbados ist Englisch und die Mehrheit der Einheimischen spricht „Bajan“, ein englischer Dialekt mit starken kreolischen und westafrikanischen Einflüssen. „Bajan“ ist eine (fast ausschließlich) gesprochene Sprache und es gibt keine standardisierte Schreibweise. Meist werden bajan Wörter einfach nach ihrer phonetischen Entsprechung niedergeschrieben (also auf gut Deutsch: geschrieben, wie man´s ausspricht) und die Schreibweise von Wörtern variiert von Person zu Person. Bajan sprechende Bajans kann man eigentlich ganz gut verstehen, sind aber, falls man sie Mal nicht versteht, gerne dazu bereit, Gesagtes nochmal langsam zu wiederholen.

Bajan entstand vermutlich, als westafrikanische Sklaven nach Barbados gebracht und gezwungen wurden, Englisch zu sprechen. Die Sklaven konnten allerdings nicht ohne Weiteres die Sprache lernen, weshalb sich fast eine neue Variante der Sprache entwickelte, die es den Sklaven ermöglichte, auch vor den Sklavenhaltern unbehelligt zu kommunizieren. Die Entwicklung dieser Sprache ist bis heute nicht abgeschlossen, da ständig neue Idiome, Ausdrücke und Terminologien hinzugefügt werden. Auch innerhalb der Insel variiert die Aussprache verschiedener Wörter.

Die „Basics“
Plural von you ist wuna.
They, them, their ist dem.
You, yours ist yu.
Oft wird th durch d ersetzt
Fragen sind meist Aussagesätze mit anderer Intonation.
Bsp. „Wuna eat the fish?“ bedeutet „Did you eat the fish?“

Häufig benutze Wörter, Ausdrücke und Sätze
Bashment – A party
Bassa-bassa – A fight
Busylickum – A busy body
Cutter – A sandwich
Dead house – A mortuary
Do-fa-do – Tit-for-tat
Ecky-becky – A poor Caucasian
Evah – Every
Flim – A film
Fortyleg – A centipede
Fuzz-out – To be tired from strenuous activity
Gap – A road or street
Goat head – An idiot
Government juice – Water
Hobby class – Something free of charge
Igrant – Ignorant
Jah – God
Jill – A pint
Kiboes – Hips
Lick – To hit
Mout – Mouth
Muster – To save (especially money)
Nain – Nothing
Nuse – To eat
Odd cents – Loose change
Out it out – Turn off the light
Ovadayso – Over there
Pickney – A child
A plaster for every sore – An excuse for every situation
Pocket pistol – Roasted corn on the cob
Reckon – To count change
Rockinengine – A steamroller
Run de route – Let us go
Sea cat – A squid
Trildren – Children
Vise – To understand
Whax- palax- bruggadown-brax – A hard hit followed by a fall
Wizzy wizzy – Whispering
Yute – A child or youth
ZR (pronounced ‘Zed-R’) – A privately owned route taxi

„Bajan“ Sprichwörter
De higher de monkey climb, de more he show he tail. – The more you show off, the more you show people your faults.
Gol’ teet doan suit hog mout. – Fancy things don’t suit people who aren’t used to them.
Cat luck ain’ dog luck. – What one person can get away with, another may not.
Wuh ain’ see you, ain’ pass you. – Something that you got away with may catch up with you later.
Ef greedy wait hot wud cool. – Your patience will be rewarded.

Die „Bajan Time“
In Barbados ist für einen angenehmen Aufenthalt vor allem eine Sache seeeehr wichtig: sehr geduldig zu sein, denn hier in Barbados herrscht nicht nur eine andere Zeitzone, sondern auch eine andere „Zeitinterpretation“. Man rechnet hier nämlich in „Bajan Time“, was bedeutet, dass Dinge einfach passieren, wenn Dinge passieren. Die „Bajan Time“ bietet ebenfalls eine wunderbare Ausrede für uns Schüler*innen wie für die Lehrer*innen, eine Stunde nach verabredeter Zeit im Camp eintrudeln (Erlebnis frei erfunden…).
Johannes

Grüße:
Johannes grüßt seine Freunde, seine Familie und alle fleißigen Blogleser: HAPPY NEW YEAR! Wie Andraaasch, unser Steuermann, sagen würde: „Gefeiert wird natürlich nur zu christlichen Zeiten“ 🙂
Selma wünscht allen da draußen einen guten Rutsch und Annika Happy happy Birthday: „Hoffe, dein Tag war schön und du konntest feiern, grüß‘ den Rest von mir!“
Clara wünscht allen ein schönes neues Jahr. Und ihrer Cousine Johanna alles Gute nachträglich zum Geburtstag!
Friedi grüßt Luci und Jordi – die stabilen Brüder – ganz herzlichst und freut sich über die fleißigen Blogleser!
Hannes grüßt Moritz, Charlotte mit Noah und Emanuel: „Ich freue mich schon auf das Wiedersehen und das Segeln im Sommer“. Zudem schöne Grüße an Scharax und Danke für das schnelle Anfertigen der Brille.
Timana grüßt die freundliche Physiotherapeutin aus Oistins: „Es war ein langer, aber schöner Abend.“ Außerdem Freunde, Familie und alle weiteren Idioten, die ab und zu an mich denken (hoffe ihr seid gut ins neue Jahr gekommen).