Los, alle raus!

24. Oktober 2021
Position: 43°17.49’N 9°30.13’W
Kurs: WSW 255°
Bisher zurückgelegte Seemeilen: 1233.62
Wind (Stärke, Richtung): Süd/ Süd-West, Windstärke 3
Wetter: wolkig, ein bisschen Regen · Temperatur Wasser & Luft: kalt
Gesetzte Segel: outer jib, inner jib, forestaysail, mainstaysail, mainsail, mizzen
Geschwindigkeit: 4.9 Knoten
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Heute Morgen bin ich gegen acht Uhr durch einen lauten Knall aufgewacht. Ich blieb aber erst einmal im Bett liegen, da ich davon ausging, dass einfach eine Badezimmertür zugegangen sei. Kurz danach begann jedoch ein Alarm, der aus der gleichen Richtung kam. Der Alarm klang wie ein Klingeln und deshalb gingen wir alle davon aus, dass es die Sicherheitstür zwischen dem Schlafraum und dem Flur der Badezimmer war, die sich schloss. Denn dort befindet sich eine große Metalltür, die im Notfall schließt, damit sich zum Beispiel Feuer oder Wasser nicht ausbreiten können. Neben der Tür hängt ein Warnschild mit der Bedeutung, dass beim Schließvorgang keine Person mehr durchgehen soll. Wir sind also alle aus den Betten gesprungen und nach oben in die Messe gegangen, da wir vermuteten, dass es entweder wirklich ein Alarm oder wieder eine Übung war. Wir haben uns dann erst einmal in Wachen an Tischen gesammelt, da wir dies im Notfall (und bei Übungen) so tun sollen.

Dann kam Kacper, unser Maschinist, oben von der Crew-Messe (Gemeinschaftsraum auf See) runter und fragte, was denn los sei. Er wunderte sich, dass plötzlich so viele auf einmal hochkommen. Kurz darauf kam auch Robert, unser Kapitän, der sich ebenfalls wunderte, warum wir oben in der Messe sind. Die Reaktionen der Beiden haben uns gezeigt, dass es wohl keine Übung ist und dies hat für noch mehr Verwirrung gesorgt. Es wurde schnell ziemlich still in der Messe. Die Crew ist dann in verschiedene Richtungen gegangen, um herauszufinden, was dort unten im Schlafraum vor sich gehen würde. Etwas später erklärte uns Robert was passiert ist: Aufgrund der Schräglage des Schiffes hat sich die Tür gelöst und 5 cm weit geschlossen. Das hat jedoch ausgereicht. Wenn sich die Tür schließt, geht eben auch der Alarm los. Das war auch der Grund, weshalb die Crew oben nichts davon mitbekommen hat. Denn der Alarm ist nur für die Tür, um zu zeigen, dass man nicht mehr durchgehen darf. Und deshalb gab es auch zu unserer Verwunderung keinen anderen Alarm.

Luci, unsere Reisebegleiterin (ein kleiner Katta aus Plüsch), hat vom Kronleuchter aus alles beobachtet und kennt sicher so manche Geheimnisse vom Schiffsleben.

Text und Foto: Amelie

Schiffs-Beobachtungen Wache 8-12

27.08.2021 um 13 Uhr 
Position: 53°54.6′ N – 07°59.7′ E
Kurs: 110° · Ziel: Bremerhaven
Bisher zurückgelegte Seemeilen: 120 Meilen
Wind: 5 Windstärken aus 10° NNE,
Luft 20° Celsius
Segel: Mainstay Sail, Forestay Sail, Upper Topsail, Lower Topsail
Geschwindigkeit: 5.2 Knoten

Wir beginnen unseren Bericht mit der Nacht: Während die Meisten schliefen oder es zumindest versuchten, flogen mehrere Reisetaschen, Rücksäcke und deren Inhalt quer durch den Schlafraum. Beim Aufstehen war dies für einige eine Überraschung. Wenn man aufstand, fiel es schwer, nicht zu stolpern oder gar jemandes Schuhe beiseite zu treten.

Als wir dann alle – trotz erschwerten Bedingungen – gefrühstückt hatten, begann unsere Wache 08 – 12 Uhr. Nach etwa einer halben Stunde fiel uns ein unbekanntes Schiff auf. Es sah dunkel aus, hatte einen sehr hohen Aufbau und fuhr bei schneller Geschwindigkeit. Etwa 20 Minuten später fanden wir heraus, was es war. Als es uns in etwa 400 m Entfernung überholte, stellten wir fest, dass es eine Militärfregatte war. Wir sind uns nicht sicher, welcher Schiffstyp es gewesen ist – wir wissen nicht einmal, unter welcher Flagge es fuhr.

Als wir dieses leicht beängstigende und verwirrende Ereignis verarbeitet hatten, passierte das Nächste. Ein Militärhubschrauber flog über unser Schiff. Zwei Minuten später schwebte er vermutlich 30 Meter über dem Wasser und ließ ein unbekanntes Objekt herunter. Dadurch kam uns der Verdacht, dass sie nach vermissten Personen suchten. Diese Theorie wurde auch nicht durch den schnell auftauchenden Seenotrettungskreuzer am Horizont entkräftet. Unser Mitschüler hatte vermutet, dass der Hubschrauber vom Militär und auf U-Boot-Jagd ist, bzw. sich in einer Übung befindet. Bis jetzt ist dies unsere wahrscheinlichste Theorie.

Letztlich erschien ein Seenotrettungskreuzer am Horizont. Mit der Zeit kam dieser immer näher. Wieder fünf Minuten später, war er direkt hinter unserem Schiff. Für uns alle war es ein überraschendes Ereignis. Wir winkten den vorbeifahrenden Lebensretter:innen und halten die Daumen für erfolgreiche Rettungsmanöver.

Es war ein ereignisreicher Tagesstart, er bescherte uns einige schöne Fotos, witzige Ereignisse und tolle Geschichten zum Erzählen.

Blogeintrag von Mark und Amelie

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Ein Nachtrag: 
Auch an Bord des Seenotrettungskreuzers „Anneliese Kramer“ wurden Fotos gemacht, die uns die Besatzung per Mail zur Verfügung gestellt hat. 
Zu unserem obigen Foto gibt es auf diese Weise einen »Gegenschuss« und weitere Bilder von unserer »Gulden Leeuw« in bewegter See: