»Search and Rescue« vor Teneriffa

Datum: 09.11.2021
Position: 28°52.139’N, 15°51.566‘W · Kurs: S 188°
Zurückgelegte sm: 2811.21
Wetter: leicht bewölkt · Luft: 22° · Wind: 3 Bft
Gesetzte Segel: flying jib, fore staysail, main staysail, main sail
Geschwindigkeit: 3.9 Knoten

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Gestern Abend (8. November) hatten wir um 20:00 Uhr unser Schüler:innen-Meeting, welches um 21:15 Uhr wegen einer zu fahrenden Halse beendet werden musste. Luis, der auf Steuerbord »lookout« (Ausguck) war, hat dann gegen 22:00 Uhr eine beunruhigende Entdeckung gemacht: ein rotes Licht über dem Horizont. Daraufhin standen mehrere Leute mit Ferngläsern auf der Brücke und haben geguckt, was es war. Es wurde klar, dass es sich um eine rote Leuchtrakete handelte, die bedeutet, dass sich Menschen in Seenot befinden. Danach wurden drei weitere rote Raketen gesichtet. Wir haben dann innerhalb von 10 Minuten alle Segel bis auf das Course Sail und das outer jib runtergeholt, damit wir unseren Kurs schnell ändern konnten. Währenddessen war komplette Stille an Deck und alle waren konzentriert.

Um 22:10 Uhr hat der Captain dann die Tenerife Coastguard über Funk kontaktiert und unsere Sichtung beschrieben. Danach hat die Küstenwache eine SAR-Mission (Search and Rescue) ausgerufen. Die Sichtung der Leuchtraketen wurde von einer Yacht in der Nähe dann auch über Funk bestätigt. Zeitgleich wurden lookouts am ganzen Schiff aufgestellt. Um 22:45 Uhr haben diese eine weiße Leuchtrakete  und gegen 23:00 einen SAR Helikopter gesichtet, der das Gebiet absuchen sollte, wo wir die Rakete gesehen hatten. Irgendwann musste der Heli zurückfliegen. Stattdessen kam ein Flugzeug, welches weiter nach Auffälligkeiten im Wasser gesucht hat.

Um 23:45 Uhr haben wir Kurs auf die Stelle genommen, an der wir die weiße Leuchtrakete gesehen haben. Das Flugzeug musste nach erfolgloser Suche zum Tenerife Airport zurückkehren. Um 3:00 Uhr wurde dann die SAR Mission abgebrochen. Während der ganzen Zeit herrschte komplette Stille an Deck und alle waren durchgehend konzentriert. Alle waren ein gutes Team während der gesamten Aktion. Im Anschluss gingen wir wieder ins Wachsystem über. Für Gespräche über diese Nacht waren die pädagogische und professionelle Crew da. Am Morgen gab es eine Gesamtansprache vom Kapitän. Wir konnten alle stolz auf unsere Leistung sein, denn wir haben alles richtig gemacht.

Johannes

Ein letzter Tag in Hamburg

9. Oktober 2021
Position: Elbe (53°34.206’ N 9°40.612’E)
Kurs: Elbmündung (270°)
Zurückgelegte Seemeilen: 19,9 Seemeilen
Wind: Süd 2 Bft. · Luft Temperatur: 14°
Geschwindigkeit: 7,3 kn unter Motor

 

18.05 Uhr: Gerade fahren wir die Elbe entlang zur Elbmündung, um in die Nordsee zu gelangen. Vor gut zwei Stunden haben wir in Hamburg abgelegt. 

Begonnen hat der Tag für uns mit einem „Abandon Ship Drill“ nach dem Frühstück. Da haben wir geübt, wie wir uns in einer Notsituation benehmen und verhalten sollen, wenn es z.B. ein Feuer gibt oder wir eins sehen. Der Koch hatte sich dazu ganz entspannt ein Toast gemacht und dann mit uns besprochen, wo wir hin müssen, damit wir nicht die Crew behindern, wenn sie das Feuer bekämpft.

Nach dem Drill haben wir ein Gruppenbild gemacht, welches leider unscharf geworden ist, da die Kamera verstellt war. Hinterher haben wir das Schiff aufgeräumt, damit wir zum Ablegen stolz sein und es schön präsentieren können. Als wir damit fertig waren, wurden die Duschen der Mädchen von Kacper, unserem Maschinisten, repariert.

Dann kamen auch schon die Eltern und der letzte Abschied begann. Es gab mehrere Reden: von den Schüler:innen, dem Kapitän, dem Leiter der Hermann-Lietz-Schule und von den Eltern. Ich (Pablo) konnte leider nicht alle Reden hören, weil ich mir während des Abschieds den Fuß verletzt hatte und er verarztet werden musste. So konnte ich nur Abschnitte hören.

Die Gangway wird eingeholt
Die Gangway wird eingeholt – gleich legen wir ab.

Als wir gegen 15.45 Uhr losfuhren, haben die Schüler:innen bemerkt, dass sie ihre Eltern und Freund:innen die nächsten sieben Monate nicht mehr sehen werden. Nach etwas Zeit war keiner mehr traurig und alle haben sich auf die Reise, die uns bevorsteht, sehr gefreut. Dann gab es Hühnchen mit Kartoffelspalten und Blumenkohl zum Abendessen. Und jetzt geht es langsam mit den Seewachen los.

Wir fühlen uns alle sehr besonders und gut, weil wir die ganzen Länder sehen dürfen. Und das alles auf einmal in einer Reise, das ist einfach anders und einmalig.

Text: Pablo, Johannes, Salomon

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Ein Nachtrag: 
»von Land« erreichen uns noch einige Bilder, die zeigen, dass nicht nur wir uns von unseren Angehörigen und Freund:innen verabschieden, sondern sie auch von uns! Wir vermissen Euch jetzt schon! 

Die Pier ist voller Menschen

Eltern warten am Elbufer auf die Gulden LeeuwAbendliches Warten am Elbufer um einen letzten Blick auf unser Schiff zu werfen.

die Gulden Leeuw im Sonnenuntergang auf der Elbe
Die Gulden Leeuw vor goldenem Hintergrund am ersten Abend unserer Reise.