»Land in Sicht!«

Position: 28°27.368‘N, 16°14.471‘W
Hafen von Santa Cruz auf Teneriffa


Unsere erste Reise-Etappe (Hamburg – Kanaren) mit abschließender ereignisreicher Überfahrt von Cádiz nach Teneriffa geht zu Ende. Alle sind (wieder) wohlauf – die Stimmung ist heiter. Auf unserer Gulden Leeuw segeln wir die letzten Meilen Richtung Kanarische Inseln. Der Pico del Teide bzw. seine Wolken sollten in wenigen Stunden am Horizont auftauchen! 

Die Schülerinnen und Schüler nach dem Anlegen auf Teneriffa
Freude über die erfolgreich absolvierte erste Etappe nach dem Anlegen in Teneriffa @ Peggy
Karina auf der Gangway in Santa Cruz
Karina präpariert die Gangway in Santa Cruz © Peggy

Gemeinsam sind wir bereits durch stürmische Winde, Regen und Sonnenschein gefahren und zu einer familiären Bordgemeinschaft mit Herz und nautischem Hintergrundwissen zusammengewachsen. Wir haben bewiesen, dass wir Hand in Hand unser Schiff segeln können, haben andere Herausforderungen mit Ausdauer und Verantwortungsbewußtsein bewältigt und dabei Einfühlungsvermögen und Größe gezeigt. Wir wissen, dass die nächsten Etappen und der Monat auf dem Atlantik neue, unerwartetete und spannende Situationen mit sich bringen werden aber auch, dass wir bereit dafür sind!

Gestern um 12.50 Uhr hieß es „Land in Sicht“.
Heute um 10.20 Uhr haben wir angelegt!

Wir freuen uns nun auf die Vulkaninsel, den Landaufenthalt, die kommenden Erkundungstouren mit festen Boden unter den Füßen.

Jade und Peggy


  • PS: Ich grüße Oma; Mimi und Apa; Traudl und Heinrich; Mama, Papa und Foster; Maria, Vivienne, Carlotta; Kumpel und die Pferdis <3 -Finia

»Search and Rescue« vor Teneriffa

Datum: 09.11.2021
Position: 28°52.139’N, 15°51.566‘W · Kurs: S 188°
Zurückgelegte sm: 2811.21
Wetter: leicht bewölkt · Luft: 22° · Wind: 3 Bft
Gesetzte Segel: flying jib, fore staysail, main staysail, main sail
Geschwindigkeit: 3.9 Knoten

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Gestern Abend (8. November) hatten wir um 20:00 Uhr unser Schüler:innen-Meeting, welches um 21:15 Uhr wegen einer zu fahrenden Halse beendet werden musste. Luis, der auf Steuerbord »lookout« (Ausguck) war, hat dann gegen 22:00 Uhr eine beunruhigende Entdeckung gemacht: ein rotes Licht über dem Horizont. Daraufhin standen mehrere Leute mit Ferngläsern auf der Brücke und haben geguckt, was es war. Es wurde klar, dass es sich um eine rote Leuchtrakete handelte, die bedeutet, dass sich Menschen in Seenot befinden. Danach wurden drei weitere rote Raketen gesichtet. Wir haben dann innerhalb von 10 Minuten alle Segel bis auf das Course Sail und das outer jib runtergeholt, damit wir unseren Kurs schnell ändern konnten. Währenddessen war komplette Stille an Deck und alle waren konzentriert.

Um 22:10 Uhr hat der Captain dann die Tenerife Coastguard über Funk kontaktiert und unsere Sichtung beschrieben. Danach hat die Küstenwache eine SAR-Mission (Search and Rescue) ausgerufen. Die Sichtung der Leuchtraketen wurde von einer Yacht in der Nähe dann auch über Funk bestätigt. Zeitgleich wurden lookouts am ganzen Schiff aufgestellt. Um 22:45 Uhr haben diese eine weiße Leuchtrakete  und gegen 23:00 einen SAR Helikopter gesichtet, der das Gebiet absuchen sollte, wo wir die Rakete gesehen hatten. Irgendwann musste der Heli zurückfliegen. Stattdessen kam ein Flugzeug, welches weiter nach Auffälligkeiten im Wasser gesucht hat.

Um 23:45 Uhr haben wir Kurs auf die Stelle genommen, an der wir die weiße Leuchtrakete gesehen haben. Das Flugzeug musste nach erfolgloser Suche zum Tenerife Airport zurückkehren. Um 3:00 Uhr wurde dann die SAR Mission abgebrochen. Während der ganzen Zeit herrschte komplette Stille an Deck und alle waren durchgehend konzentriert. Alle waren ein gutes Team während der gesamten Aktion. Im Anschluss gingen wir wieder ins Wachsystem über. Für Gespräche über diese Nacht waren die pädagogische und professionelle Crew da. Am Morgen gab es eine Gesamtansprache vom Kapitän. Wir konnten alle stolz auf unsere Leistung sein, denn wir haben alles richtig gemacht.

Johannes