kurzer Inselstopp auf Quessant

Ankerbucht vor Insel Quessant / Frankreich
48°28’0 N · 05°03’2 W
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Zugegeben: nicht allen an Bord ging es die ersten Tage in der Nordsee so gut, wie wir uns das erträumt hatten. Sobald das Schiff unterwegs ist schaukelt es. Und sobald es schaukelt, besteht die Gefahr – zumindest vorübergehend – seekrank zu werden. Nach wenigen Tagen ist meist alles vorbei und niemand stört sich mehr an Seegang und misslichen Schiffsbewegungen. Bis dahin ist für die Betroffenen jede Ankerbucht ein sicherer Hafen und für alle eine willkommene Abwechslung im Schiffsalltag

Gestern Nachmittag, 15.45 Uhr, erreichten wir Quessant – eine kleine französische Insel vor der bretonischen Küste am westlichen Ausgang des Ärmelkanals. Kaum hatten wir unseren Ankerplatz erreicht, wurde die »Schwarze Betty« – unser Dingi – ins Wasser gebracht und mit ihr (in vier Fahrten) alle Schülerinnen und Schüler für zwei Stunden an Land: »Beine vertreten!«

Heute morgen um 8.05 Uhr wurde der Anker wieder gehisst und wir starten recht enthusiastisch in die berüchtigte Biscaya …

Ein wunderbarer Landgang und ein ungewöhnlicher Hafenmeister

Position: 47° 58.174 N 5° 21.638 W
Kurs: 209°
Bisher zurückgelegte Seemeilen: 726
Wind: 2 · Luft: 22° leicht bewölkt
Gesetzte Segel: Mainstay Sail
Geschwindigkeit: 7.8 kn (Motor aktiv)


Gestern, am 14. Oktober saß ich in der Messe (Aufenthaltsraum auf Schiffen) und habe gelesen. In meiner Wache, etwa acht Stunden zuvor, gab es das Gerücht, dass wir in den nächsten Tagen an einer französischen Insel vor Anker gehen werden. Ich persönlich habe gedacht, dass wir erst in drei bis vier Tagen, wenn überhaupt, die Insel erreichen würden.

Nun wieder zurück. Ich saß in der Messe und plötzlich sprang jemand auf und rief: „was ist denn hier los?!?“. Dieser Jemand war ich und ich habe aus dem Fenster geschaut und nicht, wie erwartet, nur das offene Meer gesehen. Nein ich habe eine Insel gesehen – kaum einen Kilometer weit weg. Ich bin an Deck gelaufen und sah, dass ich mich nicht getäuscht hatte. Vor uns lag eine Insel, die L’ile d’Ouessant. Nun erkannte ich auch, dass wir schon in den Hafen einfuhren, genauer gesagt: in eine große natürliche Bucht, die als Ankerplatz dienen sollte.

Gegen 17.00 Uhr wurden wir alle zum „Main Deck“ gerufen für das tägliche Meeting. Kurz davor hatten wir den Anker geworfen und alle Schüler:innen waren erwartungsvoll, denn es wurde bekanntgegeben, ob wir an Land fahren würden und was es zu beachten gäbe, z.B. mit Covid. Als verkündet wurde, dass wir an Land durften, brachen Jubelstürme aus. Die Menge grölte. 7:1 für Deutschland! (Warte mal –  das war was anderes) Also: Jubelstürme brachen aus. Alle freuten sich. Wir durften für etwa zwei Stunden, bis 20.00 Uhr, an Land, damit wir zum Abendessen und Sonnenuntergang zurück sein würden.

Um 17.45 Uhr wurden alle mit dem Dingi auf die Insel gebracht und dann teilten wir uns in Gruppen auf. An dieser Stelle teilt sich die Erzählung.

Die Gulden Leeuw am Ankerplatz vor L’ile d’Quessant Fotos: © Mark
Klippen auf L’ile d’Quessant
Klippen auf L’ile d’Quessant

Perspektive von Mark (ich):
Ich bin mit Kasimir und Maxi (Maximilian) losgegangen. Wir drei hatten uns vorgenommen vom Hafen nach Süden zu gehen, entlang der Klippen und Steilküsten um möglichst viele und gute Fotos zu machen. Als wir den Weg hinaufgingen und ich zum ersten Mal einen Blick die Steilküste hinab warf, sah ich auf der linken Seite eine wunderschöne Wiese. Auf der rechten Seite war das Meer. In diesem Moment rutschte die Insel direkt auf einen sehr hohen Platz meiner Lieblingsplätze. Die darauffolgende Stunde sind wir weiter auf dem Weg entlang der Steilküste gegangen. Leider kann ich nicht genug Bilder mitsenden (begrenztes Datenvolumen), um euch diese Insel genauer zu zeigen. Auf dem Rückweg hatten wir noch die Gelegenheit, unsere Französischkenntnisse zu trainieren. Insgesamt habe ich dreimal „Salut“ (Hallo) und einmal „Bon jour“ (Guten Tag) gesagt. Ich bin stolz auf mich.

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Perspektive von Natalia:
Natalias Gruppe hatte leider nicht so viel Glück. Zuerst wollten sie in ein echtes französisches Café gehen und dort etwas essen. Natalie hatte vom Schiff aus eines gesehen. Als sie und ihre Gruppe dort ankamen, erlebten sie eine Enttäuschung: das Café hatte geschlossen. Nachdem sie mit einigen Einheimischen gesprochen hatten, stellte sich heraus, dass so gut wie alle Geschäfte auf der Insel um 18.00 Uhr schließen. Am Ende liefen sie und ihre Gruppe noch zum Leuchtturm, der auf den Klippen über dem Hafen steht. Von dort hatten sie einen tollen Ausblick über die Bucht, in der die Gulden Leeuw vor Anker lag.

Den aufmerksamen Leser:innen wird aufgefallen sein, dass ich noch nicht über den Hafenmeister berichtet habe. Der Grund ist, dass der den wir kennengelernt haben, gar kein klassischer Hafenmeister ist. Nein, er oder sie ist nicht einmal ein Mensch_ Der Hafenmeister ist ein Delfin, der sich laut Auskunft der Einheimischen seit 20 Jahren in der Nähe der Insel aufhält und sich die ankommenden Schiffe auf der Insel anschaut. Ihn zu sehen, war ein tolles Ereignis, zumal es für uns Schüler:innen vollkommen unerwartet war.

Euer Mark

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Abschließend möchte ich allen danken, die diesen Artikel gelesen haben. Noch viel mehr möchte ich all meinen Verwandten und Freund:innen danken, die diese Reise für mich möglich gemacht haben. Danke, Danke, Danke.

Liebe Verwandte und Freund:innen, ich vermisse euch und wünsche euch alles Gute.