Vom Luxus der Toilettenspülung

Ist eine Toilettenspülung Luxus oder Notwendigkeit?
Vermutlich haben sich die Meisten noch keine Gedanken über dieses Thema gemacht. Ich jedenfalls habe noch nie darüber nachgedacht. Warum auch? Zuhause ist es  eben »normal«, eine funktionierende Toilettenspülung zu haben. Wir sind es so gewohnt.

Aber wie auch vieles Andere, ist dies hier an Bord nicht immer so. Sicherlich könnt Ihr Euch vorstellen, dass die Spülung hier an Bord etwas anders funktioniert. Wie anders, ist aber doch überraschend und – wie wir nun am eigenen Leib erfahren mussten – nicht immer sehr angenehm.
Das, was wir sonst wegspülen, landet hier in einem Tank. Und der war kaputt. Die letzten drei Tage hat deshalb die Crew versucht, den Tank zu reparieren, wofür die Wasserspülung ausgeschaltet werden musste. Das bedeutete für uns, dass wir für jeden Toilettengang einen Eimer mit Salzwasser holen (da wir in Cádiz waren, haben wir das Hafenwasser benutzt) und in die Toiletten kippen mussten, um zu spülen. Für viele (mich eingeschlossen) war dies alles andere als angenehm, zumal wir nicht immer alles mit einem Eimer runter bekommen haben und es nach einiger Zeit auch angefangen hat, zu riechen.

Da wir keine andere Möglichkeit hatten (außer auf die, wie auch zuhause, nicht gerade appetitlichen McDonalds Toiletten zu gehen), mussten wir uns mit dieser Vorgehensweise anfreunden oder zumindest zufriedengeben. Gestern Nachmittag war die Crew mit ihren Arbeiten fertig und hat die Toilettenspülungen wieder aktiviert. Die Freude war riesig! Es war schon komisch zu sehen, wie sehr sich alle für eine eigentliche Selbstverständlichkeit begeistern konnten.

Sofort kam die Frage auf, ob es nun ein Luxusproblem ist, wenn die Toilette nicht einwandfrei funktioniert, oder ob es eine Notwendigkeit ist (z.B. aus Hygienegründen), dass man eine jederzeit funktionierende Spülung hat. Natürlich gibt es dafür keine abschließende Antwort, zumal vermutlich jeder eine andere Sicht auf dieses Thema hat. Ich sah es bisher als eine Selbstverständlichkeit an, da zuhause eben immer alles einwandfrei lief. Als ich gestern erstmals über dieses Thema nachdachte, ist mir klar geworden, dass unser »Problem« doch eher ein Luxusproblem war. Schließlich waren wir in keinerlei Hinsicht beeinträchtigt, und für uns hatte sich – abgesehen davon, dass wir einmal kurz rausgehen und einen Eimer Wasser holen mussten – nicht wirklich etwas geändert.

Bedenken sollten wir auch, dass viele Menschen auf dieser Welt überhaupt keine Toilette haben. Dennoch ist es – erst recht, wenn sich 60 Leute vier Toiletten teilen müssen – einfach angenehmer, wenn sie »normal« spülen können!

Wir sind jetzt jedenfalls alle glücklich, dass alles wieder läuft und »mental vorbereitet«, falls die Spülungen hier wieder einmal versagen, was übrigens gar nicht so unwahrscheinlich ist.

Text: Annelie

PS: Es tut mir leid, dass das Wort »Toilettenspülung«so oft vorkam! 🙂